Text-Bild-Ansicht Band 291

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Strichrelief wird in Schriftmetall abgeformt, gerade gesteckt zugerichtet und als Hochdruckplatte gedruckt.

Das Verfahren erscheint uns ausbildungsfähig. (Miethe, Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1893, S. 186.)

An photographischen Cameras und insbesondere Momentapparaten sind mehrere Neuerungen zu verzeichnen.

Wir erwähnen hier die sogen. „Reflex-Cameras“, welche Cameras im Inneren einen Spiegel, der unter 45° gegen die Objectivachse geneigt ist, enthalten, mit dessen Hilfe das Bild auf eine im oberen Theile des Kastens angebrachte Visirscheibe geworfen wird. Die Einstellung erfolgt meist mittels eines am Objective angebrachten Triebes. Der Spiegel kann mittels Hebels aufgeklappt werden, wodurch z.B. bei Loman's Detectivcamera auch gleichzeitig die Auslösung des Verschlusses erfolgt, welcher Verschluss in dem genannten Falle einen Rouleauxverschluss, der direct vor der Platte angebracht ist, darstellt. Derartige Cameras haben den Vorzug, dass man das Bild aufrecht in jener Grösse auf der Visirscheibe sieht, in welcher es bei der Aufnahme erscheint; ferner, dass man direct einstellen kann, ohne die bei verschiedenen Detectivapparaten übliche Schritteinstellung benutzen zu müssen.

Reflex-Cameras wurden von Dr. Hesekiel in Berlin und Loman in Amsterdam construirt.

Um statt der Trockenplatten, welche vermöge ihres Gewichtes dem Reisenden, welcher viele Platten mit sich zu führen gezwungen ist, oft beschwerlich fallen, die ungleich leichteren photographischen „Films“5) verwenden zu können, hat die Firma Graffe und Jougla in Perreux eine Wechselcassette construirt, welche an jeder Camera angebracht werden kann und für den Gebrauch von Rollfilms, wie solche in den Kodek-Apparaten benutzt werden, eingerichtet sind. (Eder's Jahrb. f. Photogr.)

Die genannte französische Firma bringt auch einen Spannrahmen (Châssis extenseur) für ihre papierdünnen Films in den Handel; mit Hilfe desselben können diese Films in jeder beliebigen Cassette Verwendung finden.

Projectionsapparate.

Ueber Projectionsapparate erschien von Tourtier ein Büchlein „La pratique des projections“ (T. I., Les apparailles. Paris 1892. Gauthier-Villars).

Sir John Anderton stellte Versuche an, Projectionsbilder mit stereoskopischer Wirkung herzustellen.

Um den Effect der Körperlichkeit hervorzubringen, verwendet der Genannte zwei Projectionslaternen bezieh. eine Doppellaterne. In diese werden zwei zu einander gehörige stereoskopische Projectionsbilder gesteckt und auf dem Schirm möglichst genau zur Deckung gebracht, jedenfalls so, dass die Fernen zusammenfallen. Das Bild kann naturgemäss nicht vollkommen scharf erscheinen. Um nun diese Unscharfe fortzuschaffen und gleichzeitig die Wirkung der Körperlichkeit hervorzubringen, bringt Anderton am Projectionsapparate unmittelbar vor den beiden Objectiven zwei Polarisationsapparate so an, dass die Polarisationsebenen einen rechten Winkel mit einander bilden.

Dadurch ist für das unbewaffnete Auge am Projectionsbilde keine Veränderung eingetreten, die Sachlage verändert sich aber momentan, wenn man das Bild mit Hilfe einer opernglasartigen Vorrichtung betrachtet, welche für jedes Auge einen Nicol enthält, deren Polarisationsebenen denen der Apparate an den Projectionslinsen bezieh. parallel sind. Jedes Auge sieht sodann nur jenes Bild, welches mit der parallelen Projectionsebene projicirt ist, also das eine Auge das eine, das andere das zweite Stereoskopbild gleichzeitig, wodurch stereoskopischer Effect und Schärfe erzielt werden. (Eder, Jahrb. f. Photogr. f. 1893, S. 368.)

Ueber Projection von Bildern in natürlichen Farben mit Rufe dreier gleichfarbiger Diapositive schreibt Leon Vidal in Paris.

Die Herstellung der bezüglichen Negative erfolgt in der Weise, dass von dem zu projicirenden Gegenstande drei Aufnahmen hinter violetten, rothen und orangegelben Gläsern auf entsprechend für die betreffenden Strahlen empfindlich gemachten Platten gemacht werden. Von den resultirenden Negativen werden Diapositive auf Chlorbromplatten hergestellt und diese hinter entsprechenden farbigen Gläsern gleichzeitig auf einen weissen Schirm, so dass sie einander vollkommen decken, projicirt. Der Projectionsapparat muss drei Objective und Objectträger haben, welche von einander unabhängig sind und eine leichte Centrirung der Bilder gestatten. Vidal verwendete eine Triplexlaterne und blau violette, rothe und grüne Lichtfilter. Dieselben müssen nicht nur entsprechend den verwendeten Farbenfiltern bei der Aufnahme, sondern auch so gewählt sein, dass die Projectionsbilder, welche durch sie auf einem weissen Schirme erhalten werden, wenn dieselben einander decken, ein gleichförmiges Grauweiss geben.6) (Eder's Jahrbuch f. Photogr. f. 1893, S. 302.)

Ives in Philadelphia stellte ähnliche Versuche an. Derselbe liess sich einen Apparat, den er „Heliochromoskop“ nennt, patentiren. Der Apparat gestattet, ohne die Verwendung von Projectionsapparaten mittels dreier in der geschilderten Weise von einem Gegenstand gemachten Aufnahmen das Bild derselben in natürlichen Farben zu erblicken. (Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1893, S. 298.)

Photographie in natürlichen Farben.

Ueber die Herstellung von Photochromien nach Lippmann's Methode7) machte E. Valenta Mittheilungen. Seine Versuche über dieses Verfahren bestätigten das völlige Zutreffen der Angaben Lippmann's, und zielten diese Versuche, welche seit längerer Zeit im Gange sind, darauf hin, eine Bromsilbergelatine-Emulsion zu finden, welche sicherer zu handhaben und dabei empfindlicher ist als die Albuminschichten, wie sie Lippmann verwendete.

Diese Emulsion hat ein sehr feines, mikroskopisch kaum sichtbares Korn, was zur Herstellung von Lippman'schen Bildern unbedingt nothwendig ist; man erhält dieselbe, indem man sich zwei Lösungen bereitet:

A B
Gelatine 10 g Gelatine 10 g
Silbernitrat 6 g Bromkalium 5 g
Wasser 300 g Wasser 300 g

Die Lösung A wird im Dunkelzimmer in die Lösung B

5)

Siehe unser Referat in D. p. J. 1892 286 117.

6)

Versuche, derartige Aufnahmen mittels bestimmter farbiger Gläser in den Naturfarben zu projiciren, wurden von mir heuer vor einem zahlreichen Publicum im Saale des n.-ö. Gewerbevereins in Wien bei Gelegenheit eines Vortrages über „Photographie in natürlichen Farben“ mit Hilfe dreier elektrisch beleuchteter Projectionsapparate durchgeführt und ergaben überraschend schöne Resultate.

Valenta.

7)

Siehe unser Referat 1892 285 301.