Text-Bild-Ansicht Band 291

Bild:
<< vorherige Seite

welches abwechselnd rechts und links jedesmal eine gewisse Menge Kohlen auf die darunter liegende Platte fallen lässt, über welche die Schaufel hinwegstreicht.

Die Anspannung der Feder, welche die Schaufel vorschnellt, wird durch eine mit Knaggen versehene Scheibe bewirkt, welche durch eine Zahnradübersetzung von der Antriebwelle aus in Umdrehung versetzt wird. Die Feder schnellt die Schaufel nach dem Passiren der einzelnen Knaggenpunkte in die senkrechte Stellung zurück, wobei die auf der Platte befindliche Kohle auf den Rost geworfen wird.

Durch die verschieden hohen Knaggen, mit denen die Scheibe versehen ist, wird die Feder bald schwächer, bald stärker angespannt; dadurch wird die Wurfweite veränderlich gemacht, was erforderlich ist, um den ganzen Rost gleichmässig mit Kohle bewerfen zu können. In der Regel ist die Scheibe mit drei verschieden hohen Knaggen versehen, welche nach einander zur Wirkung gelangen. Die Feder befindet sich ausserhalb des Kastens und kann durch eine Flügelmutter nach Bedarf angespannt werden.

Die Ingangsetzung der beweglichen Theile des Apparates geschieht durch eine unmittelbar davor gelagerte kleine Antriebswelle, welche von irgend einer Stelle aus in Bewegung gesetzt werden kann.

Um den Apparat bei wechselnder Dampferzeugung bald schneller, bald langsamer laufen lassen zu können, ist die Antriebswelle mit einer Stufenscheibe versehen; durch ein einfaches Verschieben des Riemens oder der Schnur kann somit die beabsichtigte Geschwindigkeitsänderung bequem erreicht werden.

Unterhalb der zur Aufnahme der Kohle dienenden Platte befindet sich eine für gewöhnlich durch eine Klappe geschlossen gehaltene Oeffnung von ausreichender Grösse, durch welche die Entfernung der Schlacke vom Rost ermöglicht wird, zugleich aber auch die Rostbeschickung mit der Hand bewirkt werden kann, wenn der Apparat einmal versagen sollte.

Schliesslich erübrigt noch zu bemerken, dass der Vertheilungskasten, sowie die Kohlenplatte durch Klappen zugänglich gemacht sind, so dass etwaige Verstopfungen während des Betriebes gleich beseitigt werden können.

Die Versuche, welche an einer mit diesem Apparate ausgerüsteten Kesselanlage gemacht worden sind, haben Folgendes ergeben:

Der Versuchskessel ist ein Zweiflammrohrkessel mit Quersiedern, er hat Planrostinnenfeuerung und folgende Hauptabmessungen:

Länge des Kessels 9,100 m
Durchmesser des Kesselmantels 2,300 m
der Flammrohre 0,900 m

Die Flammrohre sind mit je fünf Quersiedern versehen Und verengen sich im letzten Schusse auf 0,760 m Weite.

Es beträgt die Heizfläche des Kessels 96,76 qm
Rostfläche 3,30 qm

Er dient im Verein mit einem daneben liegenden Zweiflammrohrkessel von annähernd gleicher Grösse zum Betriebe einer 400pferdigen Verbundmaschine mit Condensation.

Beide Kessel waren einige Tage vor den Versuchen innen wie aussen gründlich gereinigt worden. Das Speisewasser durchlief vor seinem Eintritt in den Versuchskessel einen Vorwärmer, welcher in dem gemeinschaftlichen Fuchs aufgestellt ist. Als Brennmaterial diente bei allen Versuchen oberschlesische Kleinkohle. Kohle und Wasser wurden gewogen und alle Beobachtungen in wiederkehrenden kurzen Zwischenräumen aufnotirt. Die Ergebnisse dieser Ermittelungen sind in nachstehender Zusammenstellung enthalten.

An den beiden ersten Versuchstagen wurde der Versuchskessel massig stark betrieben, und zwar erfolgte am ersten Versuchstage die Beschickung des Rostes durch den Apparat, am zweiten dagegen durch den Oberheizer der Fabrik.

Ein Vergleich der Ergebnisse dieser beiden ersten Versuchstage zeigt, dass bei fast gleicher Beanspruchung des Kessels die Verdampfung für 1 k Kohle nur sehr wenig verschieden ist. Die Verbrennung der Kohle an sich war an beiden Tagen sehr günstig und die Verdampfung ging über das normale Maass hinaus. Der geringe Unterschied in der Verdampfung bei Anwendung des Apparates gegenüber der Handbeschickung wird erklärlich, wenn man berücksichtigt, dass die Bedienung des Rostes durch einen älteren, erfahrenen Heizer mit Aufwendung grösster Aufmerksamkeit erfolgte, ein Umstand, der für gewöhnlich nicht zutrifft.

Um die Leistungsfähigkeit des Apparates bei stärkster Beanspruchung des Kessels beurtheilen zu können, wurde am dritten Versuchstage die 400pferdige Maschine durch den mit dem Apparate versehenen Versuchskessel allein betrieben. Die Leistung des Kessels stieg auf 34,75 k Dampf in der Stunde für 1 qm Heizfläche, wobei auf 1 qm Rostfläche in der Stunde 116 k Kohle verbrannt wurde. Trotz dieser hohen Beanspruchung verdampfte 1 k Kohle noch 8,78 k Wasser, was als ein recht günstiges Ergebniss bezeichnet werden muss; der Dampfdruck konnte dabei ohne Mühe auf normaler Höhe erhalten werden, und haben wir die Ueberzeugung gewonnen, dass die Grenze der Leistungsfähigkeit des Apparates noch nicht erreicht worden ist.

Zusammenstellung der Versuchsergebnisse.

I
27. 1. 92
mit
Apparat
II
28. 1. 92
ohne
Apparat
III
29. 1. 92
mit
Apparat
Dauer des Versuches in Stunden 7 7 7
Kohlenverbrauch im Ganzen in
Kilo

1790

1730

2680
Kohlenverbrauch in 1 Stunde
und 1 qm Rostfläche in Kilo

77,5

74,9

116
Speisewasserverbrauch im Gan-
zen in Kilo

15360

14730

23540
Speisewasserverbrauch in 1 Std.
und 1 qm Heizfläche in Kilo

22,68

21,73

34,75
Temperatur
des Speise
wassers in
Grad C.

im Maassgefäss
hint. Ekonomiser

2
85

2
82

1,5
82
Dampfspannung im Kessel in
Atmosphären

5,8

5,8

5,7
Verdampfung auf 1 k Kohle in
Kilo

8,58

8,51

8,78
Desgl. auf Speisewasser von
0° C. und Dampf von 100° C.
berechnet in Kilo


7,7


7,68


7,92
Heizgase, Gehalt an Kohlen-
säure in Vol.-Proc.

9,3

8,3

9,00
Heizgase, Temperatur im Fuchs
in Grad C.

220

237

252
Zugstärke am Rauchschieber
gemessen in Millimetern
Wassersäule


5


3


10
Rückstände an Schlacken und
Asche in Kilo



248
Desgl. in Procent des Kohlen-
verbrauches



9,25