Text-Bild-Ansicht Band 286

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Der Ventilator beschaffte während der Untersuchungszeit 19722 cbm Luft (also 67,5 cbm für je einen Arbeiter) in der Stunde, entsprechend etwas weniger als zweimaligem stündlichen Wechsel der Raumluft.

Die Temperatur der Frischluft betrug während der sechstägigen Untersuchungszeit 13 bis 17° C. bei einem zwischen 65 und 75 Proc. vollständiger Sättigung schwankenden Feuchtigkeitsgehalt, während die Temperatur im Werkraume zwischen 20 und 25° C. bei 55 bis 61procentiger Sättigung der Raumluft wechselte.

Textabbildung Bd. 286, S. 180
Es ist unter den angegebenen Verhältnissen nicht recht verständlich, warum man die Temperatur im Raume bis zu 25° C. anwachsen liess, da es ja sehr leicht gewesen wäre sie zu ermässigen, zumal die Wärmeentwickelung der Webstühle nach Angabe des Commissionsberichtes nur gering gewesen ist; denn, wie man ohne weiteres aus der Aufzeichnung der Curven verschiedener Sättigungsgrade der Luft (vgl. D. p. J. 1891 280 177) ersehen kann, brauchte man zur Erzielung der angegebenen Temperaturen und Sättigungsgrade im Raume bei den vorhandenen Verhältnissen der Aussenluft überhaupt gar kein wasserberieseltes Netzwerk in Anwendung zu bringen (indem beispielsweise Luft, welche bei 17° C. 65procentige Sättigung besitzt, ganz von selbst bei Erwärmung auf 20° C. noch 60procentige Sättigung behält), wenn wirklich die Webstühle nur geringe Wärme entwickelt haben. Es muss deshalb angenommen werden, dass diese Wärmeentwickelung durchaus nicht so gering war oder dass das Wasser, welches zur Berieselung des Netzwerkes benutzt wurde, selbst Raumtemperatur hatte.

Textabbildung Bd. 286, S. 180
Aus dem Bericht über die Untersuchung des in Betrachtung stehenden Werkraumes lassen sich leider überhaupt keinerlei Schlüsse ziehen; denn es fehlt in diesem Berichte

1) eine Angabe über die Höhenlage der hölzernen Luftzuführungsrinnen,

2) jede Angabe über die Ableitung der Raumluft,

3) eine bestimmte Angabe über die Wärmedurchlassung der Werkstühle u. dgl. und

4) eine Angabe über die Lage der Aborte und über sonstige für die Wirkung der Lüftung maassgebende Einrichtungen.

In den Fig. 4 und 5 ist als zweites Untersuchungsobject eine zu ebener Erde gelegene Weberei dargestellt, welche 720 Webstühle für schwere, vollständig trocken zu erzeugende Gewebe enthält. Der Luftraum dieser Weberei beträgt 12600 cbm und da 355 Arbeiter darin beschäftigt sind, so kommt auf jeden Arbeiter ein Luftraum von 35,5 cbm. Die Lüftungsanlage dieser Weberei enthält unterirdisch ein wasserberieseltes Bauwerk aus durchbrochenen Mauersteinen mit gegenseitig versetzten Durchzugsöffnungen für die Frischluft, welche ein Ventilator (System Ser) liefert und durch dieses wasserberieselte Bauwerk, sowie durch ein in Holz und Blech hergestelltes, unmittelbar unter Dach liegendes Kanalsystem hindurchdrückt. Das letztere erstreckt sich über den ganzen Werkraum und besitzt äusserst zahlreiche Mündungsöffnungen, so dass die Frischluft sehr gleichmässig über den Werkraum ausgebreitet wird.

Das wasserberieselte Bauwerk besteht aus einer grossen Anzahl Mauern von je 2 m Höhe und 2,9 m Breite und besitzt im Ganzen eine etwa 3760 qm grosse freie wasserberieselte Oberfläche, so dass auf je 1000 cbm des freien Werkraumes 298,4 qm luftdurchströmte Berieselungsfläche kommt. Der Ventilator liefert 29641 cbm Luft (also 83,5 cbm für je einen Arbeiter) in der Stunde, entsprechend etwa 2⅓maligem stündlichen Wechsel der Raumluft.

Die Commission berichtet, dass man in dieser Weberei während eines ganzen Jahres fortgesetzt Versuche gemacht und dabei gefunden habe, dass man mit Hilfe des erwähnten wasserberieselten Bauwerkes allerdings einen hohen Sättigungsgrad der Raumluft erzielen konnte, wenn man zur Berieselung erwärmtes Wasser benutzte; insbesondere habe man 80procentige Sättigung der Raumluft erzielt, als man das Berieselungsbauwerk mit Wasser von 30 bis 32° C. berieseln liess. Dabei sei aber die Temperatur der Raumluft auf 29° C. gestiegen, während die Aussenlufttemperatur 20° C. betrug. Arbeiter wie Werkmeister hätten in diesem Falle erklärt, sie könnten in einer Luft, die so feucht und so heiss sei, nicht arbeiten.

Betrachten wir nun die Verhältnisse etwas näher, so ersehen wir aus den Angaben der Untersuchungscommission über die drei einzelnen, die Ergebnisse der Untersuchung in entscheidender Weise beeinflussenden Umstände, dass man

mit Berieselungs-
wasser
eine Temperatur der
Einströmungsluft
und eine Raumluft-
feuchtigkeit
von

9
12
22
bis

10° C.
13° C.
23° C.
von

15
17
19
bis

16° C.
18° C.
19½° C.
von

53
55
60
bis

58
65
63
procen-
tiger,
Sättigung

erzielte. Dabei besass die Einströmungsluft fortwährend einen zwischen 91 und 91,6 schwankenden Sättigungsgrad, ein Beweis, dass das Berieselungswerk ganz vorzüglich functionirte und gerechten Anforderungen aufs Beste entsprach.

Fragt man nun wie es kam, dass dennoch die Raumluftfeuchtigkeit dabei nicht über 63 Proc. vollständiger Sättigung stieg, so findet man die Ursache in der Temperaturverschiedenheit zwischen der feuchten Einströmungsluft