Text-Bild-Ansicht Band 291

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die Spannung zu erhöhen oder zu vermindern, je nachdem die Belastung steigt oder fällt, so dass das Potential jederzeit constant bleibt. Jetzt baut man diese Dynamo mit Geschwindigkeiten bis zu 90 Umdrehungen herab für 2000 Volt. In Chicago wurden diese Maschinen mit Zweiphasenströmen, deren Phasen um ¼ verschieden sind, zum Betriebe von Motoren und zur Kraftübertragung benutzt. – Durch eine kleine Veränderung des Ankers auf der Welle arbeitet die Maschine mit gewöhnlichem Wechselstrom.

Die in Chicago für diese Dynamo benutzten Schaltbretter bestehen aus weissem Marmor; alle Verbindungen liegen auf der Rückseite, so dass die Hand keinen Contact machen und keinen Schlag erhalten kann. Die Verbindungen werden durch Doppelstöpsel hergestellt, welche in Löcher passen und hinter der Marmorplatte den Contact schliessen. Bei den Schaltungen werden alle Verbindungen hergestellt, bevor der Strom durch Drehung des Umschalterhebels umgeschaltet wird. Auf dem grossen Schaltbrette in Chicago waren über 1000 Instrumente angebracht.

Während für Beleuchtungszwecke zumeist der Wechselstrom benutzt wird, bedient man sich beim elektrischen Eisenbahnbetrieb des Gleichstromes. Westinghouse-Gleichstromdynamo für diesen Zweck werden bis 250 vierpolig und bis 500 sechspolig gebaut. Dieselben haben gemischte Wickelung, und zwar sind für gewöhnlich die Nebenschlussspulen in Reihen, die vier Reihenspulen einander parallel geschaltet. Die vierpoligen Maschinen haben vier Kohlenbürsten, von denen die gegenüber stehenden querüber verbunden sind; die sechspoligen Maschinen haben sechs Bürsten. Es ist bemerkenswerth, dass an Stelle der schmelzbaren Sicherheitsausschalter magnetische Contactbrecher allgemein angewendet werden. Dieselben bestehen in der Hauptsache aus einem, durch eine starke Spiralfeder von ein oder zwei Windungen gehaltenen Doppelmessercontacte, der an beiden Seiten mit starken Kohlenstiften versehen ist, die an Kohlenplatten Contact machen. Sobald ein ungewöhnlich starker Strom auftritt, wird der Anker angezogen, so dass er den Umschalter zum Fallen bringt, doch wird der Strom erst dann vollständig unterbrochen, wenn die beiden Kohlenstifte die Kohlenplatten verlassen.

Textabbildung Bd. 291, S. 112
Die Westinghouse-Gesellschaft baut auch den Tesla-Wechselstrommotor, und zwar bis zu 10 nach der einfachen Zweiphasenanordnung, grössere, bis zu 500 , mit zusammengesetztem Wechselstrom; letztere sind zum ersten Mal in Chicago ausgestellt worden. Dieser Motor geht mit sehr starkem Drehungsmoment an und gewöhnlich geht er bei voller Belastung leicht an.

6) Ueber die bereits in D. p. J. 1893 290 53 erwähnte Dampf- und Wechselstromdynamo von O. Patin, auch Schwungradwechselstrommaschine genannt, bringt der Londoner Electrical Engineer, 1893 Bd. 12 * S. 208, weitere ausführliche Mittheilungen. Bekanntlich benutzt Patin das Schwungrad der liegend angeordneten Betriebsmaschine als Träger der Feldmagnete und stellt neben dasselbe den ebenfalls radförmigen, nur in der Richtung der Schwungradwelle verschiebbaren Anker. Die Anordnung gewährt vor allem den Vortheil, dass bei verhältnissmässig geringer Umdrehungszahl der Dampfmaschine eine hohe Umfangsgeschwindigkeit der Magnete erzielt wird. Patin gibt daher auch nur 60 bis 100 Umdrehungen in der Minute.

Textabbildung Bd. 291, S. 112
Die Feldmagnete dieser „Schwungraddynamo“ bestehen aus zwei Haupttheilen: Nämlich aus einem, aus dem Ganzen oder aus zwei Theilen gegossenen inneren Ringe A (Fig. 11), der durch Arme B mit der Nabe verbunden ist und an seinem Umfange Pole P (Fig. 12) von weichem Eisen trägt, welche den inneren Theil des magnetischen Feldes bilden. Auf das äussere Ende jedes Poles P ist eine Platte E aufgeschraubt, welche die Spule y festhält und, da sie leicht abnehmbar ist, ein Auswechseln der Spulen ermöglicht. Die Zahl dieser Pole ändert sich mit der Grösse der Dynamo und nach der Umdrehungszahl, wird aber so gewählt, dass für alle Maschinen eine gleiche Periodicität erhalten wird. Der zweite Theil des Feldes wird durch einen äusseren gusseisernen Ring A1 gebildet, der an seinem inneren Umfange mit ebenso viel zahnförmigen Hervorragungen P1 versehen ist, als Pole P vorhanden sind; er ist mit einem Ringe C in einem Stück gegossen, der einerseits gegen den Ring A verschraubt, andererseits durch Arme B1 ebenfalls mit einer Nabe verbunden ist, die gegen die Nabe von A geschraubt ist. Zwischen den Polen P bezieh. den Platten E und den Polen P1 ist nun ein überall gleich grosser ringförmiger Raum gelassen, in welchen der Anker eintritt.

Textabbildung Bd. 291, S. 112
Der Anker besteht wieder aus einem gusseisernen Ringe J (Fig. 11 bis 16), der mit gleich weit entfernten viereckigen Aussparungen versehen und durch Arme mit einer ausgebohrten Nabe M verbunden ist, welche mit leichter Reibung auf dem sorgfältig abgedrehten rohrförmigen gusseisernen Träger D ruht, durch dessen inneren Theil die Kurbelwelle concentrisch frei hindurchgeführt ist. In jeder der erwähnten Aussparungen des Ringes J ist das eine Ende einer Bronzeplatte T eingekittet, welche als Kern einer Spule dient und durch den Kitt vollständig gegen Ring J isolirt ist. Jede Ankerspule b (Fig. 13) ist unabhängig von den benachbarten und leicht auszuwechseln; sie besteht aus dem aus einzelnen Platten hergestellten Kerne N (Fig. 14 und 15) von Bronze und der aus Kupferstreifen, die durch Fiber gegen einander isolirt sind, hergestellten Wickelung. Durch diese Bauart des Kernes soll die Erzeugung von Strömen in ihm vermieden werden. Jede Spule ist mit Gummilack gefirnisst, so dass ihre