Text-Bild-Ansicht Band 291

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den Weg von C nur über u, c1, t, i1, z, T1 und K1 zur Erde und machen also nur T1 ansprechen. Für jeden Fall soll letzteres während des Nachrichtenwechsels, wo es für den Anruf ohnehin nicht gebraucht wird, vom Telephonirenden aus zweite Ohr genommen, oder, was unter Umständen wohl noch zweckmässiger erscheint, von einer zweiten Person zum Mithören ausgenutzt werden.

Die der Fig. 5 zu Grunde liegende Voraussetzung, dass beide Sprechstellen an irgend eine Telegraphenleitung vorübergehend angeschlossen sind, wird lediglich bei Verwendung dieser Einrichtung für Militärzwecke oder unter ganz aussergewöhnlichen Verhältnissen vorkommen, während bei Eisenbahnen, wenn die von den Zügen mitgeführten Telephonsätze als Ersatz für Hilfstelegraphen Verwendung finden sollen, immer nur eine Sprechstelle angeschaltet zu werden braucht, wogegen die andere – in der nächsten Eisenbahnstation – dauernd vorhanden sein muss. Für diese Anwendungsweise muss natürlich stets eine der vorhandenen Leitungen dafür eingerichtet sein und ausdrücklich als diejenige bestimmt werden, welche im Bedarfsfalle von den Zugsbediensteten für den Telephonanschluss zu benutzen ist; auch können darin auf der Strecke allenfalls Vorkehrungen getroffen werden, um den Anschluss zu erleichtern und zu beschleunigen, indem an bestimmten Stellen, etwa in jedem Wärterhause oder in jeder Läutebude o. dgl., die betreffende Leitung zugeführt und mit einer entsprechenden Einschaltvorrichtung versehen wird. Die oben geschilderte Stange würde dann nur gebraucht werden, wenn die vorerwähnten Einschaltepunkte zu weit entfernt oder aus irgend welchen Gründen überhaupt nicht zu erreichen wären u.s.w.

Auf den Linien der k. k. österreichischen Staatsbahnen, welche Gattinger'sche Telephoneinrichtungen für Hilfstelegraphenzwecke benutzen, scheint hierzu in der Regel eine Morse-Betriebslinie (Bezirksleitung) bestimmt zu sein. In jeder Telegraphenstation ist auch ein Telephonsatz vorhanden, der übrigens nicht bloss für den Verkehr mit einer bei besonderen Anlässen auf der Strecke vorübergehend zu errichtenden Sprechstelle, sondern selbstverständlich auch behufs Herabminderung des laufenden telegraphischen Verkehrs zur Nachrichtengebung zwischen den Nachbarstationen angewendet werden soll. In Anbetracht dieser ständigen Benutzung hat der Schrank zur Unterbringung des Telephonsatzes für die Stationen die gewöhnliche pultförmige Anordnung erhalten; auch mussten die Apparate und die Stromwege erst einige Aenderungen erfahren, wollte man mit einem Apparatsatze das Auslangen finden und doch zugleich die schädigende Vermehrung der Selbstinduction umgehen, welche die sonst unvermeidliche Zwischenschaltung des Morse-Satzes mit sich brächte. Die Apparate der Morse-Station, welche in Fig. 6 bei M nur angedeutet erscheinen, und jene des Telephonsatzes sind zu diesem Ende parallel geschaltet; an Stelle des früheren Rollencondensators ist nunmehr ein dreifacher Plattencondensator C1 C2 C3 getreten und der Umschalter U ist nicht am Handgriffe des Hörtelephons T2 angebracht, sondern in gewöhnlicher Weise als Hebelumschalter eingerichtet, auf dem das Hör- und Sprechtelephon T2 m während der Ruhezeit hängt. Auch ist noch ein zweites Hörtelephon T3 vorhanden, wogegen das Anruftelephon T1 lediglich nur zum Anrufen dient. Wie die Zeichnung ersehen lässt, geht von der links kommenden Leitung L1, also, wenn man so sagen will, vor dem Morse-Apparatsatze M eine Abzweigung zur Belegung C1, desgleichen von L2, d. i. hinter dem Morse-Satze, ein Zweigdraht zur Belegung C2; die mittlere Belegung C3 steht hingegen mit der Drehachse des Umschalters U in Verbindung. Die sonstigen in Fig. 6 dargestellten Verbindungen lassen ferner erkennen, dass der Anruf ganz wie bei der Anordnung nach Fig. 5 mittels des Tasters T geschieht, sowie dass durch die fremden Ströme, so lange der Umschalter U belastet bleibt, lediglich das Anruftelephon T1 erregt werden kann, wogegen der Weg zu T1 bei c1 unterbrochen und dafür der ganze Telephon- und Mikrophonsatz J, T2, m und T3 sammt Batterie eingeschaltet wird, sobald U durch Abnehmen des Telephons T2 in die Arbeitslage gelangt, d.h. die Contacte c2 und c3 schliesst.

Textabbildung Bd. 291, S. 17
Um beim Vernehmen eines Anrufes leicht und unverzüglich feststellen zu können, von welcher Seite her derselbe kommt, sind in den beiden vom Condensator zu den Leitungen L1 und L2 führenden Zweigdrähten je eine Ausschaltkurbel y1 und y2 zwischengeschaltet; hört der Anruf übereinstimmend mit den Unterbrechungen auf, welche beispielsweise durch die Kurbe y2 bewirkt werden, so kommt er von L2, anderenfalls von L1. Damit der daraufhin eingeleitete telephonische Nachrichtenaustausch vor jeder Störung gesichert werde, erscheint es zweckmässig, während desselben die Unterbrechungskurbel der unbetheiligten Seite, also y1, wenn gegen L2, und y2, wenn gegen L1 gesprochen wird, offen zu lassen und erst nach Schluss des Gespräches wieder in die Contactstellung zurückzubringen.

Erscheint es wünschenswerth, dass mittels zweier Telephonsätze nach Schema Fig. 5 oder Fig. 6 über mehrere zwischenliegende Morse-Stationen hinweg der Nachrichtenaustausch durchgeführt werde, so überbrückt Gattinger jede dieser Telegraphenstationen mittels eines dem Morse-Apparatsatze parallel geschalteten zweiplattigen Condensators, so wie es William Wiley Smith im Vereine mit Edison, Gillilard, Batchecol u.a. bei den auf amerikanischen Bahnen vorgenommenen Versuchen mit Zugtelegraphen gemacht haben (vgl. z.B. La Lumière électrique, Bd. 19 S. 161). Nach den oben angezogenen Witz'schen Mittheilungen können fünf solche überbrückte Morse-Stationen zwischengeschaltet sein, ohne den telephonischen Nachrichtenaustausch zu behindern; aus gleicher Quelle geht ferner hervor, dass sich die Gattinger'schen Telephonanlagen bei den k. k. österreichischen Staatsbahnen bestens bewähren und sich auch zu wiederholten Malen bei Betriebsstörungen