Text-Bild-Ansicht Band 291

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1878 durch 100 m mächtige Schwimmsandschichten niedergebracht sind, haben bei 20jähriger Arbeitszeit 6 Millionen Mark zusammen gekostet und sind schliesslich mit nur 2,86 m lichter Weite zum festen Steinkohlengebirge gelangt, während in neuerer Zeit (1888 bis 1892) zwei unter ähnlichen Verhältnissen auf Zeche Deutscher Kaiser abgebohrte Senkschächte in je 3jähriger Arbeit für je ¾ Millionen Mark noch mit Endweiten von 5 m bezieh. 5,5 m zum festen Anschluss gebracht sind.

Textabbildung Bd. 291, S. 267
Die von Robert J. Harris in New York erfundene Methode zur Erhärtung und Durchbohrung von Schwimmsandschichten ist 1892 zuerst mit Erfolg in Providence, Rhode Island, bei der Kanalisirung der Stadt angewendet worden.

Die Erfindung von Harris beruht auf folgender Erwägung: Bringt man in den Schwimmsand zwei Röhren in massiger Entfernung von einander ein und presst Wasser durch die eine Röhre nieder, so wird Sand aufgespült, der auf dem Wege des geringsten Widerstandes, also durch die zweite Röhre ausweicht. Das Ausweichen von Sand findet so lange statt, bis eine hinreichend grosse Höhlung ausgespült ist, deren Wände durch den Wasserdruck festgehalten werden. Presst man nun statt des Wassers Cement durch die erste Röhre, so lässt sich der Schwimmsand zu steinartigen Massen verdichten.

Je nach dem Material des schwimmenden Gebirges lassen sich andere Stoffe zur Verdichtung einfüllen; so würde sich z.B. bei Schlamm besser Sand und Mörtel eignen.

Textabbildung Bd. 291, S. 267
Es erinnert dieser Gedanke an den amerikanischen Vorschlag1), beim Tieflochbohren innerhalb einer niederzusenkenden Bohrröhre den zähen Bohrschlamm so langsam durch Spülwasserdruck in der Spülröhre hinab- und an der Aussenwand zwischen der Rohr wand und der Bohrlochswand hinaufzudrücken, dass derselbe dort haften bleibt und sich zu einer festen Wand verdichtet. Auch dabei können dem Bohrschlamm, je nach Umständen, verschiedene Stoffe, wie Kies, Sägemehl, Kalk, Cement, Samen, Häcksel u.s.w., zugesetzt werden, um die Verdichtung der Aussenwand zu sichern.

Textabbildung Bd. 291, S. 267
Textabbildung Bd. 291, S. 267
Es handelte sich in Providence darum, die Hauptröhren der städtischen Kanalisirung in den Schwimmsand, der die ganze Stadt umgibt, einzubringen, welche Arbeit bisher auf keiner Weise hatte gelingen wollen. Harris führte auf der Schachtsohle, die dicht über dem zu kanalisirenden Schwimmsande stand, in diesen vier Röhren von 5 cm lichter Weite, im Abstand von 1,20 m unter einander, 5,20 m tief von der Bohrsohle ab, d.h. noch 0,30 m unter die Sohle des zu bohrenden Kanals.

Nachdem eine Wassercirculation zwischen den Röhren hergestellt war, wurden engere Röhren eingeführt und durch diese Cement eingepresst. Nachdem diese Cementirung 3 Wochen lang fortgesetzt war, erwies sich der Schwimmsand an der Arbeitsstelle zu einer bearbeitbaren Gebirgsmasse mit Cementschichten erhärtet.

Fig. 13 stellt die Erhärtung einer Sohle dar, während Fig. 14 zeigt, wie auch durch Lüftung der Röhren um 0,60 bis 0,30 m die Herstellung von senkrechten Wänden erreicht werden kann.

Bei allen Tiefbohrungen im wasserführenden Gebirge, sowohl bei Schachtbohrungen wie bei Lochbohrungen, wird man stets darauf achten müssen, dass kein Wasserauftrieb ausserhalb der Verrohrung Tagesbrüche zur Folge hat. Bei Schachtbohrungen wird dem meist durch die eingeschachtelten Senkcylinder mit zwischengefüllter Cementirung vorgebeugt. Aehnlich lässt sich auch bei artesischen Brunnenbohrungen verfahren, wie das Beispiel des artesischen Brunnens von Bourne, Lincolnshire in England (Fig. 15), zeigt. Der 40 m tiefe Brunnen von 32,5 cm lichter Weite war zunächst auf 22,26 m Tiefe durch ein eng an die Bohrlochwand anschliessendes Rohr a geschützt. Dies umgab ein wenig weiteres Rohr b bis 9,76 m Tiefe,

1)

Tecklenburg, Tiefbohrkunde, Bd. 5 S. 80.

D. p. J. 1889 271 299.