Text-Bild-Ansicht Band 291

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gegossen, gut geschüttelt, wobei eine nahezu durchsichtige milchige Flüssigkeit entsteht.

Um dem Reifen und der damit verbundenen Vergröberung des Kornes vorzubeugen, werden die Lösungen nicht über 40° C. erhitzt und wird die Emulsion unmittelbar nach dem Mischen in etwa 1 l Alkohol gegossen (Umrühren mit einem Glasstabe). Die gefällte und darauf mechanisch zerkleinerte Emulsion wird nun in fliessendem Wasser gewaschen, dann in ein mit 300 cc-Marke versehenes Glasgefäss gebracht, so viel destillirtes Wasser zugesetzt, dass das Gesammtvolumen 300 cc beträgt und nun im Wasserbade geschmolzen. Die Emulsion muss durch Leder filtrirt werden und kann entweder direct oder durch nachträgliches Baden der trockenen Platten unter Anwendung von Cyanin, Erythrosin, Chinolinroth u.s.w. farbenempfindlich gemacht werden. Z.B. verwendet Valenta, um die Platten rothempfindlich zu machen, eine Cyaninlösung in Alkohol (1 : 500). Davon werden 2 bis 4 cc zu 100 cc Emulsion gegeben, oder man badet die ungefärbten trockenen Platten in entsprechendem Farbstoffbade (2 cc Cyaninlösung in 100 cc Wasser) in der bekannten Weise durch 2 Minuten.

Die Belichtung geschieht in einer eigens construirten Quecksilbercassette, und dauerte bei weit geöffnetem Spalte des Steinheil'schen Spectroskops unter Anwendung einer Sammellinse 10 Secunden bis 2 Minuten. Als Entwickler bewährte sich unter den bisher versuchten der folgende am besten:

A
Pyrogallol 4 g
Wasser 400 g
Salpetersäure 6 Tropfen
B
Bromkalium 10 g
Wasser 400 g
Ammoniumsulfit 12 g
Ammoniak (D = 0,91) 14 cc

Man mischt 2 bis 3 Th. von B mit 1 Th. von A und 12 bis 14 Th. Wasser.

Der Silberniederschlag ist gewöhnlich hell und es tritt die Bildung der Farben nach dem Fixiren, Waschen und Trocknen lebhaft hervor. Als Fixirmittel eignet sich ausser dem sauren Fixirnatronbade eine 2procentige Cyankaliumlösung. Sehr merkwürdig ist die von Valenta mehrfach gemachte Beobachtung, dass man sehr kurz belichtete und entwickelte Farbenbilder, wenn dieselben im Fixirnatron fixirt und gewaschen wurden, verstärken kann. Solche Bilder zeigen ursprünglich fast keine Farben. Legt man dieselben in schwache Quecksilberchloridlösung und reducirt nach dem Waschen das weisse Bild mit Amidol + Natriumsulfitlösung, so entsteht ein schwarzes Bild, welches nach dem Trocknen ein recht deutliches Farbenbild gibt, dessen Nuance allerdings mit einem direct gewonnenen Lippmann'schen Spectralbilde nicht ganz übereinstimmt; dasselbe zeigt nämlich die Farben nur auf der Schichtseite, in der Durchsicht und auf der Glasseite ist es braunschwarz gefärbt. (Phot. Corresp., 1892.)

Gebr. Lumière in Lyon berichten über ihre Versuche mit Lippmann's Methode der Heliochromie; die Genannten verwenden folgende Emulsion:

A. Destillirtes Wasser 400 cc
Gelatine 20 g
B. Destillirtes Wasser 25 cc
Bromkalium 2,3 g
C. Destillirtes Wasser 25 cc
Silbernitrat 3 g

Man setzt der Lösung C die Hälfte der Lösung A zu, dann die andere Hälfte derselben zur Lösung B. Hierauf wird C in B gegossen und mittels eines geeigneten Farbensensibilisators sensibilisirt, die Emulsion filtrirt und die Platten gegossen. Die Temperatur der Lösung darf 40° C. nicht übersteigen. Nach dem Erstarren werden die Platten ausgewässert und dann trocknen gelassen. Vor dem Gebrauche empfehlen die Gebrüder Lumiere, die Platten in einer ½procentigen Silbernitratlösung kurze Zeit zu baden. Entwickelt wird mit einem Pyrogallol-Ammoniakentwickler, fixirt mit 5procentiger Cyankaliumlösung.8) (Bull Soc. franç. de Photogr., 1893 S. 249.)

(Fortsetzung folgt.)

Ueber Fortschritte in der Bierbrauerei.

(Letzter Bericht Bd. 290 S. 284.)

II. Würze.

Die Ergebnisse seiner Arbeit: Ueber die nicht krystallisirbaren Producte der Einwirkung der Diastase auf Stärke fasst Schifferer in seiner Inauguraldissertation 1892 in folgenden Punkten zusammen:

1) Die einzigen Producte der Einwirkung von Diastase auf Stärke sind Dextrin bezieh. Dextrine, Isomaltose und Maltose. Sogen. „Amyloïne“, in ihren Eigenschaften zwischen Maltose und Dextrin stehende Körper, treten dabei nicht auf. Ebenso existirt das „Maltodextrin“ Herzfeld's nicht.

2) Die Dextrine reduciren Fehling'sche Lösung und sind unvergährbar. Es kann deren nur eine sehr beschränkte Anzahl, vielleicht nicht mehr als zwei, geben. Es sind Anzeichen vorhanden, die für die Existenz nur eines, mit Jod sich nicht färbenden Dextrins sprechen.

3) Die Reactionsgrenze beim Maischprocesse liegt nicht, wie Brown und Morris u.a. behaupten, bei einem Reductionsvermögen von 80 bis 81 Proc., sondern entspricht einem solchen von 66 bis 68 Proc. Maltose.

4) Auch das specifische Drehungsvermögen nähert sich einer bestimmten Grenze – [α] D = 151 – 154°.

5) Isomaltose ist ein nie fehlendes Umwandelungsproduct der Stärke; sie tritt auf, so lange überhaupt noch Dextrin vorhanden ist.

6) In der Anfangszeit ist die Isomaltose überwiegend; allmählich tritt ihre Umwandelung in Maltose ein, so dass zum Schluss letztere überwiegt.

Nach den Beobachtungen Lintner's sind die Malzdextrine (aus Stärke durch Diastase entstanden) unvergährbar durch Reinculturen von Saccharomyces cerevisiae (Zeitschrift für angewandte Chemie, 1892 S. 328).

Die Melitriose C18H32O16 + 5H2O gehört nach Scheibler mit zu den am meisten verbreiteten Pflanzenstoffen; sie zerfällt nach Mittelmeier bei schwacher Inversion in Lävulose und Melibiose. Es ist Scheibler mit Leichtigkeit gelungen, Gährungsmelibiose als Bestandtheil der Biere nachzuweisen (durch Wochenschrift für Brauerei, 1892 S. 331).

In den Studien über Würze und Bier sucht Amthor

8)

Neu ist an dem Verfahren das Waschen der Emulsion auf den Platten und das nachträgliche Behandeln mit Silbernitrat, welches zwar die Empfindlichkeit, welche sonst eine sehr geringe ist, erhöht, aber die Platten nur kurze Zeit haltbar macht; im Uebrigen ist die Emulsion bezieh. Zusammensetzung, Bereitung u.s.w. der Valenta'schen fast gleich. (Anm. d. Ref.)