Text-Bild-Ansicht Band 291

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Für die Erklärung der Kohlensäurebindung im Bier konnten folgende Anhaltspunkte gewonnen werden:

Die Bindung der Kohlensäure braucht nicht als auf chemischem Wege entstehend gedacht zu werden, sondern ist rein physikalischer Natur und wahrscheinlich lediglich als eine Aeusserung der Viscosität gegenüber kleinsten, makroskopisch nicht wahrnehmbaren Kohlensäurebläschen aufzufassen. Die Kohlensäurebläschen können bei einer gewissen Kleinheit den Widerstand der Cohäsionskraft der Flüssigkeitstheilchen (Viscosität) nicht mehr überwinden und folglich im Bier nicht in die Höhe steigen.

Der Kohlensäurebindung förderlich sind daher

1) solche Körper oder Zustände, welche die Viscosität erhöhen, also:

  • a) Gummi, Dextrin u.s.w.,
  • b) Kälte;

2) solche Zustände, welche die Vereinigung der erzeugten Kohlensäure zu grösseren Bläschen verhindern, also:

a) möglichste Isolirung der Kohlensäure entwickelnden Hefezellen (wenig Hefe);

b) sehr langsame Gährung, hervorgerufen durch Kälte, sowie Anwesenheit langsam vergährender Umwandelungsproducte der Stärke (Isomaltose);

c) möglichste Ruhe der Flüssigkeit, wodurch auch noch die Hautbildung um die Bläschen gefördert und dadurch selbst bei Herabminderung der Absorptionsfähigkeit des Bieres für Kohlensäure eine Vereinigung der kleinsten Bläschen zu grösseren Individuen erschwert wird.

Ueber den Einfluss von Sauerstoff und Concentration auf die Gährung stellte J. Brown in den Chem. News, Bd. 65 S. 116 (Referat in der Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, 1892 S. 177) Versuche an. Dieselben ergaben, dass bei einem sehr reichlichen Ueberschuss von Hefe (90 Zellen auf 1/4000 cc) Nährlösungen ohne gleichzeitige Vermehrung der Hefe vergähren. Eingeleiteter Sauerstoff wirkt auch unter diesen Verhältnissen (bei welchen also eine gleichzeitige Vermehrung der Hefe ausgeschlossen ist) steigernd auf das Gährungsvermögen. Diese Versuche widersprechen demnach der Hypothese Pasteur's, wonach bei ausreichender Sauerstoffzufuhr die Hefe nicht gähren, sondern nur wachsen sollte. Wurde die gleiche Zahl Hefezellen in der genannten reichlichen Menge in 5- bis 20procentiger Dextroselösung ausgesäet, so kam auf jede Hefezelle bei gleicher Gährdauer ungefähr dieselbe Quantität der Alkoholerzeugung, gleichgültig bei welcher Concentration die Gährung stattgefunden hatte.

(Fortsetzung folgt.)

[Kleinere Mittheilungen.]

Sprengung von Mauertrümmern unter Wasser.

Im Februar 1891 stürzte in Folge von Hochwasser die in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts auf Pfahlrost erbaute südliche Quaimauer des Zollhafens in Emmerich zum grössten Theile um; in den Sturz wurde ein eiserner Krahn mit seiner etwa 53,6 cbm enthaltenden Fussmauerung mit verwickelt. Der Hafen war in Folge dessen durch grössere, zusammenhängende Mauerblöcke veruntieft; insbesondere bildete das Krahnmauerwerk einen einzigen Block, in welchem der Krahn noch fest sass. Um diese Massen zu heben, mussten sie zerkleinert werden, wozu zunächst Dynamit angewendet wurde. Wegen der grossen Nähe der zollfiscalischen Gebäude konnten keine grossen Sprengladungen abgethan werden, und daher erwiesen sich diese Versuche mit Dynamit als wenig erfolgreich, da sie wohl zu vollständiger, staubförmiger Zertrümmerung der obersten Mauerwerkschichten führten, eine tiefere Wirkung als auf etwa 20 cm jedoch nicht äusserten. Nachdem im letzten Sommer inzwischen der Wasserstand im Hafen so weit gesunken war, dass die Oberfläche der Krahnmauerung zugänglich wurde, konnten im Trockenen Bohrlöcher niedergetrieben und mit Sprengladungen besetzt werden. Auch hier erwies sich das in walzenförmigen, blechernen Büchsen in die Bohrlöcher eingebrachte und mittels Bickford'scher Zündschnur entzündete Dynamit aus dem angeführten Grunde als wenig erfolgreich. Nunmehr wurde ein Versuch mit sehr grobkörnigem Schwarzpulver gemacht, der so günstig ausfiel, dass er zur Fortsetzung ermunterte. Inzwischen wuchs das Wasser wieder, und es kam darauf an, nicht nur die Pulverladungen unter Wasser zu entzünden, sondern auch das Bohrloch gehörig zu verdammen. Hierzu wurde schnellbindender Cement verwendet, welcher mittels eines Trichters in das geladene Bohrloch geschüttet wurde, wobei die Bickford'sche Zündschnur von einem Arbeiter etwas straff gezogen wurde. Als Bohrer dienten Gasrohre, die unten sägeförmig gezahnt waren. Der Bohrschmand wurde in einfachster Weise mit Hilfe eines als Stechheber wirkenden Blechcylinders herausgehoben. Die einzelnen Sprengladungen wurden bis zu 5,2 k Pulver gesteigert, zu deren Aufnahme eine 1 m lange Büchse von 8 cm Durchmesser erforderlich war. Die Bohrlöcher wurden bis nahe an die Unterkante des Mauerwerks getrieben und waren demgemäss oberhalb der Ladung etwa 1,5 bis 2 m hoch mit Cement angefüllt. Bis zu drei Ladungen konnten gleichzeitig entzündet werden. Um das Herumfliegen von Sprengstücken möglichst zu verhindern, wurden bei nur geringer Ueberdeckung der Blöcke mit Wasser 12 cm dicke Strohmatratzen aufgelegt; bei höherem Wasserstande als 30 cm über den Blöcken fiel diese Maassnahme fort. Die Zündschnur erlitt durch die Umhüllung mit Cement keine Beschädigung und brannte ebenso sicher wie im Wasser. (Hillenkamp im Centralblatt der Bauverwaltung.)

Schiffbare Flüsse und Kanäle.

Ueber die Länge der schiffbaren Flüsse und Kanäle in den wichtigsten Ländern der Erde nach geographischen Meilen gerechnet, gibt nachstehende Uebersicht Auskunft. Die Länge beträgt in geographischen Meilen

in Kanäle Flüsse Zusammen
Deutschland 264 3152 3416
Dänemark 40 40
Schweden und Norwegen 20 92 112
Russland 175 4188 4363
Oesterreich-Ungarn 83 585 668
Italien 64 381 445
Spanien 54 163 217
Portugal 94 94
Frankreich 630 1080 1710
Belgien 107 142 249
Holland 186 68 254
Grossbritannien und Irland 625 357 982
–––––– –––––– ––––––
Europa zusammen 2248 10302 12550
Ver. Staaten von Amerika 666 3370 4036
Canada 107 564 671
Brasilien 4442 4442
–––––– –––––– ––––––
Amerika zusammen 773 8376 9149
Indien 448 520 968
China 1054 740 1794
–––––– –––––– ––––––
Asien zusammen 1502 1260 2762

Bemerkenswerte in dieser Zusammenstellung ist das Verhältniss der Kanallänge zur Länge der natürlichen Wasserläufe (der Flüsse). Für Holland ist dies Verhältniss 2¾ : 1, für England 1¾ : 1, für China 1⅖ : 1. In Deutschland kommen auf 100 Meilen Flusslauf nur 8 Meilen Kanal, in Frankreich 58, in Belgien 57. Nach Fertigstellung der neuen Kanalunternehmungen wird sich dies Verhältniss in Deutschland erheblich ändern.

Elektrische Anrückvorrichtung des Schreibzeuges für Indicatoren, nach F. Kovarik.

Zur genauen Ausführung von Untersuchungen an Verbundmaschinen mittels Indicator, besonders solcher mit grosser Umdrehungszahl, ist es nöthig, die zusammengehörigen Diagramme, welche die Arbeit ein und derselben Dampfmenge zur Anschauung bringen, zusammenzulegen (Rankinisiren). Es ist diese Arbeit, wobei also mit 2, 4 und 6 Indicatoren gearbeitet werden muss und wobei bisher jeder Indicator von einer besonderen Person zu bedienen war, sehr schwer gleichzeitig mit allen Indicatoren in Uebereinstimmung zu vollziehen, und daher zeichnen sich die so erhaltenen Diagramme in ihrer Zusammengehörigkeit oft nicht gerade durch grosse Zuverlässigkeit aus.

Um diese Arbeit auf bequeme und sichere Weise erreichen zu können, wird an den gewöhnlichen Schreibvorrichtungen der Indicatoren von Dreyer, Rosenkranz und Droop in Hannover