Text-Bild-Ansicht Band 291

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Die Verwendung zweier Elektromotoren gegenüber nur einem stärkeren bietet mehrere Vortheile. Zunächst wird die Last auf beide Achsen gleichmässig vertheilt und so die volle Adhäsion beider Räderpaare und der auf ihnen lastende Druck für die Fortbewegung nutzbar gemacht, weshalb ein Gleiten der Räder auch bei stärkeren Steigungen, Glatteis u.s.w. nicht zu befürchten ist. Daher können in den meisten Fällen ohne weiteres sogen. Anhänge wagen verwendet werden, so dass den Bahnverwaltungen die Möglichkeit geboten ist, an verkehrsreicheren Tagen den Bedürfnissen des gesteigerten Verkehrs voll gerecht zu werden, ohne andere Mehrausgaben als für den etwas höheren Kohlenverbrauch in der Centralstation, in welcher die vorhandenen Bereitschaftsmaschinen dann mit arbeiten müssen. Dass die Zweitheilung der beweglichen Kraft ferner eine verdoppelte Sicherheit des Betriebes bedeutet und für die Vermeidung von Verkehrsstockungen auf der Strecke von grosser Bedeutung ist, bedarf wohl kaum der besonderen Hervorhebung.

Um die von der Firma Kummer und Co. gewählten Anordnungen benutzen zu können, braucht man übrigens nicht besonders für den elektrischen Betrieb gebaute Wagen, es lassen sich vielmehr in der Regel die jetzt gebräuchlichen Pferdebahnwagen ohne Umbau hierzu verwenden.

Die Beleuchtung der Wagen erfolgt durch vier hinter einander geschaltete Glühlampen, von denen zwei im Wageninnern und je eine auf den Plattformen angebracht sind.

In der bisherigen Beschreibung ist der Einfachheit halber nur von einzeln, nach Befinden auch mit je einem Anhängewagen fahrenden Motorwagen für Personenverkehr gesprochen worden, weil dies eben den nächstliegenden und allgemeinsten Bedürfnissen entspricht. Selbstverständlich steht da, wo ein weitergehendes Bedürfniss es bedingen sollte, wie z.B. in dicht bevölkerten, langgestreckten Industriebezirken mit regem Güterverkehr, dem nichts im Wege, dass man auch dem Gütertransporte die Vortheile des elektrischen Betriebes zu Theil werden lasse, da sich die Güterwagen in einer dem Unterbau angepassten Ausführung und Tragfähigkeit sowohl als selbständige Motorwagen, wie auch als Anhängewagen mühelos einstellen lassen.

Endlich wäre noch zu betonen, dass die vorstehend beschriebenen Einrichtungen für den elektrischen Bahnbetrieb nicht an eine bestimmte Ausführungsweise des Unterbaues gebunden sind, dass vielmehr bei allen bisher eingeführten Arten des Unterbaues von Strassenbahnen der elektrische Betrieb in der angegebenen Weise sich durchführen lässt.

Cook's Verbesserung der Isolirung der Kabel.

Mit Abbildung.

An Stelle des Kautschuks, Bitumens und anderer Stoffe, welche leicht durch Aussenwirkungen angegriffen werden, ihre Elasticität verlieren und Risse bekommen, sucht Cook (1893) nach La Lumière ÉÉlectrique, 1893 Bd. 50 * S. 230, zur Isolirung von Kabeln Faserstoffe verwendbar zu machen, welche chemischen Veränderungen und mechanischen Einflüssen weniger unterworfen sind und zugleich gegen Feuchtigkeit ebenso gut schützen, wie die der Guttapercha nahestehenden Isolatoren. Er vereinigt dabei die gleichzeitige Verwendung zweier Arten isolirender Stoffe: 1) eines Faserstoffes, wie Tuch, Filz, Papier, welche trocken oder mit dem harzigen Oele des festen Paraffins, des Ozokerits, einer Kautschuklösung u. dgl. getränkt sind; 2) von Kautschuk, Guttapercha, Bitumen, mit Wachs oder Paraffin gemischtem Papierbrei u. dgl.

Textabbildung Bd. 291, S. 40
Bei dem abgebildeten Kabel ist A der zu isolirende Draht und B eine Hülle, welche am besten aus einem mit Manilafasern fabricirten und in Harzöl getauchten, zusammengefalteten und um den Draht gewickelten Papier besteht. Diese Hülle kann auch aus der Länge nach um den Draht gewickelten Streifen und einem spiralförmig darum gewickelten Bande bestehen. C bedeutet eine oder mehrere Lagen der unter 2) aufgeführten Stoffe, vorzüglich Guttapercha, welche darüber gezogen, gegossen oder gewickelt und durch Wärme und Druck anhaftend gemacht werden. D ist ein darum gewickeltes Band, E ein darüber gewickelter Faserstoff und G eine mit norwegischem Theer oder Aehnlichem getränkte Hülle.

S. D. Field's Telephon mit zwei schwingenden Platten.

Mit Abbildung.

Mehrfach hat man schon versucht, die Wirkung von Telephonen dadurch zu verstärken, dass man in ihnen mehrere schwingende Platten zur Erregung der Ströme angewendet hat. Diese Versuche sind im Allgemeinen missglückt; man hat zwar grössere Tonstärke erreicht, aber auf Kosten der Deutlichkeit. Der Grund davon lag darin, dass man nicht dafür sorgte, dass die Platten übereinstimmend schwingen, und dass dieselben daher gegenseitig sich in ihrer Wirkung beeinträchtigten.

Wesentlich günstiger ist dies in einem Magnettelephon von Stephen D. Field erreicht, das in dem New Yorker Electrical Engineer, 1893 Bd. 16 * S. 404, beschrieben worden ist. In diesem befinden sich die beiden schwingenden Platten in gleicher Entfernung vom Mundstücke und erhalten demnach gleichzeitige Anregung, wenn in das Mundstück gesprochen wird; sie stehen ferner in mechanischer Verbindung mit einander und unter genau gleicher Spannung, weshalb sie nicht ausser Uebereinstimmung gerathen können. Endlich wird ihre vereinte Wirkung auf einen einzigen Stromerzeuger übertragen.

Textabbildung Bd. 291, S. 40
Zu der beigegebenen Abbildung hat man sich das Mundstück hinzu zu denken. Die Achse desselben liegt wagerecht und die beiden schwingenden Platten sind in gleicher Entfernung von der Mündung oben und unten an dem Mundstückrohre angebracht, so dass die durch das Mundstück eintretenden Schallwellen gleichzeitig auf ihre inneren Flächen treffen und die Platten nach entgegengesetzter