Text-Bild-Ansicht Band 286

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und Entschlammungsapparates nach Dervaux, Grimme, Natalis und Co. oder Schröter zu bedienen (vgl. 274 * 112).

Besonders zahlreich kommen die Vorreinigungsverfahren in offenen Gefässen nach dem System Rossel, Schulze und Bayerischer Dampfkessel-Revisions-Verein vor, denen allgemein durchaus zufriedenstellende Resultate nachgerühmt werden.

Der Magdeburger-Verein hat für kleine Dampfkesselanlagen seinen Ingenieuren eine Anleitung in Wort und Bild zur billigen Einrichtung eines Gefässes auf dem Kessel gegeben, um durch dasselbe auch während des Betriebes die nöthigen Chemikalien zuführen zu können. Dasselbe besteht in einem Rohrstück von 50 mm lichtem Durchmesser und 500 mm Höhe, welches mit einem in die Kesselwand oben eingeschraubten Hahne durch Gewinde verbunden und oben durch eine Kopfschraube von 16 mm Stärke geschlossen ist. Will man dem Kessel die Chemikalien zuführen, so löst man dieselben in Wasser auf und giesst sie bei geschlossenem Hahn in das beschriebene Rohrstück von oben durch die 16 mm weite Verschraubungsöffnung hinein. Nach Verschluss dieser und Oeffnen des Hahnes gelangt der Inhalt nach und nach in den Kessel.

Diese Einrichtung ist dort, wo die Weichmachung im Kessel selbst geschehen soll, vollkommen am Platze.

Klagen darüber, dass die Kesselgarnitur und die Kappenverschlüsse bei Wasserrohrkesseln nicht dicht zu halten seien, dass die Speiserohre sich zusetzen und dass das Kesselwasser leicht gesättigt wird, wenn bei der Vorreinigung nicht mit der nöthigen Achtsamkeit verfahren wird, hört man nicht selten. Ein Vorwurf, welcher den Vorreinigungsapparaten gemacht wird, ist der, dass sie sowohl in der Anschaffung als auch Unterhaltung zu theuer seien.

Die Controlirung der Verfahren auf ihr richtiges und wirksames Functioniren fand bei den offenen Gefässen vielfach durch Prüfung des gereinigten Wassers mittels rothen Lackmuspapiers, bei den Apparaten mittels Seifenlösung nach der Titrirmethode, vielfach allein auch nach der Menge der Ausscheidungen in den Filterpressen bezieh. Absatzgefässen und endlich in den allermeisten Fällen nur nach dem Kesselbefunde allein statt. Das Speisewasser aus den selbsthätigen Apparaten wurde vielfach von 2 bis 3° Härte gefunden.

Zur Benutzung gelangten harte und weiche, saure, alkalische und indifferente Speisewässer.

Den Eigenschaften des Speisewassers entsprechend ist die Zeitfolge der Kesselreinigung sehr verschieden, dieselbe erfolgt alle 14 Tage bis zu alle zwei Jahre; in Württemberg, mit dem härtesten Wasser und einer ausgedehnten Vorwasserreinigung, bei Tagesbetrieb zu 10 Stunden, alle 3 Monate, bei Tag- und Nachtarbeit alle 6 bis 8 Wochen.

Einzelne Kessel werden mit Vortheil innen mit einem Anstrich von entsäuertem Theer versehen, andere wieder mit Soda aasgekocht.

Die meisten der Verbandskessel werden zur inneren Reinigung unter geringem Dampfdruck ausgeblasen und entleert; die wenigsten werden nach vollkommener Abkühlung einfach leerlaufen gelassen.

Die Frage, ob Absetzenlassen oder aber Filtriren das Rationellere sei, ist entscheidend zu beantworten heute nicht möglich. Dagegen hält der Vortragende alle Vorreinigungsanlagen dort für überflüssig, wo das Wasser nur massig unrein, etwa nur bis reichlich zur Hälfte mit lösbaren Bestandtheilen gesättigt ist, und wo ausserdem die Kesselconstruction eine Ansammlung von Schlamm ohne Schaden für den Kessel gestattet; denn in diesen Fällen genügt völlig das billige und einfache Verfahren des Sodazusetzens zum Kesselwasser durch eine auf dem Kessel angebrachte geeignete Vorrichtung, weil eine hierzu etwa verwendete Speisepumpe leicht durch Verschlammung zeitweilig ausser Function kommen könnte.

Wir wollen nach dieser Uebersicht über weitere Vorschläge und Versuche berichten, die zur Lösung der wichtigen Frage angestellt worden sind.

Ein D. R. P. Nr. 55241 zur Entfernung des Kesselsteins wurde K. Schübler in Barmen ertheilt. Das Verfahren besteht darin, dass man den zu reinigenden Dampfkessel vor dem Ablassen des Betriebswassers mit einer flüssige Kohlensäure enthaltenden Flasche verbindet; die flüssige Kohlensäure verwandelt sich in gasförmige Kohlensäure, welche langsam in den Kessel, und zwar in das Wasser desselben ausströmt und dasselbe mit Kohlensäure sättigt. Es wirkt dann das mit Kohlensäure gesättigte Wasser auf den an den Kesselwänden angesetzten Kesselstein lösend ein, und zwar deshalb, weil durch die Zufuhr von unter hohem Druck stehender Kohlensäure auch das Wasser des Kessels unter einem entsprechenden Druck erhalten wird. Wenige Stunden der Einwirkung sollen genügen, um den Kesselstein mürb zu machen, so dass sich derselbe nach dem Ablassen des Wassers ohne Mühe in Form von Sand und Schlamm entfernen lässt.

Die Entfernung des Kesselsteins aus Vorwärmern, Abdampfapparaten und chemischen Apparaten erfolgt in derselben Weise.

Der Patentanspruch lautet auf die Verwendung von flüssiger Kohlensäure zur Entfernung des Kesselsteins aus Dampfkesseln und anderen Gefässen, indem man dieselbe in den Wasserraum, des Dampfkessels unter Druck einführt.

Das Verfahren ist nur anwendbar, wenn der Kesselstein aus Carbonaten besteht.

Nach einer Mittheilung der Thonindustrie-Zeitung sind in verschiedenen Staatswerkstätten Versuche angestellt worden, die Dampfkessel dadurch von Kesselstein zu reinigen, dass nach dem Ausspritzen des Kessels durch Wasser die inneren Wandungen mit Erdöl besprengt wurden. Die Versuche haben durchweg ein günstiges Resultat ergeben. Nach mehrmaliger Anwendung dieses Verfahrens hat sich sogar gezeigt, dass selbst mit sehr starker Kesselsteinschicht bedeckte Theile eine fast metallisch reine Oberfläche aufweisen. Der Grund hierfür ist wohl darin zu suchen, dass das in den Kessel eingeführte Erdöl die Poren des Kesselsteins durchdringt und bei der Erwärmung Dämpfe bildet, welche ein Abheben des Kesselsteins bewirken. Die Kosten sind unerheblich, da (je nach der Menge und der Beschaffenheit des Kesselsteins) jedesmal nicht mehr als 0,5 bis 2 k Erdöl erforderlich sind.

Die Reihe der sogen. empirischen Mittel gegen den Kesselstein, Kartoffeln, Eichenrinde, Syrup u. dgl. ist, wie Engineering and Mining Journal mittheilt, durch eine Eucalyptusart noch verlängert worden. Die Bombay- und Northwestern-Bahn in Indien soll ihren Locomotiven nach jeder Fahrt von 300 bis 450 engl. Meilen 12 Gallonen