Text-Bild-Ansicht Band 286

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auf den Theilstrich an. Die Dehnung wird durch die relative Verschiebung der beiden Klemmen J und M mittels der Zahnstange e und Hebel K auf der Scala L gemessen, und zwar in Millimeter direct oder in Procenten für die übliche Länge des Probestreifens mit 180 mm. Bei der Untersuchung des Apparates zeigten sich die unvermeidlichen Fehler als sehr gering.

Textabbildung Bd. 286, S. 156
Textabbildung Bd. 286, S. 156
Eine neue Prüfungsmethode für die Leimfestigkeit von Papieren haben O. Schluttig und Dr. G. S. Neumann angegeben. Diese Prüfungsmethode ist recht einfach und wird in folgender Weise ausgeführt. Man spannt das zu untersuchende Papier auf ein geneigtes Brett und lässt von der Mitte des Blattes aus durch ein Röhrchen eine bestimmte Menge einprocentiger Eisenchloridlösung gegen den unteren Rand herabrieseln. Man kann etwa drei solcher Streifen in etwa 1 cm Entfernung verursachen: a, b und c, Fig. 75. Die Eisenchloridmenge, welche auf dem Streifen verbleibt, ist nicht allerorten gleich dicht, sondern nimmt gegen den Rand specifisch zu, entsprechend dem Gesetze der Schwere. Weil aber für alle drei Streifen a, b, c derselbe Vorgang eingehalten wird, so wird auch bei gleichmässigem Papier die Lösung in allen drei Streifen dieselbe Vertheilung besitzen. Die Streifen werden weiter in der Mitte zu trocknen beginnen und am Rande am spätesten trocken werden, so dass gegen den Rand die Lösung am meisten Zeit hat, in das Papier einzudringen, oder bei nicht genügend leimfestem Papiere durchzuschlagen. Nach dem Trocknen der Eisenchloridstreifen wendet man das Blatt um und dreht es um 90°, so dass die früher geneigt gelegenen Streifen wagerecht liegen. Lässt man dann wieder von der Mitte gegen den Rand einprocentige Tanninlösung auf dem Papiere abwärts fliessen in Streifen 1, 2 und 3, welche also die auf der anderen Papierseite befindlichen rechtwinkelig kreuzen, so wird je nach der Leimfestigkeit entweder sofort; oder erst nach einiger Zeit, oder überhaupt gar nicht, bei den ausserordentlich leimfesten Papieren, eine schwarze, gerbsaure Eisenverbindung an den Kreuzungsstellen auftreten. Am ehesten wird dies dort geschehen, wo sowohl Eisenchlorid- als Tanninlösung am weitesten in das Papier eindringen konnten, also an demjenigen Kreuzungspunkte, welcher am weitesten von der Papiermitte entfernt liegt, und das ist offenbar: c, 3. Je nach der Stärke der Reaction, indem man insbesondere die Abstufungen für die einzelnen Kreuzungspunkte beobachtet, richtet sich die Entscheidung hinsichtlich der Leimfestigkeit des zu untersuchenden Papiers.

Für die Untersuchung des Fasermaterials, aus welchem Papier zusammengesetzt ist, wird in letzterer Zeit vielfach Prof. Höhnel's sogen. Papierschwefelsäure verwendet. Sie wird gebildet, wenn man 125 Th. Schwefelsäure von 1,85 spec. Gew. mit 15 bis 20 Th. Wasser mengt. Bringt man auf das geeignet präparirte (u.a. mit verdünnter Kalilauge gekochte) Papier einen Tropfen Jodlösung, entfernt den Ueberschuss und gibt dann einen Tropfen der Papierschwefelsäure hinzu, so zeigen sich für die verschiedenen Faserarten verschiedenartige Farbenreactionen. Wenn wir die wichtigsten Fasern herausgreifen, so finden wir: 1) Leinen, Hanf, Baumwolle rothviolett bis weinroth; 2) Holz- und Strohzellstoff wird grau bis graublau; 3) Holzschliff, überhaupt verholzte Fasern werden goldgelb bis dunkelgelb gefärbt. Insbesondere bei der mikroskopischen Untersuchung und bei der Abschätzung des procentischen Gehaltes an jedem Fasermateriale kann das Verfahren offenbar viele, gute Dienste leisten.

Zur quantitativen Bestimmung des Holzschliffes haben Rudolf Benedict und Max Bamberger in der Chemiker-Zeitung, 1891, einen neuen Weg vorgeschlagen. Sie fanden, dass Holz, mit Jodwasserstoffsäure gekocht, Methyljodid bildet. Weil nun reiner Zellstoff, sowie die Extractivstoffe des Holzes mit Wasser und Alkohol kein Methyljodid bilden, so schlössen sie, dass die Ursache der Bildung von Methyljodid nur in dem sogen. Lignin zu suchen sei, und bauten darauf eine neue Bestimmungsmethode auf. Dieselbe scheint viel für sich zu haben, weil sich zeigte, dass die verschiedenen Hölzer verschiedene Mengen von Methyljodid bei sonst gleichartiger Behandlung lieferten. – Dagegen empfiehlt W. Herzberg die Methode mittels Phloroglucin, allenfalls unter Zuhilfenahme des Mikroskopes.

Weil die bekannte Reaction mit Quecksilberchlorid bei dem Nachweis von thierischer Leimung sich als wenig empfindlich zeigt, wird von Dr. Rudolf Hefelmann in Leipzig eine Ammoniakreaction empfohlen. Dieselbe wird erzielt, wenn man den thierischen Leim auszieht, abscheidet und mit Natronkalk glüht. Geschieht dies in einem oben offenen Röhrchen, so kann man etwa durch befeuchtetes Lackmuspapier leicht das Ammoniak nachweisen.

Zur Prüfung des Trockengehaltes sind eine Reihe von Apparaten, z.B. von Friedr. Plaschke in Aschaffenburg, Max Kähler und Martini in Berlin und von Dr. O. Knöfler und Co. in Charlottenburg, angegeben worden, bei welchen durch ein Wasserbad erwärmte Luft die in einem Siebkörper befindliche Substanz trocknet. Es sei der Apparat von Friedr. Plaschke nach einer Zeichnung in der Zeitschrift für angewandte Chemie in Fig. 76 wiedergegeben. Wir sehen mehrere concentrische Mäntel, zwischen zwei derselben wird durch das Rohr F Wasser bis zur Höhe des Hahnes H eingefüllt. Man lässt dasselbe niemals bis unter den Hahn H1 sinken. Die Luft strömt von aussen, wie die Pfeile andeuten, zu und entfernt sich durch den Schlot K. Wenn der Apparat gebraucht wird, hebt man