Text-Bild-Ansicht Band 291

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des Oberbaues, welche die Schiene in senkrechter Richtung und nach der Richtung normal zum Gleise festhalten sollen. Diese Körper müssen, weil man von der Ausnützung der Reibung absehen soll, mit einem Zapfen in die Unterlage der Schiene greifen, um so die Seitenstösse der Fahrbetriebsmittel auf die Schwelle zu übertragen. Diese Zapfen sind es nun, welche, wenn sie unrichtig angebracht und geformt sind, die Ausschnitte in der directen Schienenunterlage oder in der Schwelle ganz besonders leicht verderben können. Die Klemmplatten liegen mit ihren Flügeln auf dem Schienenfusse. Die Schienen werden dieselben also in Folge der zwischen den Berührungsflächen auftretenden Reibung bei ihren Längsbewegungen mitzunehmen trachten, wodurch die Zapfen auf Torsion in Anspruch genommen werden. Liegen die erwähnten Zapfen sehr weit abseits vom Schienenfuss, so werden diese Inanspruchnahmen zu thatsächlichen Bewegungen der Klemmplatten führen und es beissen sich dann die Kanten der Zapfen in die Seitenwände der Ausschnitte, in welchen sie sitzen, oder sie drücken sich selbst ab und erhalten mit der Zeit, sowie die Ausschnitte eine gerundete Form. Ausserdem werden die Fusschrauben, wenn dieselben zwischen den Zapfen und den Schienenfüssen ihren Platz erhalten, keine ruhige Lage haben, was auch wieder verschiedene Uebelstände, insbesondere aber die Lockerung der Schraubenmutter zur Folge hat. Das Mitziehen der Klemmplatte durch die Schiene wird nicht leicht ganz zu beseitigen sein. Sein schädlicher Einfluss wird aber selbstverständlich um so grösser, je weiter der in der Schwelle steckende Zapfen vom Schienenfuss entfernt ist, dagegen aber auf das bei einer einfachen Klemmplatte ohne Rückenanlehnung erreichbare Minimum gebracht, wenn der Zapfen der Klemmplatte selbst mit einer Seitenfläche unmittelbar am Schienenfuss anliegt. Es erscheint daher insbesondere dann, wenn man der Klemmplatte keine Rückenanlehnung geben kann, zweckmässig, dieselbe so zu construiren, dass die soeben angegebene Lage ihres Zapfens zum Schienenfuss bei jeder Stellung, in welcher die Klemmplatte zur Anwendung kommt, eintritt. Ferner soll die Fusschraube durch den Mittelpunkt des Klemmplattenzapfens gehen, weil diese Schraube – nachdem die Drehung der Platte um den gedachten Mittelpunkt erfolgen muss – an dieser Stelle vor den Angriffen, durch welche sie abgerieben, abgeschert, gebogen oder gerüttelt werden würde, am gesichertesten ist, was bekanntlich als ein Haupterforderniss für jeden guten Eisenoberbau ganz besonders angestrebt wird.

Weiter erscheint es einleuchtend, dass es zweckmässig ist, jene Seitenflächen des Ansatzes, welche parallel zum Schienenfuss laufen, möglichst gross zu machen, weil sich dann die Seitenstösse der Fahrbetriebsmittel im Schwellenausschnitte auf eine grössere Fläche vertheilen und demzufolge die bezügliche Wand des Ausschnittes nicht so stark angegriffen wird.

Die Anzahl der Theile, aus welcher eine Befestigungsvorrichtung besteht, ist von wesentlichem Einflüsse auf deren Dauerhaftigkeit und Haltkraft. Jede Berührungsstelle zweier Stücke ist, weil sich dort die Flächen an einander reiben, drücken, abstossen u.s.w., ein Ort, an welchem Deformationen auftreten müssen. Die zunehmende Ausbreitung dieser Deformationen führt eine Lockerung der Klemmvorrichtung und schliesslich die Unbrauchbarkeit der letzteren herbei. Ausserdem ist es, weil sich die einzelnen Stücke nicht mathematisch genau an einander anschliessen, sondern jedes derselben einen kleinen Spielraum haben muss, selbstredend, dass sich mit dem Wachsen der Zahl der Stücke auch die Zahl der Spielräume vermehrt und dadurch ein schlotteriges Sitzen der Klemmvorrichtung herbeigeführt wird. Je mehr man also die Zahl der einzelnen Stücke reducirt, desto mehr reduciren sich die Veranlassungen zur Abnützung des Oberbaues und desto fester wird dieser sitzen.

Das Bestreben, die Zahl der die Klemmvorrichtung bildenden Stücke möglichst klein zu machen, empfiehlt sich um so mehr, als hierdurch auch der Erzeugungspreis geringer wird und sich die Manipulation beim Oberbaulegen wesentlich vereinfacht. Mit Rücksicht auf diese letzterwähnten Erwägungen wäre auch anzustreben, der Klemmvorrichtung eine solche Construction zu geben, dass zur Erzielung der verschiedenen Spurerweiterungen keine Auswechselung von Befestigungsbestandtheilen nothwendig wird, sondern durch entsprechende Einpassung immer derselben Bestandtheile dem Gleise alle vorgesehenen Spurerweiterungen gegeben werden können, also für alle Befestigungsstellen der ganzen Strecke immer die gleichen Bestandtheile zur Verwendung kommen.

Alle Befestigungsbestandtheile sollen ausgewechselt werden können, ohne dass es nothwendig wird, deshalb die Schwelle aufzuheben oder diese sonst aus ihrer Lage zu verrücken. Sämmtliches Kleinzeug mit Ausnahme der Unterlagsplatte, wenn diese mit in die Schwellen ausschnitte greifenden Käsen versehen ist, soll ausgewechselt werden können, ohne die Schiene aus ihrer Lage bringen zu müssen.

Rücksichtlich der Erzeugung der Stücke wäre den letzteren eine solche Form zu geben, dass sich dieselben im grossen Ganzen durch Walzung herstellen lassen.

Die Klemmvorrichtung soll die Dilatationsbewegung der Schiene über die Querschwelle hinweg nicht hindern. Verbindet die Klemmvorrichtung die Schiene mit der Querschwelle ganz fest, so macht diese die Dilatationsbewegung der Schiene mit und lockert dadurch ihr Lager im Schotter.

Ob es vortheilhaft ist, die Klemmplatten durch an der Unterlagsplatte angebrachte Krempen zu ersetzen, muss erst eine längere Beobachtung solcher Constructionen zeigen. Die Krempen biegen sich auf, reiben sich aus. Die dadurch entstehenden Lockerungen lassen sich nicht beseitigen, wie dies bei den Klemmplatten durch ein Anziehen der Schraubenmuttern möglich ist.

Endlich sei noch erwähnt, dass dem Bestreben, die Construction möglichst leicht zu machen – so begreiflich dieses vom rein geschäftlichen Standpunkte ist – doch nicht die Solidität der Construction zum Opfer fallen darf.

Meine seit einer Reihe von Jahren auf diesem Gebiete betriebenen Studien führten mich nach vielen Constructionsversuchen schliesslich auf eine Klemmvorrichtung, welche den voran geführten Grundzügen zu entsprechen scheint, deshalb will ich dieselbe hier kurz beschreiben. (Figur S. 193.)

Dieselbe besteht, von den Fusschrauben abgesehen, nur aus einer keilförmigen Unterlagsplatte und zwei Klemmplatten. Die Unterlagsplatte hat eine Grundfläche von

mm und auf jeder ihrer beiden vertauschbaren Lagerflächen je zwei 55 mm lange, in ihrem Querschnitte