Text-Bild-Ansicht Band 291

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die Gasentwickelung zum Ausdruck kommende Beginn der Veränderung der Fichtenbrühe im Lichte nach 7 Tagen eintrat; geschah dies unter übrigens gleichen Umständen im Dunkeln erst nach 14 Tagen. Und während im Dunkeln die Gesammtproduction von 42 cc Gas einen Zeitraum von 23 Tagen in Anspruch nahm, wurde im Lichte dieselbe Menge innerhalb 13 Tagen producirt. Hierin liegt auch für die Praxis ein Wink, dass das Bedecken der Gerbereigefässe einen verzögernden Einfluss auf die Gährung der Brühen ausübt.

Wesentlich wichtiger aber mit Rücksicht auf die Praxis ist der Einfluss der Temperatur. Hierüber liegen folgende Versuchsresultate vor, und zwar liegen den in nachstehender Tabelle mit den Buchstaben A bis E bezeichneten Rubriken folgende Verschiedenheiten in der Aufstellung der Apparate zu Grunde:

A stand in einem Thermostaten, dessen Temperatur durch einen Thermoregulator zwischen 39 und 40° C. gehalten wurde;

B stand in einem ebensolchen Thermostaten bei einer Temperatur von 30°;

C stand bei Zimmertemperatur, welche während der Versuchsdauer zwischen 14 und 18° schwankte;

D stand in einem kühleren Raum und wurde noch durch fliessendes Wasser abgekühlt; die Temperatur betrug in der ersten Woche zwischen 8 und 13°, wurde dann aber auf 6,5 bis 9,5° herabgedrückt;

E stand in demselben Raum im Winter bei einer Temperatur, welche 14 Tage lang zwischen 2 und 3° und dann 6 Tage lang zwischen 4 und 6° betrug.

Gesammtmenge des entwickelten Gases
A B C D E
cc cc cc cc
Nach 2 Tagen 15
„ 3 „ 40 30
„ 4 „ 50 45 11
„ 5 „ 60 60 24,5
„ 7 „ abg. abg. 40 7
„ 10 „ abg. 28
„ 15 „ 40
„ 20 „ abg.

Wie die vorstehenden Zahlen lehren, wird der in Rede stehende Zersetzungsprocess zuckerartiger Stoffe durch Mangel an Wärme in ähnlicher Weise verzögernd beeinflusst wie durch Mangel an Licht, aber in noch stärkerem Grade. Denn während ein Lichtmangel den Process nur verlangsamt, gibt es für die Temperatur eine untere Grenze, jenseits welcher der ganze Process überhaupt sistirt wird. Dieselbe liegt in unserem Falle offenbar bei etwa 5° C.

Jedenfalls gibt es hier, wie bei anderen Gährungsvorgängen, auch eine obere Temperaturgrenze, deren Höhe noch durch weitere Versuche erst festzustellen ist.

Wenn nun ein gewisses Minimum von Wärme vorhanden ist (etwa 6°), beginnt die Zersetzung des Zuckers, die Bildung der Säure und die Entwickelung von Wasserstoff und Kohlensäure langsam einzutreten, wird dann mit steigender Temperatur immer energischer und erreicht zwischen 30 und 40° die grösste Intensität. Ueber 40° hinaus wird der Process, soweit man nach Analogie mit anderen Gährungen schliessen darf, vermuthlich sehr rasch abnehmen.

Zum Verständniss des Ganzen muss hierbei aber unbedingt festgehalten werden, dass die verschiedenen Temperaturen weniger um ihrer selbstwillen die geschilderten Erscheinungen verursachen, als vielmehr deshalb, weil sie die unmittelbare Ursache der Gährung, d.h. die Rindenbakterien, in ihrer Lebensthätigkeit günstig bezieh. ungünstig beeinflussen.

Die Hauptergebnisse der vorstehenden Untersuchung lassen sich kurz in folgende Sätze zusammenfassen:

1) Die Bildung der Säure in den mit Fichtenrinde hergestellten Gerbebrühen beruht auf einem Gährungsprocess.

2) Als Gährungserreger wirkt eine die Fichtenrinde selbst bewohnende Bakterienart, der Bacillus corticalis.

3) Das Gährungsmaterial ist ein in der Fichtenrinde enthaltener zuckerartiger (Fehling'sche Lösung reducirender) Stoff.

4) Die gährende Substanz wird durch den Bacillus corticalis zerlegt in Säure, welche in der Flüssigkeit gelöst bleibt, und in ein Gemenge von viel Wasserstoff und wenig Kohlensäure, welche entweichen.

5) Das für die Gährung nothwendige Temperaturminimum liegt bei etwa 6° C., das Optimum zwischen 30 und 40°.

6) Das Licht übt eine beschleunigende Wirkung auf den Verlauf des Gährungsprocesses aus.

7) Der Bacillus corticalis vermag auch reine Zuckerarten (Traubenzucker, Rohrzucker, Milchzucker) zu zersetzen in ein Gemenge von wenig Kohlensäure mit viel Wasserstoff und eine in Wasser lösliche Säure, deren chemische Natur noch festzustellen ist.

Anhangsweise möge noch erwähnt werden, dass auch andere Gerbmaterialien ähnliche Gährungserscheinungen zeigen, wie die oben für die Fichtenrinde geschilderten. So z.B. entwickelte sich unter den gleichen Umständen wie oben während des Sauerwerdens der wässerigen Extracte ein mit schwach leuchtender Flamme brennbares Gas aus Eichenrinde, Mimosenrinde und Sumach. (Dagegen nicht aus Quebrachoholz und Myrobalanen.)

Höchst wahrscheinlich liegt diesen Gährungserscheinungen eine ähnliche oder dieselbe Ursache zu Grunde, wie denen der Fichtenrinde; die Bestätigung dieser Vermuthung muss indessen späteren Untersuchungen vorbehalten bleiben.

[Kleinere Mittheilungen.]

Zange zum Ausziehen grosser Nägel.

Die Erfindung betrifft eine sich selbsthätig schliessende Zange, mittels welcher grössere Nägel, hauptsächlich Schienennägel, in leichter Weise erfasst und mittels eines einzigen Ruckes ausgezogen werden können, ohne dass sich dieselben verkrümmen, daher solche Nägel ohne jede weitere Bearbeitung wieder verwendet werden können.

Diese Zange besteht aus einer mit einem Stiel versehenen festen Backe und einer unter Federdruck stehenden beweglichen Backe mit einem als Auflage auf dem Boden dienenden schwach gekrümmten Ansatz, welcher derart angeordnet ist, dass beim Aufsetzen der Zange behufs Erfassens des Nagelkopfes dieselbe sich selbsthätig schliesst, worauf durch ein Niederdrücken des Stieles ein Abwälzen des genannten Ansatzes auf dem Boden und hierdurch ein Ausziehen des Nagels in seiner Längsrichtung stattfindet.

Fig. 1 zeigt eine Seitenansicht der Zange, bei welcher der eine Deckring zum Theil weggebrochen ist. Fig. 2 stellt die