Text-Bild-Ansicht Band 286

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Ausführungen durch den Pressbalken i, welcher bei dem Niedergang des Messers nach Freigabe des Hebels l sinkt und beim Aufgang des Messers durch den Hebel l angehoben wird. Die geschnittenen Bogen werden selbsthätig auf den stellbaren Tisch m abgelegt. Dies bewirken die Führungsbänder r, welche über Rollen o und Walzen p1pq endlos gelegt sind und durch den Schnurtrieb nn1 angetrieben werden, dessen Geschwindigkeit so zu regeln ist, dass das Papier etwas rascher ab- als zugeleitet wird, damit es während des Schnittes straff gespannt ist. Die Anordnung der Glättstange s mit Holzfeder F, Schubstangenkurbeltrieb ist bekannt bis auf die mögliche Ausrückung derselben. Dieselbe kann bequem vom Fusstritte z aus geschehen, indem dieser durch die Stange y, Hebel x, w mit der Stange v verbunden ist. Tritt man abwärts auf z, so geht v in die Höhe, erfasst die Rolle u, welche auf der Stange s angebracht ist, und drückt auch diese aufwärts, so dass der Glättstein c die Papierbahn verlässt.

Eine einfache und doch sinnreiche Einrichtung finden wir bei der Schneidmaschine von G. L. Geisler in Chatelles im englischen Patent Nr. 12573. Nach den Industries werden die Bogen durch Drehmesser E abgeschnitten (Fig. 46, 47 und 48). Die Drehmesser sind schraubenförmig gekrümmt, so dass also nicht alle Punkte der Messerschneide gleichzeitig auf die sich fortwährend bewegende Papierbahn treffen (Fig. 47 bei EF). Die Bahn würde also ohne besondere Vorkehrung nicht senkrecht zu den Rändern, sondern, wie in Fig. 46 bei GI angedeutet, schief durchtrennt werden. Denken wir uns die Bahn an der Seite bei I zurückgehalten, bis der G senkrecht gegenüberliegende Punkt H an die Stelle von I dann gelangt, wenn das Messer die Bahn bei I, jetzt H, zu schneiden beginnt und dies im entsprechenden Verhältniss durch die ganze Bahnbreite gemacht, so werden wir einen zu den Rändern senkrechten Schnitt erhalten. Dies geschieht einfach, indem vor das feste Messer F eine Streifschiene L aufgesetzt wird (Fig. 48), welche unter I (Fig. 46) die grösste Höhe, unter G die kleinste erhält. Damit haben wir erreicht, dass die Bahn auf der Seite I (Fig. 46) einen grösseren Weg als auf der anderen Seite machen muss, also gleichsam zurückgehalten wird, was nach der obigen Auseinandersetzung geschehen sollte.

Textabbildung Bd. 286, S. 54
Eine interessante Vorrichtung zum Schmal- und Schrägschneiden haben Friedrich Müller Söhne in Elberfeld durch D. R. P. Nr. 55423 patentirt erhalten. Beim Beschneiden von Stössen ist ein Anschlag, an welchen sich das Papier lehnt, nothwendig. Werden die zu schneidenden Streifen schmäler als der Pressbalken, so wird der Anschlag hinderlich. Dieser wird deshalb in solchen Fällen gewöhnlich federnd hergestellt, dass er unter dem Druck des Pressbalkens nachgeben kann. Bei der Müller'schen Construction ist man dem aber durch eine besondere Form des Anschlags und des Pressbalkens ausgewichen. In Fig. 49 sehen wir den Anschlag H als ungleichschenkeliges U-Eisen ausgeführt, während der Pressbalken F einen Theil L angeschraubt erhält, welcher beim Niedergang den Anschlag H seitlich umfasst. Es hängt also die Breite der Streifen nur von der Dicke des pressenden Theiles von L ab und diese Dicke kann, wie aus der Figur sofort zu ersehen ist, innerhalb weiter Grenzen beliebig klein gemacht werden. An H kann ein mit beliebig schief gestellten Anschlägen versehener Theil geschraubt werden, so dass z.B. Ecken beliebig schief abgekantet werden können.

Textabbildung Bd. 286, S. 54
Andere für Beschneidmaschinen und Pappenscheren verliehene Patente betreffen unwesentlichere Anordnungen, deren Nützlichkeit für den praktischen Gebrauch mir theilweise fraglich erscheint. Hinweisen möchte ich auf die Maschine von Karl Krause in Leipzig (D. R. P. Nr. 53245), welche mit nur einer Einpressung drei, allenfalls vier Seiten eines Stoffes zu beschneiden gestattet und für diesen Zweck als entschieden sehr verwickelt bezeichnet werden mag. Dagegen ist eine Schutzvorrichtung bei Krause'schen Beschneidmaschinen hübsch und einfach erdacht. Nach D. R. P. Nr. 54606 senkt sich, dem Messerbalken voreilend, ein Schutzgitter herab. Letzteres ist lothrecht geführt und hat an der Führungsstange eine Rolle, welche auf einer entsprechend gekrümmten Schiene am Messerbalken läuft.

Ueber Pappenritzmaschinen sei hier einiges angeschlossen. Karl Krause in Leipzig-Crottendorf hat im D. R. P. Nr. 54793 ein eigenthümliches Hobelmesser geschützt erhalten, welches mir für das Ritzen von Pappen ganz vorzüglich geeignet erscheint und die bezügliche Arbeit gut und rasch verrichten dürfte. Das Messer ist ein elliptischer Hohlcylinder, welcher im Meisselhalter jeder Pappenritzmaschine befestigt werden kann. Zugeschärft werden die Scheitel der grossen Achse, so dass vier Schneiden erhalten werden. Mit diesem Werkzeug wird ganz so wie beim Hobeln verfahren, der Span tritt durch die Höhlung des Cylinders aus. Damit er in dieser sicherer geleitet und auch das Werkzeug versteift werde, ist bei der kleinen Achse ein Steg eingefügt. Die Pappe wird dabei sehr schonend behandelt, so dass beim Umbiegen der Pappe dieselbe nicht leicht einreissen dürfte. – Einige Verwandtschaft mit diesem hat ein pflugscharartiges Hobelmesser nach D. R. P. Nr. 52529 an E. Salzkorn und L. Nicolai in Dresden.

So einfach und praktisch die eben erklärte Vorrichtung ist, so verwickelt ist die einem schliesslich so überaus einfachen Arbeitsvorgange dienende Pappenritzmaschine von Ladislaus Grumm in Fünfhaus bei Wien (D. R. P. Nr. 55943). Bei dieser sind wie bei bekannten Ausführungen Kreismesser und Hobelmesser angewendet. Um diese Arbeit aber sehr genau zu verrichten, sind Schraubenstellungen so feiner Natur vorgesehen, dass sie mir hier durchaus nicht am richtigen Platze erscheinen. Möglichst einfach und doch gut scheint mir hier vielleicht mehr als anderswo für gute Arbeit bei nicht besonders geschultem