Text-Bild-Ansicht Band 286

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einer Lösung, zu der sich besonders Eucalyptus globulosus als geeignet erwiesen hat, zusetzen.

Ueber Kerosinöl als Kesselsteinlösungsmittel hielt L. F. Lyne in der Versammlung amerikanischer Maschineningenieure in Philadelphia einen Vortrag. Das Kerosin wird dem Dampfkessel mit dem Speisewasser zugeführt, und zwar mittels eines kleinen Apparates, auf welchem der Oelbehälter angebracht ist. Der erste Versuch wurde mit einem stabilen Kessel angestellt, welcher bis zu ½ Zoll dicke Kesselsteinablagerungen aufwies. Nach dem Ablassen des Wassers wurden 2,25 l Kerosin eingeführt, der Kessel wieder mit Wasser gefüllt und in Dienst gestellt. Einen Monat hindurch fand jeden zweiten Tag eine Zuführung derselben Menge Kerosin statt. Nach Verlauf des ersten Monats ergab sich, dass der Kesselstein gelöst und gelockert war und leicht entfernt werden konnte. Die im oberen Theile des Kessels noch zurückgebliebenen harten Ablagerungen waren indess durch das Kerosin bereits sichtlich erweicht. Am Ende des dritten Monats fand man den Kessel inwendig vollkommen frei von Kesselstein; der abgelagerte Schlamm konnte leicht abgelassen werden. Nach weiteren drei Monaten fand man nach dem Ablassen des Wassers nur mehr geringfügige weiche Schmutzablagerungen im Kessel vor. Nun wurde regelmässig 1,12 l Oel täglich zugesetzt, jede Woche einmal das Wasser theilweise abgelassen und monatlich einmal der Kessel ganz entleert. Seit dieser Zeit erspart man das Auswaschen des Kessels vollständig, weil aller Schmutz vom abfliessenden Wasser mitgerissen wird. Die Röhren, Hähne und die Wasserstandsgläser sind seither von den Einwirkungen des schlechten Speisewassers vollkommen verschont. Man hat auch rohes Erdöl zu demselben Zwecke angewendet und bei genügender Vorsicht auch gute Resultate damit erzielt. Dagegen kamen viele Beschädigungen von Dampfkesseln dort vor, wo man zu viel Oel zusetzte. Man fand, dass dasselbe sich mit dem Schlamme zu einem festen Teige verbunden und Kesselschäden veranlasst hatte. Bei Anwendung von Kerosin kann dies nie vorkommen, weil es ausserordentlich leicht ist. Wo der Dampf in unmittelbare Berührung mit den Erzeugnissen der Industrie gebracht werden muss, ist dieses Verfahren selbstverständlich ausgeschlossen.

Von allen Mitteln hat sich wohl die caustische Soda am besten bewährt. Aber auch diese muss, wie die Zeitschrift der Kessel-Ueberwachungs-Vereine ausführt, mit Vorsicht verwendet werden, damit das zu viel Soda enthaltende alkalische Wasser die Bronze- und Messinghähne nicht angreife.

Eine beachtenswerthe Abhandlung von Dr. A. Rossel über die Verwendung der caustischen Soda ist im 20. Jahresbericht des Schweizerischen Vereins von Dampfkesselbesitzern veröffentlicht worden. Diese Abhandlung ist auch in einer Sonderausgabe erschienen (vgl. 1892 283 188).

Eine sehr dankenswerthe Arbeit, Untersuchung der Universalmittel gegen Kesselstein, hat die Grossherzogl. Badische Chemisch-technische Prüfungs- und Versuchsanstalt in Karlsruhe durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Jahrg. 1891 S. 47 u. ff. der oben angeführten Zeitschrift der Kessel-Ueberwachungs-Vereine veröffentlicht worden und bestätigen aufs neue, dass sich bei den Kesselsteinmitteln unter wohlklingenden Namen meistens bekannte Stoffe wiederfinden, die mit dem Vielfachen ihres wirklichen Werthes bezahlt werden.

Ein verbreiteter und empfehlenswerther Apparat zur Reinigung von Kessel- und Fabrikationswasser ist, wie erwähnt wurde, von Dervaux angegeben und wird von der Firma Hans Reisert in Köln geliefert. Der Apparat (Fig. 1) bewirkt sowohl die Niederschlagung der Kesselsteinbildner als auch die Abscheidung des Schlammes. Die chemische Reinigung geht auf folgende Weise vor sich:

Textabbildung Bd. 286, S. 174
Das von einem Hochbehälter oder einer Pumpe durch das Rohr H zufliessende unreine Wasser gelangt zunächst in ein Reservoir R, in welchem es von einem Schwimmer stets im gleichen Niveau gehalten wird. Von da strömt ein Theil durch den genau eingestellten Hahn P in die Rinne E und ein Theil durch den in gleicher Höhe wie P angebrachten Hahn V in das Rohr V. Dieses Rohr führt das Wasser in den unteren spitzen Theil des Kalksättigers S, woselbst es den darin befindlichen gelöschten Kalk (Kalkhydrat) stets aufwirbelt und auflöst. Da 1000 Gew.-Th. Wasser sich mit 1,8 Th. Kalkhydrat sättigen, so fliesst oben aus dem Kalksättiger, so lange gelöschter Kalk zum. Auslaugen vorhanden ist, stets eine constante, gesättigte Kalkhydratlösung ab. Das den Kalksättiger durchströmende Wasser sättigt sich nicht nur mit Kalkhydrat, sondern klärt sich auch, so dass keine ungelösten Theile mit übergehen. Die gesättigte und geklärte Kalklösung läuft oben aus dem Kalksättiger ebenfalls in die Rinne E ab. Dieselbe dient zur Fällung der doppeltkohlensauren Kalk- und der Magnesiaverbindungen aus dem zu reinigenden Wasser. Der hierzu angewandte gebrannte Kalk wird täglich 1- oder