Text-Bild-Ansicht Band 291

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stundenlang ruht; ein kratzender, bitterer Geschmack, wenn die Filtration durch den Gesammthopfen im Sterilisator geschieht, niedrige Vergährung gleichzeitig im letzten Fall, da die mechanische Wirkung der abfiltrirten Eiweissstoffe alias Kühlgeläger bei der Gährung fehlt, während bei Nichtentfernung der Hauptmenge des Kühlgelägers wiederum eine zu hohe Vergährung und ein Verschmieren der Hefe beobachtet wird.

Reinke räth, die Lüftung der Würze nach dem neuen Verfahren möglichst genau an die alten, früher vortreffliche Erfolge gezeigt habenden Verfahren bei Anwendung des Kühlschiffes anzupassen, und empfiehlt folgendes Verfahren: Ausschlagen über den Hopfenseiher in den Sterilisator, Lüften während 15 bis 30 Minuten bis zur Temperatur von 54° R., Kühlen des sich inzwischen schon abgesetzt habenden Bieres mit dem Flächenberieselungskühler bei Anwendung filtrirter Luft. Wird andererseits die Würze auch noch kalt im Sterilisator gelüftet, so müsste sie etwas absitzen und brauchte dann auch nicht mehr mit dem Flächenberieselungskühler, sondern nur im geschlossenen Kühler gekühlt zu werden.

Die Ergang'schen und Ebert'schen Apparate, auch einfache Cylinder und Kästenreserven erfreuen sich guter Erfolge.

Beim Arbeiten ohne Kühlschiff wird häufig der Trüb nicht gehörig entfernt; ein ungenannter Autor empfiehlt, nicht im Sudhause herumzufiltriren, sondern den Trüb, nachdem die Würze angestellt ist, sich absitzen zu lassen. Nach 36 Stunden, wenn die Würze angekommen, pumpt man die Bottiche um (Wochenschrift für Brauerei, 1892 S. 195).

Die Trubsäcke stellen, wie aus Will's Untersuchungen über die Verunreinigung gebrauchter Trubsäcke (Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1892 S. 77) hervorgeht, eine sehr gefährliche Infectionsquelle in der Brauerei dar, welcher eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. Die wollenen Trubsäcke werden gewöhnlich in den Brauereien nach dem jedesmaligen Gebrauch mit warmem, selten ganz heissem, meist aber nur mit kaltem Wasser gewaschen, gebürstet oder zwischen den Händen gerieben und gewalkt; nach dem Trocknen werden sie sofort wieder verwendet. Man vermeidet das Brühen solcher Trubsäcke, damit sich dieselben nicht zusammenziehen. In den Nähten und Falten solcher mangelhaft gereinigten Trubsäcke hat H. Will Spaltpilze, Schimmelpilze und Sprosspilze gefunden. Bei frühzeitigem Eingreifen mit Desinfectionsmitteln und öfterer Wiederholung einer gründlichen Reinigung kann sicher ein Erfolg erzielt werden. Will empfiehlt als Desinfectionsflüssigkeit eine Chlorkalklösung mit 1 Proc. activem Chlor; eine stärkere Lösung dürfte mit Rücksicht auf die etwas raschere Abnutzung der Trubsäcke nicht verwendet werden.

(Fortsetzung folgt.)

[Kleinere Mittheilungen.]

Herstellung plastischer Gegenstände aus Papierstoff.

Die Bestandtheile, nämlich 40 Proc. Papierschnitzel, 20 Proc. Harzseife, Leim oder Stärke, 20 Proc. Thon und 20 Proc. Mehl werden gemischt in einen Knetapparat eingetragen, den sie in Form einer dünnen Tafel verlassen. Diese plastischen Tafeln werden mittels elastischer Stempel oder Patrizen in Formen oder Matrizen von Gyps oder Metall gepresst. Wenn der Stempel entfernt ist, wird ein Blatt nassen langfaserigen Papiers auf die gepresste Masse gelegt und durch erneute Anwendung des Stempels mit der plastischen Masse verbunden. Diese Verbindung mit Papier soll Abschälen und Abfallen von Theilchen verhindern, also die Masse zusammenhalten. Der elastische Stempel wird folgendermaassen hergestellt: Man füllt die nicht polirte Gypsform mit Wasser, in welchem Thon suspendirt ist, und rührt einige Zeit um. Der trockene Gyps saugt das Wasser auf, der Thon lagert sich auf der Form ab, und das überschüssige Wasser wird abgegossen. Nach kurzem Trocknen wird diese Verrichtung wiederholt und damit fortgefahren, bis die Thonablagerung die Dicke des herzustellenden plastischen Gegenstandes erreicht hat. Dann wird die Oberfläche des abgelagerten Thons polirt, mit Oel bestrichen und der hohle Theil mit Tischlerleim gefüllt. Dieser Leim bildet die elastische Patrize. Um den Thon aus der Form zu entfernen, braucht man ihn nur vollkommen austrocknen zu lassen, er zieht sich zusammen und schält sich von selbst ab. (Papierzeitung, 1893 S. 3102.)

Schutz für Draht- und Hanfseile.

Von Mitteln und Verfahren, die geeignet sind zu vorstehend angeführtem Schütze, bringt die Deutsche Techniker-Zeitung folgende Uebersicht:

A) für Drahtseile: 1) Graphit wird in Talg gekocht und die entstandene butterähnliche Schmiere mit einer Bürste auf das Drahtseil aufgetragen. Je nach der Inanspruchnahme des letzteren und den örtlichen Verhältnissen ist diese Einschmierung alle 3 bis 6 Wochen zu wiederholen; sie schützt gut vor Rost und verhindert sowohl das Abscheuern des Seiles an den Seilscheiben als auch eine Reibung der Drähte unter einander, denn die Schmiere findet ihren Weg auch in die kleinsten Zwischenräume. 2) Rohes Leinöl wird mit Holztheer gemischt und auf das Drahtseil gebracht. Dieser Anstrich bildet eine schützende Oberfläche und bewahrt das Seil vor Rost und vorzeitiger Abnutzung. 3) Um Seile unter Wasser oder unter der Erdoberfläche zu erhalten, ist folgendes Mittel anzuwenden: 35 l gelöschter Kalk werden mit 50 bis 60 l mineralischem oder vegetabilischem Theer gemischt und gekocht. Das Gemisch wird heiss auf das Seil gebracht. – B) für Hanfseile. Um Hanfseile, deren Haltbarkeit in feuchter, dumpfiger Atmosphäre stark beeinträchtigt wird, für alle Fälle dauerhaft zu erhalten, empfiehlt es sich, dieselben in folgender Weise zu imprägniren: 1) Auf je 1 l Wasser werden 100 g Seife gelöst und dann das trockene Seil durchgezogen, worauf es getrocknet wird. Dann folgt ein Anstrich von dünnem heissen Theer, nach welchem das Seil noch zum Trocknen der Luft ausgesetzt wird. 2) Auf je 1 l Wasser werden 150 g Kupfervitriol gelöst und das trockene Seil etwa 4 Tage in dieser Lösung gelassen, nach welcher Zeit es getrocknet und alsdann noch mit einem Theeranstrich versehen wird.

Ausnutzung von Sand- und Schmirgelpapier.

Als ein Mittel, Schleifpapier vortheilhaft auszunutzen, hat (nach der Badischen Gewerbezeitung) die deutsche Fachschule für Drechsler und Bildschnitzer in Leipzig ausfindig gemacht, je zwei Bogen des betreffenden Papiers mit den Rückseiten zusammen zu leimen. Das Papier bekommt hierdurch bedeutenden Halt und ist bis auf die äussersten Ecken verwendbar. Ist es beim Gebrauch durch die Wärme und Feuchtigkeit der Hände erweicht, so lässt man es wieder trocknen, worauf es abermals bis zu seiner vollständigen Abnutzung zu gebrauchen ist. Damit die Bogen durch das Zusammenleimen sich nicht rollen, werden sie unter leichtem Druck zwischen zwei Bretter gespannt.

Wasserglasanstrich eiserner Oefen.

Von der Voraussetzung ausgehend, dass schwarze eiserne Oefen sich nicht für hübsch tapezierte oder gemalte Zimmer eignen, hat man versucht, eiserne Oefen mit Wasserglasfarben anzustreichen, zu bronziren und zu vergolden. Viele derartige Versuche missglückten, da man die Natur des Wasserglases nicht eingehender studirt hatte. – Director Krätzer, Chemiker in Leipzig, hat neuerdings nach dieser Richtung hin Versuche angestellt, die zu günstigen Ergebnissen geführt haben und die nun durch das Gewerbeblatt aus Württemberg veröffentlicht werden. Als Farben kann man nehmen für Weiss: Bleiweiss, schwefelsauren Baryt, Zinkweiss; für Gelb: chromsauren Baryt, Ocker, Uranoxyd; für Grün: grünes Chromoxyd, Kobaltgrün, grünes Ultramarin; für Blau: Ultramarinblau; für Gelbbraun: Cadmiumoxyd; für Braun: Englisch Roth (Caput mortuum), braunes Manganoxyd, gebrannte Terra di Siena; für Roth: die rothen Eisenfarben und Chromroth. Alle diese Farben müssen feucht mit warmem weichem Wasser (am besten destillirtem Wasser oder reinem Regenwasser) und verdünntem 33gradigen, schwefelfreiem Wasserglase vermengt werden. Zweckmässig ist es, auf 1 Th. Natronwasserglas 2 Th. warmes weiches Wasser zu verwenden. Um die Farben zu heben, kann man 5 g Bronzepulver