Text-Bild-Ansicht Band 291

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Eine sehr einfache Durchsinkung von nassem Kies mittels eines gusseisernen Ringschachtes ist Fig. 4 dargestellt.

Textabbildung Bd. 291, S. 266
Sehr schwierig bleibt das Durchsinken mächtiger Schwimmsandschichten, wenn diese Arbeit auch in den letzten 40 Jahren, besonders dank der Firma Haniel und Lueg, wesentliche Fortschritte gemacht hat. Das Verfahren charakterisirt sich dadurch, dass eine Folge von Senkcylindern, unter Gewinnung des Gebirges mittels Sackbohrer und verwandter Instrumente, durch Belastung oder Pressung niedergebracht werden, wobei ein innerer Cylinder von geringerer Weite folgt, sobald sich der nächst äussere nicht mehr ohne Gefahr der Beschädigung tiefer bringen lässt. Das Bohrverfahren nebst Aufbau der Cylinderringe – Tubbings – schliesst nicht aus, dass man nach Möglichkeit von der Sohle aus mit Handarbeit Ringe segmentweise unterbaut. Man beginnt die Arbeit meist mit Einbau einer Fundamentmauer von 10 m lichter Weite für die Tagesanlagen, senkt dann eine 8 bis 9 m weite Senkmauer mit gusseisernem Senkschuh und eiserner Verankerung ein und lässt dann gusseiserne Cylinder, mit etwa 7 m lichter Weite beginnend und um je 0,5 m Weite abnehmend, nach Bedarf folgen.

Das wichtigste hierbei übliche Bohrgeräth ist folgendes:

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Der Handsackbohrer (Fig. 5) wird an schmiedeeisernem Rohrgestänge von 50 mm Durchmesser von je zwei Mann gedreht. Oft werden drei dieser Instrumente von einer Bühne aus betrieben.

Der grosse Sackbohrer (Fig. 6) von 4 m Durchmesser und darüber wird stets maschinell, und zwar an dem Hohlgestänge (Fig. 7) gedreht. Dieses besteht aus eisernen Rundblechen von etwa 40 cm lichter Weite, 8 mm Wandstärke, in etwa 10 m langen Sätzen bezieh. kürzeren Verlängerungsstücken. Die Theile sind alle 1 bis 1,5 m übergreifend vernietet a, während die Sätze unter sich noch mit eisernen Muffen b nebst durchgesteckten gusstählernen Kreuzkeilen c befestigt werden. Die angenieteten Winkeleisen d dienen zum Handhaben.

Das Erweiterungsinstrument (Fig. 8) kommt an demselben Gestänge zur Verwendung, wenn unter dem Senkschuh festes Gebirge zu unterschneiden ist.

Der Greifapparat des Priestmann'schen Baggers wird neuerdings zum Aufholen des weichen Gebirges mit grossem Vortheil an Stelle des Sackbohrers angewendet, wo Thonklumpen im Sande, Kreidemergelblöcke u.a. den Gebrauch der Säcke erschweren oder ausschliessen. Die geöffneten Stahlrechen dringen durch ihr Gewicht sicher in weiche Gebirgsmassen ein und greifen beim Anheben etwa 1 cbm Material.

Die Drehvorrichtung (Fig. 9) befindet sich auf dem Bohrwagen a, der auf Schienen b von 5 m Gleisbreite auf der Hängebank c gerollt wird. Die Schiebeluken d für Durchlass des Bohrgeräthes laufen auf den Schienen e. Das Bohrgestänge f ist oben mit der Königsstange g verbunden, die unten rund, im oberen etwa 2 m langen Theil quadratisch ist. Oben hängt sie am Wirbel h. Der Bohrwagen trägt die Hülse i, in welcher sich das Zahnrad k mit dem Kopfe l dreht. In das Zahnrad greift die Schnecke m, auf deren Achse die Treibscheibe n, die durch Riemenverbindung ihre Drehung von einer Locomobile her erhält.

Die Kabelmaschine, für welche oft bei Förderschächten die später erforderliche Fördermaschine zur Verwendung kommt, hebt und senkt nicht allein das Bohrgeräth, soweit es dem Bohrfortschritt entspricht, sondern lässt es auch aus und ein. Bei Verlängerung und Verkürzung des Bohrgestänges wird der im Schacht befindliche Theil mit einem der Winkeleisen über den Schiebeluken d eingehängt.

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Die Cuvelage, die naturgemäss mit dem Bohren Hand in Hand gehen muss, geschieht je nach Umständen durch Aufbau oder durch Unterbau von Ringen, die aus abgepassten Segmenten, etwa 10 bis 12, zusammengeschraubt und in allen Fugen mittels Bleistreifen oder Pitch-pine-Brettchen gedichtet werden.

Ein Aufbausegment (Fig. 10) hat meist bei etwa 60 mm Wandstärke 1 bis 1,5 m Höhe, zwei Flanschen a und zwei Verstärkungsrippen b. nebst einer Anzahl für die Horizontal- und Verticalverbindung abgepassten Schraubenlöchern c.

Der Senkschuh a (Fig. 11) bildet stets den Fuss eines Eisencylinders. Nach oben schliessen sich Aufbauringe b nach Fig. 10 an. Soll zum Unterbau von Segmentringen übergegangen werden, so ist der Anschluss eines Anschlussringes c unter dem Senkschuh als Uebergang zum Unterhängecylinder erforderlich. Die Kanäle d dienen zum Einfüllen von Cement, der sich hier nicht, wie bei Aufbaucylindern, stets von oben aus nachfüllen lässt. Der Anguss e soll dem ganzen Cylinder einen besseren Halt an den Schachtstössen geben. Zu noch grösserem Halt wird je nach Beschaffenheit des Gebirges in grösseren oder geringeren Abständen ein Keilkranz in Segmenten a (Fig. 12) eingefügt. Ein Unterhänge-Tubbing b (Fig. 12) von nur 40 cm Höhe kommt in wenig standfestem Gebirge in Gebrauch, während man in festerem. Gestein auch Tubbings von 60 oder 100 cm Höhe mit entsprechenden Verstärkungsrippen unterhängt.

Der Anschluss der Sohle an das feste Gebirge muss stets durch sehr sorgfältige Cementirung und Pikotage hergestellt werden.

Die ersten beiden bedeutenden Senkschächte, die von der Firma Haniel und Lueg auf Zeche Rheinpreussen 1857 bis