Text-Bild-Ansicht Band 342

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wir werden uns daran gewöhnen müssen, mehr „genormte“ Gebrauchsgegenstände zu verwenden, wenn wir im Wirtschaftskampf mit Völkern, die dies tun, nicht unterliegen wollen – und schließlich hat die Normung ja auch dadurch ihre gewaltigen Vorteile, daß man zu einem Gegenstand immer wieder passende Ersatzteile bekommt, während man ihn jetzt oft wegen einer fehlenden Kleinigkeit, die nicht mehr zu bekommen ist, wegwerfen muß. Daß sich die Normung und mit ihr die Fließarbeit brechen werden, ist schon deshalb sicher, weil die so hergestellten Waren bedeutend billiger werden. So wird auch der, der sich jetzt noch durchaus abgeneigt zeigt, genormte Gegenstände zu verwenden, doch durch die Rücksicht auf seinen Geldbeutel dazu gezwungen werden, keinen Anstoß mehr daran zu nehmen, wenn Neumanns und Lehmanns dieselben Stühle haben wie Schmidts und Müllers. Die Furcht, unser Leben könne dadurch an Schönheit verlieren, ist unbegründet, denn die Ersparnisse an den Gegenständen des täglichen Bedarfs werden eben durch die Normung und damit durch Ermöglichung der Fließarbeit so bedeutend sein, daß uns zur Verschönerung unseres Lebens viel mehr Geld übrig bleibt als jetzt. Und auch die „Fließarbeiter“ werden infolge ihres höheren Verdienstes an der Verbesserung der allgemeinen Lebenshaltung reichlich Anteil haben, ganz abgesehen davon, daß auch sie der Verbilligung der Waren teilhaftig werden.

Vom Aluminium.

Ein zukunftsreicher Hundertjähriger.

Von Prof. Dr. Weilburg.

mf. (Nachdruck verboten.) Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, ja auch das „flüssige Silber,“ wie man früher das Quecksilber nannte, sowie auch manche allbekannte Metallzusammensetzungen, sogenannte Legierungen, wie namentlich Messing und Bronze, sind schon seit dem Altertum bekannt und zu den mannigfachsten Zwecken benutzt worden. Nur eins von den Metallen des alltäglichen Gebrauchs verdankt seine Gewinnung der bewußten wissenschaftlich-chemischen Forschung: das Aluminium. Fragen wir uns nach dem Grund, weswegen sich gerade dieses Metall, das ja in seinen Verbindungen, wie z.B. Ton, von allen das bei weitem verbreiteste ist, der Darstellung als Metall so lange entzog, so werden wir gleich auf eine Grundeigenschaft des Aluminiums geführt: seine bei höheren Wärmegraden außerordentlich starke Neigung zu Sauerstoff, die es ausschließt, das Metall auf dem gewöhnlichen Wege zu gewinnen, nämlich durch sogenannte Reduktion, d.h. durch Wegnahme des Sauerstoffs seiner Sauerstoffverbindungen durch Kohle. Indessen hat diese große Neigung des Aluminiums, sich mit Sauerstoff zu verbinden, die seine Darstellung in früheren Zeiten so außerordentlich erschwerte, eine wichtige Anwendung gefunden: Mischen wir Aluminium mit Eisenoxydpulver und sorgen für die nötige Erwärmung, so nimmt das Aluminium nicht nur dem Eisen den Sauerstoff weg, sondern entwickelt dabei noch eine so gewaltige Hitze, daß Temperaturen bis zu 3000 Grad entstehen und damit eine bequeme Möglichkeit geboten ist. Eisen nach dem sogenannten Thermitverfahren zusammenzuschweißen.

Die erste Darstellung des Aluminiums geschah durch den großen deutschen Chemiker Wöhler in Göttingen. Er ist bekannt durch den zuerst durch ihn gelungenen Aufbau einer organischen Verbindung aus anorganischen Stoffen und ferner auch durch seine das ganze Leben hindurch treu bewährte Freundschaft mit unserem großen Justus Liebig. Wöhler gewann nur winzige Mengen dieses neuen Metalls, und zwar dadurch, daß er es durch metallisches Kalium aus seiner Chlorverbindung verdrängte, eine Darstellungsart, die für Gewinnung im großen und für industrielle Zwecke in keiner Weise in Betracht kommen kann. Eine Abscheidung des Aluminiums aus seinen sehr häufig vorkommenden Verbindungen in großem Maßstab war erst möglich, als das stärkste Trennungsmittel chemischer Verbindungen bekannt wurde und billig hergestellt werden konnte, der elektrische Strom. Auch heutzutage lohnt die Herstellung des Aluminiums am besten da, wo besonders starke Wasserkräfte zur Erzeugung des elektrischen Stromes zur Verfügung stehen, wie z.B. beim Rheinfall bei Schaffhausen und bei den Niagarafällen.

Welches sind nun die Eigenschaften, die das Aluminium zu einem so außerordentlich wertvollen und brauchbaren Metall machen? Wir müssen solche Eigenschaften, die das Metall von vornherein hat, die es sozusagen als natürliche Gabe mit auf die Welt bringt, von solchen unterscheiden, die ihm an sich fehlen, aber durch geschickte Behandlung, insbesondere durch Mischung mit anderen Metallen künstlich beigebracht werden können. Zu den dem Aluminium an sich zukommenden Eigenschaften zählt vor allem seine große Leichtigkeit – sein Gewicht beträgt nur etwa ein Drittel von dem des Eisens – ferner seine bei niedrigen Temperaturen nur außerordentlich geringe Neigung, sich mit Sauerstoff zu verbinden, und die damit in Verbindung stehende Widerstandsfähigkeit gegenüber Säuren, die das Aluminium zu einem an der Luft sehr haltbaren Metall machen, ferner seine leichte Walzbarkeit und sein gutes Leitvermögen für elektrischen Strom, das, wenn wir von dem praktisch nicht in Betracht kommenden Silber absehen, nur von dem des Kupfers übertroffen wird. Schon diese Eigenschaften sichern dem Aluminium ein weites Anwendungsgebiet. Seine Leichtigkeit macht es zu Geräten aller Art tauglich, seine bei gewöhnlicher Temperatur große chemische Widerstandsfähigkeit sichert ihm ein Anwendungsgebiet im kleinen in der Küche und im großen namentlich in Brauereien und ähnlichen Betrieben. Durch seine leichte Walzbarkeit hat es das sogenannte Stanniol, d.h. das zu papierartig dünnen Metallblättern ausgewalzte Zinn, z, B. zum Einwickeln der Schokolade, fast völlig verdrängt; in der physikalischen Wissenschaft greift man, wenn es sich darum handelt, die Durchdringungsfähigkeit von Strahlen durch dünne