Text-Bild-Ansicht Band 286

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des Werkraumes 250 qm wasserberieselte Durchströmungsfläche für die Luft erforderlich sei. Diese Angabe ist aber in ihrer Allgemeinheit jedenfalls nicht zutreffend; denn man kann unter Umständen einen sehr guten Erfolg auch schon mit dem zehnten Theile dieser Durchgangsfläche erzielen, da es doch weit mehr auf die Grösse der von der Luft mit Sicherheit bestrichenen wasserberieselten Fläche ankommt, wiewohl der Erfolg leichter erzielt wird, wenn die Luft quer durch die Wasserberieselung hindurchstreicht, als wenn sie nur oder vorwiegend längs der Wasserberieselung und in gleicher Bewegungsrichtung wie diese strömt, wohingegen eine Wasserberieselung in direct entgegengesetzter Richtung zur Luftströmung unter Umständen noch besseren Erfolg gewähren kann.

Es ist auch nicht unbedingt nöthig, dass das Berieselungswerk in besonderen Kammern untergebracht werde, sondern es lässt sich unter Umständen auch im Werkraume selbst unterbringen, ja es ist zur Erzielung des gleichen Erfolges auch nicht einmal ein eigentliches Berieselungswerk erforderlich; denn Stoffstücke, welche an Rahmen aufgespannt an höherer Stelle in eine Wasserrinne eintauchen und an tieferer Stelle das überschüssig aufgesaugte Wasser abfliessen lassen, erfüllen ganz genau denselben Zweck, und in Fällen, in welchen die Raumluft durch Ventilatoren abgesaugt wird und die Frischluft unmittelbar durch Maueröffnungen von aussen herzuströmt, lassen sich mitunter solche Stoffstücke ohne besondere Schwierigkeit in mehrfachen Lagen vor den Zuströmungsöffnungen derart unterbringen, dass eine sehr gute Wirkung damit erzielt wird.

Was die Temperatur des Berieselungs- bezieh. Verdunstungswassers betrifft, so wurde unter Bezugnahme auf die Untersuchungsergebnisse betont, dass allerdings die Verwendung warmen Wassers für einen Raum, in welchem bedeutende Wärme entwickelt wird, die Erzielung eines höheren Sättigungsgrades der Raumluft gewährt, als die Verwendung kühlen oder gar kalten Berieselungswassers. Nichtsdestoweniger ist die Verwendung warmen Berieselungswassers in der warmen Jahreszeit mit Rücksicht auf die Raumtemperatur, deren Anwachsen es begünstigt, thunlichst zu vermeiden und, wenn sich der erwünschte Feuchtigkeitsgehalt der Raumluft bei Benutzung von Berieselungswasser von solcher Temperatur, wie sie zur Erhaltung einer erträglichen Raumtemperatur nöthig ist, nicht erzielen lässt, so muss man eben, wie schon früher erwähnt, zur Beschaffung dieser erwünschten Raumluftfeuchtigkeit besondere Hilfsmittel in Anwendung bringen, welche den Temperaturgrad der Raumluft nicht erhöhen. Wenn derartige Hilfsmittel gleichzeitig eine Ermässigung der Raumtemperatur ermöglichen, so ist das um so besser; aber man darf, wie die Untersuchungsergebnisse in der vorgeführten in einem Mansardraum befindlichen Weberei und in den vier besprochenen Spinnereien beweisen, eine wesentliche Temperaturverminderung von der Verwendung von Wasserzerstäubungsapparaten nicht erwarten.

Es mag wohl Verwunderung erregen, dass ein Wasserberieselungswerk sehr gut geeignet ist, Temperaturverminderung in den zu lüftenden Räumen herbeizuführen, während Wasserzerstäubungsapparate eine solche nur in sehr beschränktem Maasse zu bewirken vermögen. Die Ursachen dieser verschiedenartigen Wirkungen sind indessen nicht allzu schwer zu übersehen. Zunächst ist zu beachten, dass in der Regel nicht lediglich kühlere Frischluft, sondern vorwiegend höher temperirte Raumluft dem Befeuchtungsprocess durch Wasserzerstäuber unterworfen wird, wobei zwar der Sättigungsgrad der Luft im Raume etwas rascher steigt als wenn ein fortwährender Ersatz der Raumluft durch kühlere Frischluft bewirkt werden würde, aber natürlich auch der Ueberschuss der Wärmemenge der Raumluft über diejenige der Frischluft eine Temperatursteigerung verursacht. Ferner pflegt man auch zum mechanischen Zerstäuben kein kaltes Wasser, sondern vorzugsweise solches Wasser zu benutzen, dessen Temperatur sich von derjenigen der Raumluft nur wenig unterscheidet. Der Hauptgrund für den Unterschied der Wirkungen der Berieselungsvorrichtungen und der Wasserzerstäubungsapparate ist aber darin zu suchen, dass das mechanisch zerstäubte Wasser der Luft nicht in Dampfform beigemischt wird, sondern zunächst hauptsächlich vermöge des Widerstandes, den die Luft dem freien Fall der Wasserstäubchen entgegensetzt, von der Luft mitgenommen und in derselben erhalten wird (wenn auch nachträglich vielleicht noch ein kleiner Theil der Wasserstäubchen in Dampfform übergeht), wohingegen das in Berieselungsvorrichtungen verdunstende Wasser zum grössten Theile eine wirkliche Aggregatzustandsänderung erleidet und beim Uebergehen in Dampfform eine bedeutende Wärmemenge bindet, die natürlich eine Temperaturverminderung der Frischluft bedingt, während das der Luft mechanisch seitens der Wasserzerstäuber beigemischte Wasser keine Wärmemenge bindet und deshalb die Temperatur der Luft auch nicht wesentlich beeinflussen kann.

Aus den angestellten Betrachtungen geht also mit Bestimmtheit hervor, dass man zu einer allen Anforderungen entsprechenden Lüftungseinrichtung für Spinnerei- und Webereiwerkräume im Allgemeinen einer Combination von Berieselungsvorrichtungen mit Wasserzerstäubungsapparaten bedarf, wobei durch die ersteren die Frischluft für die warme Jahreszeit gekühlt und zugleich auf einen möglichst hohen Sättigungsgrad gebracht werden muss, während die dann nach Uebergang der Frischlufttemperatur in die Raumtemperatur noch erforderliche Luftfeuchtigkeit durch die Wasserzerstäubungsapparate zu beschaffen ist. Kann die nöthige Luftfeuchtigkeit ohne ungünstige Beeinflussung der Raumtemperatur durch Berieselungsvorrichtungen allein beschafft werden, so ist die zusätzliche Verwendung von Wasserzerstäubungsapparaten entbehrlich. Wenn endlich eine Abkühlung der Frischluft entbehrlich erscheint, so genügt zur Einhaltung der erforderlichen Raumluftfeuchtigkeit die Verwendung von Wasserzerstäubern allein. Empfehlenswerth aber erscheint es immer, Wasserzerstäubungsapparate nur als Hilfsmittel zur Erzeugung zusätzlicher, durch Wasserverdunstungsvorrichtungen nicht erlangbarer Feuchtigkeit zu betrachten und demgemäss anzuordnen, wenn nicht die Wasserzerstäuber selbst zugleich als Verdunstungsvorrichtungen und Herbeileiter der Frischluft in Frage kommen, in welchem Falle die specielle Erfahrung mit derartigen Apparaten allein bestimmend sein kann.

(Fortsetzung folgt.)