Text-Bild-Ansicht Band 286

Bild:
<< vorherige Seite

den Deckel D ab, hängt den Siebcylinder S mit dem zu trocknenden Körper ein und schliesst wieder den Deckel. Hierauf kann auch das Thermometer T eingesenkt und der Apparat in Betrieb gesetzt werden. Der Knöfler-Kähler'sche Apparat ist auch gleich mit einer geeigneten Wage versehen, um die mechanische Thätigkeit noch weiter zu vereinfachen.

Textabbildung Bd. 286, S. 157
Es ist eine aus der Erfahrung folgende Thatsache, dass das Rütteln des Stoffes auf dem Langsieb von wesentlichstem Einfluss auf die Güte des Papiers ist. W. Schacht hat sich der mühevollen Aufgabe unterzogen, eine lange Reihe von Prüfungen in dieser Richtung zu veranstalten. Der Erfolg ist der, dass sich herausgestellt hat, dass für jede der in ihrer Verschiedenheit ins Unendliche gehenden Stoffmischungen eine ganz bestimmte Rüttelung, sowohl was Hub, als Hubzahl anbelangt, zur Erzielung des günstigsten Resultates anzunehmen ist. Weil nun der Praktiker während der Papierbildung auf dem Langsiebe am besten den Vorgang beobachten und daraus seine Schlusse ziehen kann, so wäre eine in jeder Richtung befriedigende Vorrichtung sehr wünschenswerth, welche die Verstellung des Hubes und der Hubzahl während des Ganges gestattet. Leider hat noch keine der bekannten Ausführungen dies Ziel zu erreichen vermocht.

Schon lange wurde ein Zusammenhang zwischen der Dicke des Papiers und der Reisslänge vermuthet. Zur Aufhellung des Dunkels, welches in dieser Richtung herrscht, wurden von Herzberg und dann auch von Dr. R. Lenz eingehendere Versuche gemacht. Schon Herzberg schloss aus verhältnissmässig wenigen Versuchen, allerdings noch zurückhaltend, dass bei sonst gleicher Beschaffenheit der Papiere, also insbesondere gleicher Stoffzusammensetzung, die Reisslänge mit der Dicke abnimmt, die Bruchdehnung jedoch zunimmt. Diese Resultate, wenigstens hinsichtlich der Reisslänge, sind durch die Versuche von Dr. Lenz vollständig bestätigt worden. In der That scheint mir auch diese Erscheinung dem Vorgange bei der Papierbildung entsprechend. Es ist nämlich leichter, dass gute Verfilzung bei dünnerer Papierbahn eintrete als bei dickerer, wo möglicher Weise die Verfilzung nur aussen gut stattfindet, im Inneren dagegen nicht. Es dürfte allerdings schwer sein, volle Sicherheit der Erklärung in dieser Richtung, bei den kleinen in Frage kommenden Dicken, zu erreichen. Doch bleibt das Versuchsresultat: Papiere bei sonst gleichen Eigenschaften haben für grösseres Gewicht kleinere Reisslänge. Anschliessen will ich, dass Versuche von Dr. Lenz einen eigentlich naheliegenden Schluss, dass grösserer Wassergehalt die Reisslänge herabbringe, bestätigen.

Ein interessanter Aufsatz über den Einfluss der verschiedenen Theile der Papiermaschine auf die Eigenschaften des Papiers findet sich im französischen Fachblatte La Papeterie. Die gewonnenen Hauptresultate wären etwa die folgenden: Das Papier hat schon hinter der Gautschpresse grössere Reisslänge in der Längsrichtung als in der Querrichtung, dagegen die Dehnung noch nahe gleich; weiterhin ergeben sich jedoch immer grössere Unterschiede für Längs- und Querrichtung. Diese Unterschiede erreichen ihren höchsten Werth beim Trocknen. Anderwärts werden auch merkliche Unterschiede in den Eigenschaften der Seiten und der Mitte der Papierbahn nachgewiesen.

Für die weitere Behandlung des Papiers, insbesondere für das Satiniren finden wir ausführliche Untersuchungen in der Papierzeitung, Jahr 1890, veröffentlicht. Sie bestätigen die bisherigen von mir schon seiner Zeit mitgetheilten Thatsachen. Doch konnte aus diesen Versuchen kein besonderer Vortheil der Plattenglättung gegenüber der Rollenkalandrirung erwiesen werden.

Eine interessante Frage ist die, wie Handpapier von Maschinenpapier unterschieden werden könne. Wenn das letztere mit hinreichender Sorgfalt hergestellt worden ist, so erscheint die Unterscheidung von Handpapier ausserordentlich schwierig. Nach Versuchen Herzberg's zeigen sich eine Reihe von Eigenschaften bei beiden Papiersorten ganz gleichartig. Nicht Verfilzung noch andere Umstände, wo man am leichtesten Unterschiede vermuthen möchte, lassen sicher eine Unterscheidung zu.

Von der Leipziger Papierprüfungsanstalt sind Versuche über die Haltbarkeit von Cellulosepapieren durchgeführt worden, welche sehr interessante Ergebnisse geliefert haben. Danach ist die Verschlechterung der hervorragenden Eigenschaften, Abnahme der Reisslänge z.B., keinesfalls als Regel anzusehen. Damit wäre die Vermuthung bestätigt, welche ich in einem früheren Berichte ausgesprochen habe, dass nämlich die damals gefundene Abnahme in der Güte von Cellulosepapieren nicht unumgänglich aus der stofflichen Zusammensetzung derselben folgen dürfte, sondern sehr wahrscheinlich durch die Unvollkommenheiten der Darstellung des Zellstoffes zu erklären sein wird. Heute, wo die Erfahrung zu mancher wesentlichen Vervollkommnung geführt hat, wo wirklich nahe tadelloses Material geliefert werden kann, ist das Misstrauen gegen Zellstoffpapiere kaum mehr gerechtfertigt; wenigstens ist es jetzt schon für viele Zwecke geeignet, für welche es seiner Zeit nicht empfohlen werden konnte.

Papierfabriksanlagen.

In der Papierzeitung, Jahr 1891, finden wir zwei Anlagen in Skizzen, deren eine, eine Sulfitzellstoff-Fabrik, nach System Mitscherlich eingerichtet ist.

Textabbildung Bd. 286, S. 157
Die in Fig. 77 dargestellte Anlage ist jene zu Fujigori in Japan. Holz- und Sulfitstoff werden in den Gebäuden A