Text-Bild-Ansicht Band 291

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während ein 55 ein weites Rohr c den oberen Theil auf 3 in Tiefe einschloss. Beide Zwischenräume wurden mit Cement ausgefüllt. Ausserdem schützte noch der 1,8 m hohe und 1,8 m im Lichten weite Mauerschacht d den Brunnenmund.

Dieser Brunnen von Bourne galt bis vor Kurzem mit täglicher Wasserlieferung von 2 592 000 Gallonen als der ergiebigste artesische Brunnen der Welt, bis ihm neuerdings dieser Ruhm durch den für die Schwimmanstalt bei Fort Worth, Texas, erbohrten artesischen Brunnen, der mit 320,86 m Tiefe und 25 cm oberer, sowie 12,5 cm unterer Weite jede Minute 600 Gallonen Wasser liefern soll, streitig gemacht worden ist.

Der genannte englische Brunnen ist von der Firma Isler and Co. in London hergestellt. Die dazu benutzte Bohrmaschine zeigt Fig. 16. Dieser hier als Diamantbohrmaschine dargestellte Mechanismus hat auch die Einrichtung, um vorkommenden Falles je nach der Gebirgsbeschaffenheit auch stossend mit einem Meisselbohrer arbeiten zu können. Der fahrbare Apparat wird durch Riemenübertragung von einer gleichfalls fahrbaren Dampflocomobile betrieben. Diese Transporteinrichtungen erleichtern die Benutzung auch in unwegsamen Gegenden. Eine solche Maschine ist daher z.B. neuerdings einer Bergwerksgesellschaft nach Chili gesandt, woselbst sie 400 m tief bohren soll.

Textabbildung Bd. 291, S. 268
Eine zweite artesische Brunnenbohrung ist von Isler and Co. bei Keighley in England zu industriellen Zwecken ausgeführt. Dieser Brunnen ist 75 m tief, der festen Gebirgsbeschaffenheit wegen nur in den oberen 30 m, und zwar 18 m von Tage mit 25 cm weiten und ferner 12 m mit 12,5 cm weiten Rohren bekleidet, und sprudelt 15000 Gallonen stündlich 12 m hoch über die Erdoberfläche.

Das Uebersprudeln von Wasser ist mit keinerlei Gefahr verbunden, solange kein Sand oder sonstiges Gebirge mit ausgeworfen wird. Ist letzteres der Fall, so entstehen leicht unterirdische Aushöhlungen und Katastrophen wie in Schneidemühl. Es ist dem meist leicht vorzubeugen, indem man die Brunnenverrohrung über Tage so hoch verlängert, bis der aufsteigende Wasserstrom die schwereren festen Materien nicht mehr heben kann, was gar keine bedeutende Erhöhung ergeben wird. Fehlerhaft ist es meist, gefährliche Brunnen zustopfen zu wollen, da sich dann das unelastische Wasser erst recht Bahn brechen wird, wobei starke Verwüstungen angerichtet werden können.

In England wird ausser zur Gewinnung von Trinkwasser auch zu der von Soole im grossen Maasstabe die Tiefbohrung zu Hilfe genommen. Man rechnet, dass von den etwa 2 Millionen Tonnen Kochsalz, die England jährlich producirt, nur 10 Proc. bergmännisch als Steinsalz abgebaut, dagegen 90 Proc. als Soole aus Tiefbohrlöchern gehoben werden. Es kommen besonders zwei Salzdistricte in Betracht, der eine von Cheshire, nicht weit von Liverpool, der andere von Middlesborough an der Tees-Mündung. Die erste Lagerstätte ist bereits seit der Römerzeit bekannt, die zweite erst 1859 bis 1862 gelegentlich einer Brunnenbohrung auf 360 m Tiefe in 30 m Mächtigkeit entdeckt. Ein wesentlicher Unterschied in der Gewinnung der Soole an beiden Stellen besteht darin, dass in Cheshire unterirdische Ansammlungen natürlicher Soole bestehen, die vorsichtig mit Strecken angefahren, zuletzt aber angebohrt und abgepumpt werden, während man zu Middlesborough künstliche Soole im Erdinneren erzeugen und von dort zu Tage heben muss. Middlesborough würde mit Cheshire nicht concurriren können, wenn nicht am ersteren Orte die zum Eindampfen des Steinsalzes erforderliche Steinkohle in nächster Nähe lagerte. Zum Tiefbohrverfahren hat man sich erst 1881 entschlossen, nachdem schon bald nach der Entdeckung der Versuch, das Salzlager mittels eines Abteufschachtes zu gewinnen, wegen zu grossen Wasserzudranges aufgegeben war. Die ersten Bohrungen fanden mit Diamantbohrung statt, seit 1886 ist man aber zu der für die dortigen Gebirgsverhältnisse zweckmässigeren pennsylvanischen Seilbohrmethode übergegangen. Die Bohrlöcher erhalten eine doppelte Verrohrung. Die Futterrohre der Wandung, oben meist 20 cm, unten an der Bohrsohle nur 14 cm weit, lassen oben in den Sandsteinschichten durch Perforationen süsses Wasser ein und unten gleichfalls durch Löcher nach dem Salzlager aus. Nach Sättigung des Wassers mit 26,5 Proc. Salz wird dann die künstliche Soole mittels eines inneren Pumpenrohres von 8 bis 10 cm lichter Weite zu Tage gepumpt, wobei der ehemalige Bohrschwengel als Pumpenschwengel dient.

Textabbildung Bd. 291, S. 268

Nach den bisherigen Bohrungen schätzt man die Ausdehnung des Salzlagers von Middlesborough auf etwa 20 englische Quadratmeilen mit etwa 100 Millionen Tonnen Salzgehalt auf jede Quadratmeile.

(Schluss folgt.)