Text-Bild-Ansicht Band 291

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werden mit den Fig. 21 und 22 ersichtlichen Sicherheitskesseln combinirt in den Handel gebracht.

Jeder Kessel besteht aus einem weiten, gusseisernen Dom, dessen beide Theile S und S1 durch Flanschverschraubung mit einander verbunden sind, ferner aus einem ringförmigen Untertheil T, sowie einer unterhalb der Feuerthür K liegenden Wasserkammer R. Diese mit Wasser angefüllten Theile stehen durch eine Anzahl schmiedeeiserner Rohre P, die kreisförmig angeordnet und von einem starken schmiedeeisernen Mantel umgeben sind, mit einander in Verbindung und werden behufs Erreichung genügender Heizfläche von den Verbrennungsgasen unmittelbar umspült. Der Rost ist mit G und der Aschenkasten, auf welchem der ganze Kessel steht, mit U bezeichnet. Das Speisewasser tritt durch das inmitten eines der Rohre liegende Rohr Y, welches am Boden des Kessels ausmündet, in diesen letzteren. In die Bodenplatte des Domes ist ein schmelzbarer Sicherheitspfropfen 8 geschraubt. V ist das Abblaseventil, I1 und Q je ein Wasserstandshahn.

Textabbildung Bd. 291, S. 147
Bei dem 1pferdigen Kessel (Fig. 21) treten die abziehenden Gase durch eine der Feuerthür K gegenüberliegende Oeffnung M direct in den Schornstein.

Der 2pferdige Kessel (Fig. 22) unterscheidet sich von dem 1pferdigen hauptsächlich dadurch, dass die beiden Domtheile ringförmigen Querschnitt besitzen; ihr innerer Hohlraum W bildet einen weiten Heizkanal, auf dessen oberes Ende der Schornstein zu sitzen kommt. Eine mit der Zugklappe 5 des Schornsteins verbundene Stange 6 trägt an ihrem unteren Ende eine runde Scheibe 7, die, ähnlich wie die gusseiserne Birne beim Field-Kessel, verhindern soll, dass die Heizgase vom Rost direct in den Schornstein gelangen, sondern erst durch die Zwischenräume der Rohre streichen.

Die unteren Enden der Rohre sind in den Ring T bezieh. die Wasserkammer R eingeschraubt, während die oberen Enden derselben durch doppelte Schraubenmuttern mit der Bodenplatte des Domes verbunden sind.

Die Kessel sind auf einen Wasserdruck von 8 bis 10 at geprüft und lassen sich mit jedem Brennmaterial heizen. Der Betriebsdruck stellt sich auf 5 bis 6 at.

Die Eisenwerke Gaggenau A.-G. in Gaggenau (Baden) stellten zwei stehende Kleinmotoren (System Friedrich) aus, von denen der eine mit einfach wirkendem Dampfcylinder die 1890 280 113 in Fig. 3 ersichtliche Gestalt besitzt, während der andere mit doppelt wirkendem Cylinder eine zweimalige Expansion des Dampfes zulässt, indem dieser erst auf der einen, dann auf der anderen Kolbenseite zur Wirkung kommt und damit eine Leistung von 15 entwickelt. Ein Plungerkolben von 220 mm äusserem Durchmesser bildet gewissermaassen die hohle Stange eines mit ihm zusammengegossenen grösseren Kolbens von 320 mm Durchmesser, der sich mittels zweier Sprengringe dampfdicht in der Bohrung des Cylinders führt, während der Plunger seine Führung in dem entsprechend ausgebohrten Maschinenständer findet. Der Hub beträgt 240 mm. In den durch Plunger und Cylinder gebildeten ringförmigen Raum tritt der vom Kessel kommende Dampf und treibt den Kolben nach aufwärts; nachdem strömt der Dampf durch den cylindrischen Schieberkasten, in welchem ein Steuerorgan mit Doppelkolben liegt, in den oberen Theil des Cylinders und wirkt hier derart auf die Fläche des grösseren Kolbens, dass sich dieser wieder abwärts bewegt und bei seiner zweiten Aufwärtsbewegung den Dampf in einen neben der Maschine aufgestellten Oberflächencondensator treibt.

Die Geschwindigkeit der Maschine; welche normal mit 180 minutlichen Umdrehungen läuft, regelt ein auf ein Drosselventil wirkender Tangye-Regulator. Das zur Bewegung des Kolbenschiebers dienende Excenter betreibt auch gleichzeitig eine an der Fundamentplatte der Maschine befestigte Speisepumpe.

Behufs Schmierung des Kurbelzapfens taucht derselbe bei jeder Umdrehung in ein im Maschinenständer eingeschlossenes Oelbad; ausserdem ist an diesem Zapfen noch ein Centrifugalschmierrohr befestigt, welches von einem ausserhalb des Maschinenständers liegenden Tropföler mit Oel versorgt wird.

Der zur Maschine gehörige Kessel mit 6 at Arbeitsspannung und 16 qm Gesammtheizfläche besteht aus 52 geschweissten, an dem einen Ende geschlossenen Röhren von je 89 mm äusserem Durchmesser und 1010 mm Länge, deren offene Enden in eine gemeinschaftliche Kammer ausmünden, auf welche sich mittels zweier Stutzen ein Dampfsammler von 320 mm innerem Durchmesser und 850 mm Länge setzt. Die Röhren liegen etwas geneigt, um der Wasser- und Dampfbewegung kein Hinderniss zu bieten. Der Dampfsammler trägt ausser dem gewöhnlichen noch ein offenes Sicherheitsventil, bei dessen Inkrafttreten der Dampf durch ein Rohr in den Schornstein geleitet und von hier, nach unten ausströmend, zum Löschen des Feuers bezieh. zur Hinderung der Weiterentwickelung von Wärme benutzt wird.

Die Feuerung ist eine selbsthätige Schüttfeuerung mit geneigtem Rost und kann durch eine Klappe geschlossen werden. Das im Oberflächencondensator condensirte Wasser wird der Pumpe direct zugeleitet und etwaige Verluste werden durch gleichzeitige Zuführung geringer Quantitäten von Kühlwasser ausgeglichen.