Text-Bild-Ansicht Band 286

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Zur Reduction eignet sich nur die Schwefligsäure, die man unter Druck der 80 bis 100° heissen Superphosphatmischung zuführt. Die sich bildende Schwefelsäure ist gewonnen und bei der Aufschlussberechnung zu berücksichtigen. Das Reductionsverfahren zerfällt in drei Operationen:

1) Aufschliessung eines Theils des Phosphats in Gegenwart von schwefelsaurem Ammoniak mit der Gesammtschwefelsäure,

2) Reduction des Eisenoxyds zu Oxydul,

3) Aufschliessung des Restes Phosphat.

Zur Ausführung wird gemahlener Phosphorit von beliebig hohem Eisengehalt mit so viel 60gradiger Schwefelsäure aufgeschlossen, dass nach vollständiger Zersetzung desselben ein flüssiger Brei entsteht. Nach erfolgter Reduction des darin in Lösung befindlichen Eisenoxyds durch Schwefligsäure ist dieser stark saure Superphosphatbrei zwecks weiterer Verarbeitung fest zu machen. Es gelingt dies durch Zusatz von schwefelsaurem Ammoniak, welches sich zum Theil, abhängig von der Menge vorhandener freier Phosphorsäure, hierbei in das saure Salz und in zweifachsaures phosphorsaures Ammoniak umsetzt. Theurer als das schwefelsaure Ammoniak ist die Verwendung des kohlensauren Salzes bezieh. des kohlensauren Kalis und auch schwieriger, insofern man beim Abstumpfen der freien Phosphorsäure grosse Vorsicht zu gebrauchen hat, da hier ebenfalls das zweifach saure Salz entstehen muss, welches zur Haltbarkeit des sauren Eisenoxydulphosphats durchaus nöthig ist; ferner sind die Kalisulfate und unter diesen hauptsächlich die hochprocentigen als geeignete Beimischungen zu nennen.

Die Reduction wird in einem geschlossenen, mit Sicherheitsventil versehenen, sehr flachen eisernen Gefäss vorgenommen. Nach dem Vertreiben der überschüssigen schwefligen Säure wird der Rest des Phosphats zugemischt und das fertige Product auf den Haufen geworfen, in dem die Zersetzung des Restes Phosphat erfolgen kann. Ein künstliches Trocknen ist, wenn nicht zu umgehen, mit Vorsicht vorzunehmen, damit dem Eisenoxyduldoppelsalz nicht sein, dasselbe haltbar machendes Krystallwasser entzogen wird. – Ist mit der Fabrikation von Superphosphat eine solche von Knochenmehl verbunden, so verwendet man zweckmässig statt eines Theiles Wasser die leimhaltige Knochenbrühe aus dem Dämpfer. Hierdurch werden die einzelnen Superphosphattheilchen mit einer Leimschicht umgeben, welche die Oxydation des Eisenoxyduls verhindert.

Was die Kosten des Verfahrens im Grossen anbelangt, so sind dieselben nach den Angaben des Verfassers die folgenden:

500 k Phosphat 20.00 M.
500 k Schwefelsäure (60° B.) 19,00 M.
9751 l schweflige Säure 2,80 M.
–––––––
41,80 M.
Hiervon gehen ab für entstandene
55 k 60gradiger Schwefelsäure 2,09 M.
–––––––
bleiben 39,71 M.

Danach kosten 100 k Superphosphat mit mindestens 15 Proc. wasserlöslicher Phosphorsäure 4,10 M.; hierzu kommen noch die Unkosten für Aufschliessen und Reduciren mit 0,25 M. und die Gesammtspesen (bei einer jährlichen Production von 5000 t Superphosphat) mit 1,65 M., zusammen 6 M., so dass sich der Fabrikationspreis für 1 k wasserlösliche Phosphorsäure auf 40 Pf. stellt.

(Nach Zeitschrift für angewandte Chemie, 1891 S. 667 und 1892 S. 356.)

Reinigung des Phosphors durch Natriumhypobromit.

Um den glasigen Phosphor von krystallisirtem und rothem Phosphor, sowie auch von dem oft vorhandenen Arsenik, welche sich alle auf der Oberfläche ansammeln, zu trennen, schmilzt man ihn nach G. Denigès auf dem Wasserbade unter einer Schicht von frischem Natriumhypobromit unter häufigem Umrühren. Das Natriumhypobromit löst das Arsen und den nicht glasigen Phosphor schnell, während der glasige Phosphor nur sehr langsam angegriffen wird, (Nach Journal de Pharm. et de Chimie, 25237, durch Chemisches Centralblatt, 1892 Bd. 1 S. 585.)

Vorkommen von Chlorammonium in den Stassfurter Kalirohsalzen und den daraus gewonnenen Salzen und Mutterlaugen.

Theodor Neimke machte die Beobachtung, dass der künstliche Carnallit, das sogen. Doppelsalz, 0,8 Proc. Chlorammonium enthält. Verfasser untersuchte darauf hin die anderen chlorkaliumhaltigen Laugen und Salze, sowie das Kalirohsalz, und konnte ebenfalls sicher Ammoniak nachweisen. Dagegen gelang es nicht, im Kieserit und im calcinirten Chlorkalium Ammoniumverbindungen aufzufinden.

Bezüglich der Entstehung dieses Chlorammoniums im rohen Carnallit glaubt Verfasser vielleicht annehmen zu dürfen, dass bei der Bildung der Kalisalzlager organische, stickstoffhaltige Körper zugegen gewesen sind, welche durch den Fäulnissprocess in ammoniakalische Verbindungen übergeführt wurden. Letztere wurden durch das Chlormagnesium zersetzt, indem sich Chlorammonium und Magnesiahydrat bildeten. Thatsächlich scheidet sich auch Magnesiumhydrat bei der Verarbeitung des Kalirohsalzes ab. (Nach Chemiker-Zeitung, 1891 Bd. 15 S. 915.)

Neues Verfahren zur Darstellung von Bleiweiss.

Bei den jetzt üblichen Methoden ist es mitunter schwierig, ein Bleiweiss von rein weisser Farbe zu erhalten. Der Grund dieser Schwierigkeit ist nach Gustav Bischof in London darin zu suchen, dass die im Handel befindlichen Bleioxyde, wie z.B. Bleiglätte, Gemenge von verschiedenen Oxydationsstufen des Bleies sind, auf welche die angewandten Reagentien ungleich mässig einwirken, indem einzelne Oxyde früher in Bleiweiss umgewandelt werden als die anderen. Sucht man aber durch längeres Einwirkenlassen der Reagentien auch die letzteren in Bleiweiss überzuführen, so werden die zuerst umgewandelten Oxyde leicht krystallinisch und verlieren ihren Werth als Handelswaare.

Um diesen Uebelstand zu vermeiden, unterwirft Verfasser die Bleioxyde erst einer theilweisen Reduction, indem er dieselben in Wassergas einer Temperatur von 250 bis 300° aussetzt. Die Reduction erfolgt entweder in rotirenden oder feststehenden Gefässen, in welchen durch geeignete Vorrichtungen das Material mit dem Gas in innige Berührung gebracht und von einem Ende des Gefässes nach dem anderen geschafft wird. Das Ende des Gefässes, an dem das durch Reduction entstandene Suboxyd (Pb2O) austritt, wird mit Wasser gekühlt.

Nachdem das so erhaltene Suboxyd durch Löschen