Text-Bild-Ansicht Band 291

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Umgekehrt wie bei Collodionnegativen verhalten sich die Reliefs bei Bromsilbergelatineplatten, indem bei denselben die geschwärzten Stellen tief liegen, während die durchsichtigen quellen (Eder). Warnerke zeigte, dass Pyrogallol eine Gerbung der Gelatine an den belichteten Stellen bedingt. Liesegang fand, dass das Relief besonders gut bei Verwendung von Paramidophenolentwicklern auftritt und dass Sulfit der Reliefbildung abträglich ist. Das getrocknete Negativ wird graphitirt und im galvanischen Kupferbade abgeformt.

Farbendruck.

Ein neues Verfahren zur Herstellung lithographischer Punktirungen wurde C. H. Gerdon in East Orange patentirt (D. R. P. Nr. 61429). Dasselbe besteht darin, dass von einer mit der Hand auf einen Stein oder eine Platte gleichmässig aufgetragenen Punktirung in gegen Säure widerstandsfähiger Druckfarbe auf lithographischem Ueberdruckpapier ein vollständiger Abdruck genommen und der letztere auf beliebig viele lithographische Steine oder Platten in der gewöhnlichen Weise aufgetragen wird, sodann die nichtpunktirten Theile der Platten oder Steine geätzt werden, worauf von der hochpunktirten Fläche die Druckfarbe mittels Terpentinöl o. dgl. entfernt und diese mit feinem Sande gekörnt wird. Diejenigen Stellen der Punktirung, welche drucken sollen, werden nun mit dem Lithographenstifte behandelt. (Freie Künste, 1892 S. 20.)

Zur Herstellung von Punktirungen am Stein eignet sich ein von der Air-Brush Manufacturing Co. in Rockforet (Illinois, Nordamerika) in den Handel gebrachtes Instrument. Mittels desselben wird die lithographische Tusche durch Luftdruck zerstäubt und kann damit der Stein auf einfache, billige Weise mit einer Punktirung versehen werden. Alfred Guttmann in Ottensen-Hamburg bringt ein Instrument zum gleichen Zwecke in den Handel, welches er Sandstrahlfeder nennt. Der Apparat besteht aus einer Luftpumpe, einem Windkessel und drei Sandblasfedern. (Freie Künste, 1892 Nr. 6.)

Ludwig Meyer in Berlin erhielt ein Patent (D. R. P. Nr. 64817) auf ein Verfahren der Fabrikation von Oelbildern als Ueberdruck; nach diesem Verfahren werden mit fetter Farbe auf Abziehpapier hergestellte Licht- oder Steindrucke ohne Zwischenlage direct mit Oelfarbe skizzenhaft übermalt, auf Malerleinwand o. dgl. abgezogen und erforderlichen Falles retouchirt. (Allg. Anz. f. Druckereien, 1892 S. 868.)

Schöne Resultate des Dreifarbendruckes mittels Zinkplatten wurden von Dr. E. Albert in München erzielt, welcher das S. 118 dieses Referates beschriebene Verfahren zur Herstellung der Drucke anwendete.

Dr. E. Vogel in Berlin hat im Vereine mit Kurtz in New York ein ähnliches Verfahren der Chromozinkotypie ausgearbeitet. Gegenwärtig ist E. Vogel mit Büxenstein in Berlin in Verbindung, welcher auch das Albert'sche Patent angekauft hat und sowohl mit Hilfe dieses Verfahrens, als unter Anwendung des Lichtdruckes seit einiger Zeit mit schönen Erfolgen arbeitet.

Flachdruck von Zink, Aluminium, Nickel u.s.w.

Oskar Kindermann in Krippen bei Schandau a. d. E. wurde ein Patent (D. R. P. Nr. 61710) auf ein Verfahren zur Herstellung von Zinkplatten als Ersatz des lithographischen Steines ertheilt. Dieses Verfahren besteht im Wesentlichen darin, dass auf einer mattirten Zinkplatte eine gleichmässige Schicht von Antimon (unter Benutzung einer alkalischen Brechweinsteinlösung) aufgetragen wird, welche Schicht eine zarte hellere Oberfläche aufweist und zur Aufnahme der feinsten Zeichnungen geeignet ist. (Allg. Anz. f. Druckereien, 1892 Nr. 18.)

Bereits im J. 1891 wurden in Amerika erfolgreiche Versuche gemacht; um von Aluminiumplatten ähnlich wie vom lithographischen Stein oder von Zink zu drucken. Solche Platten werden neuerer Zeit von der Aluminium-Industrie-Actiengesellschaft in Neuhausen in der Schweiz geliefert und auch in Deutschland bereits öfter angewendet. Dieselben sind auch für den Umdruck von Lichtdruckplatten geeignet. (Photogr. Arch., 1892 S. 167.)

Wien, am 16. December 1893.

[Kleinere Mittheilungen.]

Vergleichung des elektrischen Bogenlichtes mit dem Glühlicht.

Im elektrotechnischen Laboratorium der Berliner Technischen Hochschule sind von Dr. Wedding Versuche darüber angestellt, welche Lichtmengen mit gleichem Gasverbrauch bei dem elektrischen Bogenlicht und dem Gasglühlicht erzielt werden und wie diese Lichtmengen in dem beleuchteten Raume sich vertheilen. Die Ergebnisse seiner vergleichenden Versuche sind in der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1893 Heft 21, veröffentlicht, wonach wir das Folgende mittheilen:

Bogenlicht und Gasglühlicht zeigen hinsichtlich der Richtung, in welcher die Ausstrahlung stattfindet, grosse Verschiedenheiten. Denkt man durch den Mittelpunkt der Lichtquelle eine wagerechte Ebene gelegt und ermittelt, welcher Antheil der hervorgebrachten Lichtmenge über, welcher unterhalb dieser Ebene ausgestrahlt wird, so findet sich, dass beim Bogenlicht die oberhalb der Ebene ausgestrahlte Lichtmenge die unterhalb ausgestrahlte nur um ein Geringes übertrifft, dagegen beim Gasglühlicht die oberhalb der Ebene ausgestrahlte Lichtmenge etwa 57, die nach unterhalb ausgestrahlte nur etwa 43 Proc. der gesammten Lichtmenge beträgt. Diese ungünstige Vertheilung des Lichtes kommt wesentlich auf Rechnung der Form des Glühkörpers, der das Maximum der Lichtmenge unter einem Winkel von etwa 20° über der Wagerechten abgibt. Bei dieser Vertheilung zeigen sich jedoch Unregelmässigkeiten, die theils auf Ungleichheiten im Gewebe des Glühkörpers, theils auf Formänderungen, die derselbe in Folge des Glühens erleidet, ihre Ursache haben.

Durch Anwendung von Reflektoren kann die grosse Ungleichheit der Lichtvertheilung erheblich gebessert werden. Wenn auch durch dieses Hilfsmittel ein nicht kleiner Theil der Lichtmenge absorbirt wird, so erwies sich doch in den Wedding'schen Versuchen, dass sowohl beim Aufsetzen eines grossen gewölbten Schirmes (mit weissem und bezieh. rosagefärbtem Augenschoner) als auch einer Opalkugel die nach unten fallende Lichtmenge durch Absorption nicht geschwächt wird, vielmehr, umgekehrt, in Folge Reflexion eine bedeutende Vermehrung derselben stattfindet; beim Aufsetzen von matt geätzten Tulpen und Kugeln und desgleichen von rosagefärbten Kugeln tritt jedoch eine Verminderung jener Lichtmenge ein. Die Grösse der durch Reflektoren in der Lichtvertheilung zu erzielenden Aenderungen wird durch die Angabe Wedding's anschaulich, dass, während beim Bogenlicht durch Aufsetzen eines Reflektors eine Verminderung der nach unten fallenden Lichtmenge um 25 bis 50 Proc. stattfindet, beim Gasglühlicht sich in dieser Richtung eine Lichtverstärkung bis zu 42 Proc. ergeben kann.

Ausser diesen Feststellungen hat Wedding andere darüber angestellt, welche Lichtmengen mit gleichem Gasaufwand für bestimmte praktische Zwecke nutzbar gemacht werden können, indem man z.B. die Beleuchtung einer Schaufensterauslage oder eines Tisches in Betracht zieht. Er ermittelte auf rechnerischem Wege diejenige Lichtmenge, welche auf die Basis eines Kegels von 1 m Höhe fällt, der an der Spitze einen Winkel von 140° hat, wenn die Spitze dieses Kegels mit der Lichtquelle zusammenfällt. Dabei fand sich Folgendes: Beim Bogenlicht fällt das Maximum der Lichtmenge etwa 0,7 m vom Mittelpunkte der Kegelbasis entfernt, beim Gasglühlicht viel näher an jenen Mittelpunkt, und zwar je nach den Form Verschiedenheiten der angewendeten Reflektoren, nur etwa 0,1 bis