Text-Bild-Ansicht Band 291

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Durch das gleichzeitige Zusammenströmen von Luft durch das Ventil f und von Gas durch Ventil e, Absperrorgan d und die Ringöffnungen i kann nur ein vollkommen gemischtes Gemenge von Gas und Luft nach dem Arbeitscylinder gelangen. Bei zunehmender Umdrehungszahl wirkt ein Regulator auf das. Abschlussorgan d des Gases so ein, dass dasselbe während einer oder mehrerer Ansaugeperioden geschlossen bleibt. Während dieser Zeit tritt nur Luft durch den Kanal g und das Ventil c in den Arbeitscylinder ein, und es unterbleiben die Explosionen so lange, bis beim Abnehmen der Umdrehungszahl das vom Regulator wieder geöffnete Abschlussorgan Gas zu dem Luftstrom zuströmen lässt. Das Abschlussorgan d wird am vortheilhaftesten zwischen das Gasventil e und das Einströmventil c gesetzt, kann aber auch vor dem Ventil e in die Gaszuleitung eingeschaltet werden. Im Vorstehenden ist die Ventilanordnung in Verbindung mit einer im Viertakt arbeitenden Maschine beschrieben, wir behalten uns jedoch vor, dieselbe an im Zweitakt arbeitenden Maschinen in die Luft- und Gaszuleitung vor dem Mischungsquerschnitt einzuschalten.

Für solche Maschinen, deren Regulirung durch Aenderung der Füllung erfolgt, ist das Rückschlag- und Luftzulassventil von H. Ebbs in Magdeburg (* D. R. P. Nr. 70758 vom 17. Februar 1893) bestimmt. Bei einer solchen Regulirung wird sich bei nicht voller Füllung das im Cylinder befindliche Gemisch während des letzten Theiles des Saughubes bis unter den Atmosphären druck ausdehnen und während des ersten Theiles des Compressionshubes wird die Füllung erst wieder auf den Atmosphärendruck gebracht, ehe sie weiter comprimirt wird. Ein Arbeitsverlust tritt hierdurch nicht ein, da die zum Ausdehnen der Füllung während des Saughubes verbrauchte lebendige Kraft des Schwungrades diesem durch die saugende Wirkung des Kolbens während des ersten Theiles des Compressionshubes wieder zugeführt wird. Dagegen tritt ein Arbeitsverlust ein, wenn der Füllungsgrad so niedrig wird, dass die Spannung der Explosionsgase gegen Ende des Expansionshubes unter eine Atmosphäre sinkt, da dann die Gase saugend auf den Kolben wirken. Die Arbeit dieser saugenden Wirkung geht aber beim folgenden Auspuffhube verloren, weil sich durch das Oeffnen der Auslassventile die Spannung im Cylinder sofort mit der der Aussenluft ausgleicht. Diesen Arbeitsverlust, welcher sich, durch erhöhten Gas- oder Erdölverbrauch, namentlich beim Leerlauf des Motors bemerkbar macht, zu verhindern, ist der Zweck der patentirten Anordnung.

Dieselbe besteht darin, dass man den Cylinder mit der Aussenluft durch zwei Ventile verbindet, von denen das eine ein selbsthätiges Rückschlagventil ist, das sich nach innen öffnet, sobald der Druck im Cylinder unter den äusseren Druck sinkt, während das andere so gesteuert wird, dass es nur während des Expansionshubes geöffnet ist. In Folge dessen tritt nur während des letzteren Luft in den Cylinder, sobald die Spannung in diesem unter Atmosphärendruck sinkt.

Das Wesentliche der Erfindung ist, dass in dem den Cylinder mit der Aussenluft verbindenden Kanal, in welchem sich das nach innen öffnende Rückschlagventil a befindet, noch ein zweites durch eine Steuerung während des Expansionshubes offen gehaltenes, sonst aber geschlossenes Abschlussorgan befindet.

Zündvorrichtungen.

Ueber die Wirkung der Glühzünder macht E. Lieckfeld in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1893 * S. 1425, ausführliche Mittheilung. Er wendet sich zunächst gegen die landläufige Ansicht, zufolge welcher die Grenze des Vordringens der verdichteten Ladung in das Glührohr genau mit dessen Glühzone zusammenfallen müsse, um überhaupt eine sichere Zündung im todten Punkte herbeizuführen.

Diese Annahme, zu welcher man bei rein theoretischer Betrachtung vollkommen berechtigt scheint, erweist sich in der Praxis als nicht zutreffend. Die Glühzone kann vielmehr – normale Drehgeschwindigkeit des Motors vorausgesetzt – ohne Schaden von dem frischen Gemisch weit überschritten werden, ohne dass eine Vorzündung eintritt, ja sie muss sogar überschritten werden, wenn der Motor auf die Dauer betriebsfähig bleiben soll.

Eine Erklärung für diese scheinbar auffällige Erscheinung ergibt sich, wenn man die verhältnissmässig geringe Brenngeschwindigkeit des Gasmotorengemisches berücksichtigt. Bei normaler Drehgeschwindigkeit des Motors dringt nämlich das frische Gemisch mit grösserer Geschwindigkeit in das Glührohr, als sich die Verbrennung im Rohr nach rückwärts fortpflanzen kann; erst wenn der Kolben im todten Punkt angekommen ist, und das Gemisch nur noch mit geringer Geschwindigkeit in das Glührohr eindringt, ändert sich der Zustand; nun bekommt die Brenngeschwindigkeit des Gasgemisches die Oberhand, so dass sich die Zündung ohne irgend welches Zuthun im todten Punkte rechtzeitig der Ladung mittheilt. Hieraus geht hervor, dass man vor allen Dingen dafür zu sorgen hat, dass das frische Gemisch die Glühzone überschreite, alles andere macht sich dann von selbst. Nur beim Anlassen des Motors, wo seine Drehgeschwindigkeit sehr gering ist, bei welcher also das frische Gemisch die Glühzone mit geringerer Geschwindigkeit, als die Brenngeschwindigkeit, überschreitet, können Vorzündungen eintreten, doch sind auch diese, wie später gezeigt werden wird, leicht zu vermeiden.

Bei Anwendung der gesteuerten Glührohrzündung ist der Zündungsvorgang genau derselbe wie beim offenen Glührohr, nur ist die Möglichkeit gegeben, den Motor anlassen zu können, ohne dass mit Vorzündungen zu rechnen wäre.

Hat ein Gasmotor mit gesteuertem Glührohrzünder seine normale Geschwindigkeit erreicht, so kann unbeschadet des regelmässigen Ganges und der Kraftäusserung das Absperrorgan in geöffneter Stellung festgehalten werden, wovon man sich dort, wo der Versuch ausführbar ist, jederzeit sofort überzeugen kann. Das ist wohl der beste Beweis für die selbsthätige Wirkung eines jeden Glührohres, ob gesteuert oder nicht gesteuert. Eine Steuerung des Glührohrzünders hat nur dort einen Zweck, wo das Anlassen des Motors an und für sich schon erhebliche Kraftanstrengung fordert, wie das bei grösseren Maschinen oder Betrieben der Fall ist, bei denen der Widerstand späterer Arbeitsleistung schon beim Andrehen zu überwinden ist.

Aus der Wirkungsart des offenen Glührohres geht hervor, dass dieses auch bei verschiedenen Compressionsgraden sich selbst reguliren wird, wenn nur dafür gesorgt ist, dass das frische Gemisch die Glühzone auch bei der geringsten Compression immer noch wenigstens erreicht.