Text-Bild-Ansicht Band 286

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nichts über die Gegenöffnungen; es kann aber doch nicht wohl angenommen werden, dass als solche immer Fensteröffnungen dienen sollen, da solchen Falles die Lüftungseinrichtung höchst mangelhaft genannt werden müsste. Als zweckmässig dürfte wohl die Anordnung der Wasserzerstäuber zu bezeichnen sein, welche wohl einigermaassen gleichmässige Luftbeschaffenheit zu bewirken vermögen.

Textabbildung Bd. 286, S. 182
Die Fig. 9, 10 und 11 veranschaulichen eine in einem Mansardraume befindliche Weberei. Dieselbe enthält 196 Webstühle für leichtere Gewebe mit feuchtem Schussgarn und beschäftigt 90 Arbeiter. Der Luftraum dieser Weberei beträgt 4811 cbm (d. i. 53 cbm für je einen Arbeiter). Die Lufterneuerung bewirkt vorzugsweise ein Blackman-Ventilator, welcher in der Mitte des Raumes (wohl im Dachfirst) befindlich, die Raumluft absaugt und dadurch stündlich einen Luftwechsel im Betrage von 4843 cbm (also 53,8 cbm für je einen Arbeiter) verursacht, entsprechend etwa stündlichem Wechsel der Raumluft. Ausserdem befinden sich in dem Raume 12 Wasserzerstäuber (des Systems E. Mertz und Co.), von denen vier mit der Aussenluft communiciren. Zum Zerstäuben wurde während der Untersuchung Wasser benutzt, dessen Temperatur zwischen 16 und 19° C. schwankte. Die Temperatur des Rücklaufwassers war nicht viel von derjenigen des Zuströmungswassers verschieden.

Die Temperatur im Raume wechselte zwischen 20,3 und 28° C., während die Raumluftfeuchtigkeit zwischen 50 und 62 Proc. vollständiger Sättigung schwankte.

Textabbildung Bd. 286, S. 182
Unter solchen Umständen muss die Einrichtung natürlich als sehr mangelhaft bezeichnet werden, da die Temperaturschwankung viel zu bedeutend ist, als dass man sie überhaupt vom Standpunkte der Gesundheitspflege aus als zulässig erachten könnte. Allerdings ist ein Mansardraum von 3,75 m Höhe dem Einflüsse der äusseren Temperatur sehr stark unterworfen, aber es gibt doch genügend einfache Mittel, um diesen Einfluss für die Raumbewohner weniger fühlbar zu machen.

Eine ähnliche Lüftungseinrichtung wie die soeben besprochene Weberei besitzt auch die in den Fig. 12 und 13 dargestellte zu ebener Erde liegende Kammgarnspinnerei mit 16540 Spindeln. In derselben sind 90 Arbeiter beschäftigt. Der Luftraum der Spinnerei beträgt 16808 cbm (d. i. für jeden Arbeiter 186,7 cbm). 26 Wasserzerstäuber des Systems E. Mertz und Co. sorgen für die Luftbefeuchtung, sechs davon communiciren mit der äusseren Luft. In derselben Mauer, an welcher diese sechs Luftbefeuchter angeordnet sind, befinden sich noch sieben durch Klappen verschliessbare directe Lufteinlassöffnungen. An der gegenüberliegenden Gebäudemauer sind sieben Blackman-Ventilatoren angeordnet, welche die Raumluft absaugen und dadurch die Lufteinströmung durch die soeben erwähnten Oeffnungen veranlassen. Jeder Ventilator saugt 2524 cbm Luft in der Stunde ab, so dass also alle sieben zusammen 17668 cbm abzuführen im Stande sind, wobei auf jeden Arbeiter ein Luftwechsel von 196,3 cbm käme, wenn alle Ventilatoren zugleich arbeiten, was jedoch nicht immer der Fall ist.

Textabbildung Bd. 286, S. 182
Die Temperatur in dem Raume betrug während der Untersuchungsdauer 24,5 bis 28,6° C., die Lüftung war also durchaus nicht zweckmässig. Die Raumluftfeuchtigkeit schwankte währenddessen zwischen 67 und 70,7 Proc. vollständiger Sättigung, liess also ebenfalls zu wünschen übrig, da nach den eingangs gemachten Bemerkungen in Kammgarnspinnereien 70- bis 75procentige Sättigung der Raumluft benöthigt wird. Zudem konnte man die angegebene Feuchtigkeit gegen Ende der Untersuchungszeit, als ein trockener Wind aussen herrschte, nur dadurch erzielen, dass man die Ventilatoren für einige Zeit abstellte.

Die ganze Einrichtung erwies sich also durchaus nicht als zweckmässig, oder doch nicht als in genügender Weise den Anforderungen entsprechend.

Die mangelhafteste von allen seitens der erwähnten Commission untersuchten Lüftungs- und Befeuchtungseinrichtungen ist diejenige einer in den Fig. 14 und 15 dargestellten Kammgarnspinnerei mit 19200 Spindeln. In derselben sind 75 Arbeiter beschäftigt. Der Luftraum dieser Spinnerei beträgt 19607 cbm (d. i. 261,4 cbm für je einen Arbeiter). Die Lüftung wird bewerkstelligt durch zwei in der Raummitte (wahrscheinlich unmittelbar unter Dach) befindliche Schiele'sche Schrauben Ventilatoren, von denen jeder 9504 cbm Luft – also noch nicht die Hälfte des Luftinhaltes des Raumes – in der Stunde liefern könnte, wenn es überhaupt zulässig wäre, sie fortwährend in Betrieb zu halten, was mit Rücksicht auf die mangelhaften