Text-Bild-Ansicht Band 291

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leitender Berührung sich befinden, leiten sie die Ströme an Erde und machen sie unschädlich. Freilich ist nicht zu übersehen, dass durch den Stanniolbelag die Capacität etwas erhöht wird.

Beachtenswerth ist das in Fig. 3 abgebildete 28aderige Telephonkabel des Reichspostamtes, welches sowohl als Einleiter-, als auch als Doppelleiterkabel benutzt werden kann. Zu dem Ende sind die 28 Adern in 7 Gruppen zu je 4 Adern eingetheilt; die mit getränkter Faser isolirten Adern sind mit Stanniol umwickelt und die 4 Adern jeder Gruppe um einen nicht isolirten Erddraht verseilt. Diese Kabel haben sich vorzüglich bewährt, so dass Felten und Guilleaume neuerdings nach der gleichen Anordnung Kabel mit ihrer Patent-Papierisolation mit Lufträumen in der Weise ausgeführt haben, dass in den kreuzförmigen Papiersteg ein Kupferstreifen eingelegt ist, welcher die inducirten Ströme sammelt und zur Erde ableitet.

Am sichersten verhütet man Störungen durch inducirte Ströme dadurch, dass man die Adern in Schleifen schaltet und für jeden Abonnenten 2 Adern im Kabel vorsieht, wie bereits eingangs gesagt. Der allgemeineren Einführung solcher Doppelleiterkabel haben bisher der grössere Querschnitt und der höhere Preis derselben im Wege gestanden. Dieses Hinderniss ist durch Felten und Guilleaume's Patent-Papierkabel mit Lufträumen so gut wie ganz beseitigt, da ihre Doppelleiterkabel der beschriebenen Anordnung sehr gedrängt sind und einen nur wenig grösseren Querschnitt haben, auch nicht viel mehr kosten als die bisher verwendeten Einleiterkabel; zugleich vereinigen diese Kabel die denkbar niedrigste Capacität mit fast gänzlicher Inductionslosigkeit. Die Verbindungen sind bei diesen Kabeln nicht schwer herzustellen; jeder mit dem Verbinden von Papierkabeln vertraute Löther kann sie machen, da die Ausführungsweise der Arbeit sozusagen dieselbe ist.

Papierkabel mit Lufträumen lassen sich auch ebenso vortheilhaft für Telegraphenzwecke verwenden; nur sind selbstredend die Abmessungen der Leitung, der Isolation und mithin des ganzen Kabels entsprechend stärker. Durch die niedrige Capacität wird die so oft zu Störungen Anlass gebende Uebertragung von einem Leiter auf den anderen verhütet oder doch geschwächt; es lässt sich auch eine grössere Sprechgeschwindigkeit bei gleichen Abmessungen bezieh. die gleiche Sprechgeschwindigkeit mit geringeren Abmessungen und dadurch eine erhöhte Rentabilität der Telegraphenlinie erzielen.

Ein völlig neues Feld hat sich für den Kabelfabrikanten aufgethan durch die rasche Entwickelung der elektrischen Beleuchtung und Kraftübertragung unter Anwendung hochgespannter Ströme. Die Anforderungen, welche an solche Kabel gestellt werden, sind wesentlich verschieden von denen, welche bei der Herstellung von Telegraphen- und Telephonkabeln bestimmend sind. Die concentrischen und biconcentrischen Kabel ausgenommen, spielt bei der Isolation die Capacität eine weniger wichtige Rolle als die Gefahr des Durchschlagens und die des Warmwerdens des Leiters.

Getränkte Faser und Papier werden mit Vorliebe für die Isolation von Lichtkabeln verwendet, namentlich seitdem mit immer höher gespannten Strömen gearbeitet wird, was eine möglichst dichte und doch zähe und elastische Isolation bedingt, welche Eigenschaften- kein anderes Isolirmaterial in sich vereinigt. Bei der grossen Verschiedenheit der erhältlichen Papiersorten ist es eine heikle Sache, die richtige Sorte zu treffen, und kann bei der Auswahl nicht vorsichtig genug zu Werke gegangen werden. Bei dem zum Isoliren zu verwendenden Papiere ist auf niedrige Capacität und gute Isolirfähigkeit zu sehen; zudem muss es stark genug sein, um den Zug in den Wickelmaschinen aushalten zu können; es muss fest und dicht und doch geschmeidig und aufnahmefähig für das Imprägnirmittel sein.

Da sich mit einer verhältnissmässig dünnen Papierbewickelung das Verlangte erreichen lässt, so erzielt man mit einer Papierisolation den kleinsten Durchmesser, das geringste Gewicht und den billigsten Preis des Kabels.

2) Die Armatur oder Bewehrung.

Bei Kabeln mit Guttapercha- und Gummiadern bezweckt die Bewehrung – zumeist mit Eisen- oder Stahldrähten – in der Hauptsache einen Schutz gegen mechanische Beschädigung auf dem Transporte, beim Verlegen und nach dem Verlegen (bei unterirdischen Kabeln im Falle von Nachgrabungen; bei Tunnel- und anderen oberirdischen Kabeln durch den Betrieb und sonstige Arbeiten in der Nähe des Kabels; bei Fluss- und Unterseekabeln durch schleppende Anker; felsigen und unebenen Lagergrund). Bei Tiefseekabeln ist es von Wichtigkeit, dass die Bewehrungsdrähte unbeschadet ihrer Tragfähigkeit bezieh. Bruchfestigkeit möglichst dünn sind; in dieser Richtung hat man wesentliche Fortschritte gemacht, d.h. in der Erzeugung von verzinkten Stahldrähten mit grosser Bruchfestigkeit. Während man bis vor etwa zwei Jahren noch Drähte mit einer Bruchfestigkeit von 90 bis 95 k für 1 qmm verwendete in einer Dicke von 2,4 mm, nimmt man jetzt Draht mit einer Bruchfestigkeit von 130 bis 135 k für 1 qmm in einer Dicke von nur 2,0 mm, und selbst 1,8 mm starker Draht wird verwendet mit einer Bruchfestigkeit von 160 bis 165 k für 1 qmm. Die Drähte werden mit einer eigenen Mischung überzogen, um sie gegen die zerstörende Einwirkung des Seewassers zu schützen; und der Zerstörung der Guttapercha durch die Teredo und andere ihr feindliche Thierchen beugt man erfolgreich vor durch eine Umwickelung der Kabelseele mit Messingband.

Bei Kabeln mit Faser- und Papierisolation, welche bekanntlich hygroskopisch sind, hat die Bewehrung noch die besondere Aufgabe, das Eindringen von Feuchtigkeit in das Kabelinnere zu verhüten. Derartige Kabel erhalten daher ausnahmslos einen Bleimantel und über diesem noch eine weitere Bewehrung von Draht oder Eisenband, wenn eine mechanische Beschädigung zu befürchten ist oder besondere Ansprüche an die Zugfestigkeit des Kabels gestellt werden.

Neuerungen in Bezug auf den Bleimantel beziehen sich – die verschiedenen neuen Constructionen von Bleikabelpressen nicht zu rechnen – hauptsächlich auf die Erzielung eines möglichst wasserdichten Bleimantels, welcher diese Wasserdichtheit auch unter allen Umständen behalten muss trotz der rauhen Behandlung beim Auf- und Abrollen, beim Verlegen oder Spannen und Aufhängen, wie auch gegenüber der schädlichen Einwirkung chemischer Verunreinigungen des Bodens, in welchem das Kabel verlegt ist. Um das Blei widerstandsfähiger gegen schädliche mechanische und chemische Einwirkungen zu machen, wird ihm bisweilen ein kleiner Procentsatz (meistens 3 Proc.) Zinn zugesetzt; auch ordnet man über dem einen Bleimantel noch einen zweiten an mit einer Asphaltschicht zwischen den beiden Bleimänteln.

Guttapercha- und Gummikabel pflegt man als Regel nur dann mit einem Bleimantel zu versehen, wenn sie als Einführungsdrähte und in Stationen Verwendung finden.

Textabbildung Bd. 291, S. 92
Textabbildung Bd. 291, S. 92
Wo auf einen möglichst kleinen Kabeldurchmesser und auf eine glatte Oberfläche des Kabels besonderer Werth gelegt wird, wendet man statt der runden Drähte flache Bewehrungsdrähte an (wie beispielsweise Felten und Guilleaume es bei den Telegraphen- und Telephonkabeln für die Deutsche Reichstelegraphie gethan haben), oder man bewickelt die Kabel mit Eisen- oder Stahlband.

Unterirdische Bleikabel für Telegraphie und Telephonie erhalten öfter über dem Bleimantel noch eine verzinkte Drahtbewehrung, für welche meistens runde Drähte oder, wenn man einen kleinsten Durchmesser und eine glatte Oberfläche des Kabels erzielen will, flache Drähte verwendet werden, wie bei dem in Fig. 4 im Querschnitte abgebildeten Kabel.

Felten und Guilleaume haben neuerdings auch eine Drahtbewehrung eingeführt, bei welcher jeder Draht über den Nachbardraht greift, so dass ein Draht den anderen festhält. Diese Art der Bewehrung hat namentlich bei dem von dieser Firma construirten Untersee-Telephonkabel mit Lufträumen den Zweck, jeden Zug oder Druck von aussen, welcher die Kabelseele beschädigen könnte, aufzunehmen. Wie aus dem in Fig. 5 gebotenen Querschnitte eines solchen Kabels ersehen werden kann, liegt die Kabelseele ganz geschützt in einem gewissermaassen unzerdrückbaren Rohre.

Bleikabel für elektrische Beleuchtung werden vorzugsweise mit Eisenband bewehrt; und wenn das Eisenband in Asphalt eingedrückt wird und dann noch eine mit Asphalt getränkte Garnumspinnung erhält, so bietet diese Art der Bewehrung den denkbar sichersten Schutz gegen jede schädliche äussere Beeinflussung.

Ueber die bedeutenden Fortschritte, welche im Verlegen von submarinen Kabeln und in den dabei zur Verwendung kommenden Apparaten, Maschinen und sonstigen Einrichtungen, sowie in der Ausführung von unterirdischen Kabelführungen (Kanälen, Röhren, Kasten u. dgl.) gemacht sind, hat sich der