Text-Bild-Ansicht Band 291

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Vortragende nicht weiter ausgelassen, um nicht die für seinen Vortrag gesteckten Grenzen zu überschreiten. Diejenigen, welche ein besonderes Interesse daran haben, finden das Gewünschte in den zahlreichen Veröffentlichungen über diesen Gegenstand in den Fachzeitschriften.

Es liesse sich auch noch viel mehr über ein so interessantes Thema wie das der Kabeltechnik sagen, aber das Gesagte dürfte genügen, um darzuthun, was auf diesem Gebiete geschehen ist, und um den Weg für weitere Fortschritte anzudeuten.

Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.

Von Dr. J. M. Eder und E. Valenta.

(Fortsetzung des Berichtes S. 41 d. Bd.)

Negativlacke und Firnisse.

Die käuflichen photographischen Lacke, wie solche zum Lackiren von Negativen im Gebrauche stehen, sind sogen. Warmlacke, d.h. Lacke, welche nur dann eine gleich massig klare Schicht geben, wenn selbe auf die früher erwärmte Platte aufgetragen werden.

Der Einfachheit halber werden insbesondere von Amateurphotographen die sogen. Kaltlacke vorgezogen, wie dieselben von verschiedenen Firmen unter mancherlei Namen in den Handel gebracht werden.

E. Valenta hat eine Reihe solcher im Handel vorfindlicher Kaltlacke untersucht und folgende Eintheilung derselben gegeben:

a) Alkoholische Kaltlacke.

Diese Art der Kaltlacke sind zumeist Lösungen von Sandarakharz in Alkohol; da aber eine Lösung von Sandarak in Alkohol, für sich aufgegossen, die Bildung einer matten Schicht zur Folge hat, enthalten diese Lacke noch gewisse Zusätze, welche dies verhindern. Solche Zusätze sind z.B. Lavendelöl, Citronenöl u.s.w. Valenta gibt die folgende Vorschrift zur Herstellung eines solchen Lackes:

Sandarakharz 18 g
Alkohol 100 cc
Lavendelöl 1 cc

Dieser Lack trocknet ziemlich langsam, gibt aber eine feste, wenig klebende Schicht, welche die Bleistiftretouche gut annimmt; er ist also in einer Beziehung manchen Handelsproducten vorzuziehen, welche bei sonst gleichen Eigenschaften selbst nach stundenlangem Trocknen, wenn man mit dem Ballen der Hand die Schicht presst, noch Eindrücke in derselben annehmen.

b) Ammoniakhaltende alkoholische Kaltlacke.

Ein derartiger Lack ist beispielsweise der „Krystalllack“ von Dierkes in Cleve. Man erkennt solche Lacke leicht, auch wenn kein starker Ueberschuss an Ammoniak vorhanden sein sollte und die Lacke parfümirt sind, da sie beim schwachen Erwärmen stets Ammoniak abgeben, welches durch seinen Geruch und die alkalische Reaction der Gase kenntlich ist. Diese Lacke sind den im Kreidelichtdruck gebräuchlichen Ammonschellackfirnissen nachgebildet und enthalten meist nur Schellack als Lacksubstanz. Dieses Harz gibt, in reinem Alkohol gelöst, wenn man die Platte vorher nicht erwärmt, keine klaren Schichten, während ein Zusatz von Ammoniak die Bildung klarer Schichten auch auf kalten Platten bewirkt. Das Ammoniak wird meist nach erfolgter Lösung des Schellacks in Alkohol zugegeben.

Die Weingeistlacke trocknen alle in der Kälte ziemlich langsam, geben aber dann Schichten, welche fest haften und gut Retouche annehmen.

Zur Herstellung solcher Lacke eignet sich nach Valenta am besten eine Lösung von Ammoniakgas in absolutem Alkohol; in derselben quillt der Schellack in der Kälte nur auf, löst sich aber leicht beim darauffolgenden schwachen Erwärmen zu einer gelben, klaren Flüssigkeit.

Ammoniakalkohol (absolut) 100 cc
Schellack 8 g

Wünscht man den Lack dicker, so kann mit der Schellackmenge bis auf 14 Proc. hinaufgegangen werden. Das Handelsproduct wird, wie erwähnt, durch Lösen des Schellacks in absolutem Alkohol und nachträgliches Versetzen mit Ammoniak in wässeriger Lösung hergestellt; es gibt stets weichere Schichten, als dies bei dem nach obigem Recepte erhaltenen Lack der Fall ist.

c) Aether- und acetonhaltende Kaltlacke.

Diese Lacke enthalten entweder Sandarak oder auch sehr harte Harze, Copale, Bernstein u. dgl., in welch letzterem Falle dieselben sich durch rasches Trocknungsvermögen und grosse Härte auszeichnen, während die sandarakführenden meist nach Verlauf von 3 bis 5 Minuten nach dem Aufgiessen noch etwas kleben. Die folgende Vorschrift gibt nach E. Valenta einen solchen sehr guten, rasch trocknenden und sehr harten Kaltlack. Man pulverisire 30 g Angolacopal, 5 g Bernsteinabfall und versetze das Gemenge mit einer Mischung, bestehend aus:

Aether 300 g
Aceton 200 g
Chloroform 10 g

Die Harze werden entweder durch langes Stehenlassen mit dem Lösungsmittel und zeitweiliges Um schütteln zur theilweisen Lösung gebracht, oder, was einfacher und rascher ist, man digerirt das Gemenge 1 bis 2 Stunden mit dem Lösungsmittel am Rückflusskühler. Dabei löst sich ein Theil der Harze auf, und es entsteht eine klare, gelbe Flüssigkeit, welche, auf Glas gegossen, eine rasch erhärtende, klare, feste Schicht bildet, welche gut Bleistiftretouche annimmt.

d) Benzolkaltlacke.

Der Hauptbestandtheil dieser Sorte von Kaltlacken ist Sandarak oder Dammar. Lacke, mit Hilfe des letzteren Harzes bereitet, sind stets weicher als mit ersterem; da diese Harze sich in Benzol nur schwer lösen, so muss ein Kunstgriff angewendet werden, der darin besteht, die Harze erst mit wenig Alkohol zu behandeln und dann das nöthige Quantum Benzol zuzufügen. Man erhält, wenn man in der Weise vorgeht, klare Lacke, welche eine zwar feste, aber bei Verwendung von Dammarharz langsamer erhärtende klare Schicht liefern.

Steinkohlenbenzol 90 cc
Alkohol 10 cc
Dammarharz 8 g

Dieser Lack kann auch für Papiere verwendet werden, nur ist es zu diesem Zwecke nöthig, ihn entsprechend zu verdünnen. Bei einer derartigen Lacksorte hat Valenta einen kleinen Zusatz von Guttapercha nachweisen können.

e) Collodionkaltlacke.

Die derartigen im Handel vorfindlichen Lacke sind fast alle amylacetathaltig. Sie bestehen aus Collodion, welches in Amylacetat und Aceton mit oder ohne Zusatz