Text-Bild-Ansicht Band 291

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klein zu halten und zugleich dasselbe Zählwerk bei allen Metern benutzen zu können, sind bei den grösseren Apparaten die elektrischen Abmessungen so gewählt, dass die Umdrehungszahl nur ½, ⅓, ⅙ u.s.w. der normalen beträgt und demnach bei allen bei voller Belastung 60 in der Minute nicht übersteigt, wodurch die Lebensdauer des Instruments wesentlich verlängert wird. Die Angaben desselben sind dann mit einer, auf dem Zählwerk angegebenen Constanten (2, 3, 6 u.s.w.) zu multipliciren.

Zur möglichsten Verminderung der Reibung im Spurlager der Ankerwelle ist diese selbst am Ende gehärtet, hoch polirt und in einem Saphir gelagert; letzterer ruht auf einer kleinen Spiralfeder, welche in die Spitze einer, durch die Grundplatte gehenden Messingschraube eingesetzt ist. Der Stein kann auf diese Weise den Schwankungen der Welle folgen, ohne harte Stösse von derselben aufzunehmen. Die Calibrirung jedes Instrumentes geschieht durch radiale Verschiebung der Pole der permanenten Magnete so lange, bis die Scheibe synchron mit dem Normalinstrumente umläuft.

Nach dem Vorhergehenden würde die Zahl der Windungen im Feld mit der Grösse des Instrumentes abnehmen, und es würde ein solches von z.B. 100 Lampen Fassungsvermögen nicht denselben Betrag vom ursprünglichen, dem durch Reihenspulen gehenden Ankerstrome entspringenden Felde besitzen, wie ein Instrument von geringerer Fassung. In derartigen Fällen wird aber das anfängliche Drehungsmoment durch die Einfügung der sogen. Nebenschlussfeldspule gesichert, welche innerhalb der einen oder auch beider Reihenspulen gewickelt ist. Da der Strom durch dieses Nebenschlussfeld, worin er in gleichem Sinne und in derselben Richtung wie das Reihenfeld wirkt, und dann auch durch den Anker geht, so beschafft er annähernd dieselbe Zahl von anfänglichen Ankerfeldwindungen und das nämliche Anfangsdrehungsmoment zur Ausgleichung der Reibung. Man kann daher zufolge dieser feinen Anordnung mit demselben Instrumente, selbst bei solchen von 100 Ampère, noch den Kraftverbrauch für nur eine Lampe ablesen.

2) J. H. Holmes und Co. in Newcastle bei Thames Ditton (vgl. 1892 285 * 88) haben für die Aluminium-Company eine neue „Castle“-Dynamo erbaut, die mit Holmes' verbessertem, mit Leiterstäben bewickeltem Trommelanker versehen und für Erzeugung eines Stromes von 125 Volt und 1025 Ampère bei 350 Umdrehungen in der Minute bestimmt ist. Dieselbe ist mit einer Willans-Dampfmaschine unmittelbar gekuppelt; das Ganze beansprucht eine Grundfläche von 3,962 × 1,524 m.

Der Anker wiegt mehr als 2000 k, sein Kern besteht aus etwa 1700 Scheiben von schwedischem Holzkohleneisenblech, die durch Pergamentpapier von ungewöhnlicher Feinheit sorgfältig gegen einander isolirt sind. Dieselben sitzen unmittelbar auf der stählernen Ankerwelle, werden durch eine, über die ganze Kernlänge sich erstreckende Feder mitgenommen und sind in der Mitte so ausgestanzt, dass drei Luftkanäle unmittelbar an der Welle gebildet werden. Die stabförmigen Leiter sind aus Kupferstreifen zusammengesetzt, welche so aufgebracht sind, dass möglichst wenig Wirbelströme gebildet werden; sie werden durch Mitnehmer vom Kern mitgenommen, welche in Kanälen des Kernumfanges in bestimmten Abständen befestigt sind. Die End- oder Querverbindungen bestehen gleichfalls aus Kupferstreifen von grossem Querschnitt, ohne Verbindungsstellen, welche an jedem Ankerende ein dichtes Gebilde darstellen, aber doch die oben erwähnten Luftkanäle frei lassen. Es ist überhaupt für guten Luftwechsel gesorgt, damit sich die Maschine auch bei langem ununterbrochenen Betriebe nicht erhitzt.

Die Feldmagnete sind aus bestem Schmiedeeisen hergestellt, sorgfältig ausgeglüht, von allen Seiten bearbeitet, und ihr Gewicht beträgt mit ihren Kupferwindungen ungefähr 8130 k. Sie sind flach gewickelt und liegen im Nebenschluss; der Widerstand der Spulen ist so gross, dass bei voller Belastung etwa 15 Ampère von dem Strome um die Magnete gehen, d.h. gerade 1,5 Proc. des Stromes im äusseren Stromkreise. Die Magnete ruhen auf einer Rothgussplatte, die unmittelbar auf einer Cementgründung liegt; seitlich sind die Magnete durch nichtmagnetische Stützen gehalten, welche auf der die Lager der Ankerwelle enthaltenden Grundplatte der Maschine ruhen.

Die Verbindungen zwischen Anker und Stromsammler sind so getroffen, dass die Umwechselungslinie in der wagerechten Ebene liegt, damit die Bürsten und Bürstenhalter leicht zugänglich sind. Die Maschine soll eine elektrische Nutzleistung von 97 Proc. geben, so dass nach Abzug der Reibungs- und anderer Verluste eine Nutzleistung von 94 Proc. verbleiben würde.

Bei einem mit der Dynamo angestellten 6stündigen Versuche betrug die mittlere Umdrehungszahl 335,7 in der Minute, die Klemmspannung 128,3 Volt, der Strom im äusseren Stromkreise 1006 Ampère, so dass (128,3 . 1006) : 746 = 173 elektrische erzielt wurden. Die indicirte Leistung der Dampfmaschine betrug 201,07 , so dass sich eine Nutzleistung von 173 : 201,07 = 86,04 Proc. ergibt. In 22 Minuten 25 Secunden wurden 635 k verbraucht; dies gibt 1697 k in 1 Stunde oder 1697 : 173 = 9,81 k für 1 elektrische und Stunde. Die Ankertemperatur betrug beim Beginn des Versuches 29,5° C, nach 6 Stunden Betrieb bei voller Belastung 57° C., hatte also um 27,5° zugenommen. Der Raum, in welchem die Versuche stattfanden, hatte 23,3° C. Anfangstemperatur und 26,0° C. Endtemperatur, so dass man die wirkliche Zunahme der Ankertemperatur zu 27,5 – (26,0 – 23,3) = 24,8° C. erhält. (Londoner Electrical Engineer, 1893 Bd. 11 * S. 536.)

Textabbildung Bd. 291, S. 109
3) Joel's patentirter Wechselstrommotor (vgl. 1892 285 * 89) ist besonders für kleine Kraftleistungen geeignet und zeichnet sich durch die einfache Herstellungsweise seiner Magnete und Ankerkerne aus. – Beide bestehen aus dünnen Eisenblechscheiben (Nr. 28 oder 32 der Lehre); erstere werden nach dem Londoner Electrical Engineer, 1893 Bd. 11 * S. 561, in der Form Fig. 2 in einem Stück gestanzt, während aus dem herausfallenden Mittelstücke die Scheiben des Ankerkernes gestanzt werden, wodurch möglichste Materialersparniss erzielt wird. Diese Scheiben werden durch Bolzen mit einander verbunden (Fig. 3), und die Anzahl der so vereinigten Scheiben ist verschieden je nach der Stärke oder Leistung der Motoren, so dass sich deren Kerne daher innerhalb gewisser Grenzen nur durch ihre Länge unterscheiden.