Text-Bild-Ansicht Band 291

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des Hebels C die Platten B berührt, so wird der Stromweg zwischen den Schrauben b geschlossen. Dabei hebt sich aber das linke Ende des Hebels C, biegt die Spannfeder ab, entfernt eine Kerbe von einem Theile des Sperrhebels G und erlaubt der Sperrfeder, sich in das Loch in der neuen Stellung einzulegen, und hebt den Unterbrechungsknopf H empor. Will man den Strom weg unterbrechen, so muss man den Knopf H niederdrücken; dabei wird die Sperrfeder gespannt, der betreffende Theil des Hebels G aus der Kerbe befreit und die Feder am Hebel C losgelassen, so dass sie sein Ende von den Platten B entfernen und den Strom unterbrechen kann, unter gleichzeitigem Wiedereinschnappen in die Kerbe und Festhalten des Hebels.

Textabbildung Bd. 291, S. 186

Ueber die Ursache der sauren Gährung in Gerbebrühen.

Von Dr. F. H. Haenlein.

Mit Abbildungen.

Jeder Gerber weiss, dass die Gerbebrühen in doppelter Beziehung einer Veränderung unterworfen sind, wovon theils die Gerbstoffe, theils die gleichzeitig in Lösung befindlichen „Nichtgerbstoffe“ betroffen werden. Die Veränderung des Gerbstoffes besteht in der Hauptsache in einer successiven Abnahme seiner Quantität in demselben Maasse, als er durch die in der Brühe befindliche thierische Haut aufgenommen und mithin aus der Lösung ausgeschieden wird. Ob der Gerbstoff auch qualitativen Veränderungen unterliegt, ist noch nicht entschieden.

Ganz anders gestaltet sich die Sache für die „Nichtgerbstoffe“. Sie sind es hauptsächlich oder allein, welche durch ihre Anwesenheit eine qualitative Veränderung der Gerbebrühen bedingen, als deren Endstadium die vollkommene Säuerung der Brühen zu betrachten ist.

Zahlreiche Substanzen, welche in den sauren Brühen vorhanden sind, in den frischen, süssen Brühen aber fehlen, sind uns durch die Untersuchungen von Wladika1) bekannt geworden. Es sind dies hauptsächlich flüchtige organische Säuren, besonders Essigsäure, und nichtflüchtige organische Säuren, namentlich Milchsäure.

Das Material zur Bildung der genannten Stoffe liefern nun die organischen „Nichtgerbstoffe“ und unter diesen insbesondere der Zucker und andere diesem ähnliche Kohlehydrate, welche daher in den Brühen im Laufe der Zeit ebenso an Menge abnehmen, wie die Säuren zunehmen.

Man hat sich schon lange gewöhnt, den ganzen Process der Säuerung als eine Gährung zu bezeichnen, und man ist auch dazu berechtigt, einerseits deshalb, weil die Endproducte des Processes, die Säuren, einfachere chemische Verbindungen darstellen als die Kohlehydrate, aus denen erstere entstanden sind, und andererseits darum, weil die äusseren Bedingungen der Säuerung erfahrungsgemäss mit den günstigsten Gährungsbedingungen übereinstimmen.

Ueber die meisten Punkte aber, deren Kenntniss zu einer wissenschaftlichen Erklärung der gesammten Gährungsvorgänge in den Gerbebrühen nothwendig ist, herrscht noch vollkommenes Dunkel. Besonders bedürfen noch folgende Fragen der wissenschaftlichen Beantwortung:

Sind ausser dem Zucker noch andere Kohlehydrate der Zersetzung unterworfen?

Welche Zwischenproducte treten auf?

Liefert der Zucker allein verschiedene Endproducte?

Können dieselben Endproducte verschiedenen Ursprung haben?

Welche Fermente sind als Gährungserreger betheiligt? Sind es ungeformte Fermente oder sind es Bakterien, Hefe, Schimmelpilze u.s.w.?

Hört die Gährung schliesslich auf aus Mangel an Gährungsmaterial oder bildet die entstandene Säuremenge ein Hinderniss?

Gehen gewisse Zersetzungen unabhängig von einander gleichzeitig vor sich?

Oder ist für den Eintritt gewisser Gährungen Bedingung, dass andere Zersetzungen vorher begonnen haben oder vollendet sein müssen?

u.s.w. u.s.w.

Da es bei einer so complicirten Sache wohl schwerlich gelingen dürfte, mit einem Schlage Licht über alle Einzelheiten zu verbreiten, so müssen wir uns begnügen, in der Erkenntniss schrittweise vorzudringen. Die nachfolgenden Mittheilungen, welche einige neue Beobachtungen enthalten, sind auch dazu bestimmt, einen Beitrag zur Kenntniss der Gährungsvorgänge in den Gerbebrühen zu liefern.

Zuvörderst kam es mir darauf an, zu versuchen, ob sich nicht der Beginn der Gährung in einfacherer und bequemerer Weise feststellen lässt, als durch eine umständliche und zeitraubende chemische Untersuchung über die etwa gebildeten Säuren. Es lag dabei der Gedanke nahe, zu prüfen, ob nicht – wie bei vielen anderen Gährungsvorgängen – auch in den Gerbebrühen gasförmige Zersetzungsproducte sich bildeten.

Textabbildung Bd. 291, S. 186
Zu diesem Zwecke construirte ich mir folgenden Apparat (siehe Fig. 1):

Der Glaskolben A ist mit einem doppelt durchbohrten Kork versehen. Durch die eine Bohrung reicht eine lange Glasröhre B bis nahe auf den Boden. Durch die andere Bohrung ist eine kurze Glasröhre C gesteckt, welche nach unten gar nicht und nach oben nur wenig über den Kork hervorragt.

Ueber dem Kolben ist ein oben geschlossenes, cylindrisches Rohr F in einem Halter befestigt. Das Rohr ist mit einer Gradeintheilung versehen, welche bequem 0,5 cc abzulesen gestattet. Die nach unten gekehrte Oeffnung des Rohres ist mit einem einfach durchbohrten Kork verschlossen, durch welchen die kurze Glasröhre E geht. Schliesslich sind die Glasröhren C und E noch durch den Gummischlauch D mit einander verbunden.

Die Füllung des ganzen Apparates mit Gerbstofflösung bezieh. mit der zu untersuchenden Flüssigkeit geschieht in folgender Weise:

Zunächst wird der Glaskolben A mit der Flüssigkeit

1)

„Zur Kenntniss der organischen Säuren in Fichtenbrühen von Julius Wladika“, Der Gerber, 1890 Nr. 368.