Text-Bild-Ansicht Band 292

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ein Zwischenraum entsteht. Sodann wird durch den Handhebel r der Presskopf n mit Stange m so weit niedergedrückt, dass durch Auftreffen der Stange m auf Welle k der Stempel a in die Form b eingedrückt wird und die Glaskapsel mit innerem Gewinde bildet. Ist die Glasmasse genügend erhärtet, so wird der Handhebel r so weit zurückgedreht, dass die Presstange m und die Bolzen tt1 hochgehen und die Querstange s1 die Matter e gerade berührt. Hierdurch entsteht wieder der nöthige Zwischenraum zwischen der Stange m und der Welle k, so dass nunmehr das Handrad i mit der Spindel d derart gedreht werden kann, dass der Stempel a aus der Glasmasse herausgeschraubt wird. Da bei diesem durch Drehen bewirkten Anheben die feststehende Mutter e das ganze Gewicht der Spindel d und des Stempels a zu tragen hat, so übt das Gewinde des letzteren auf das gebildete noch weiche Innengewinde des Glaskörpers keinen nachtheiligen Druck aus und beeinträchtigt deshalb die Form des Innengewindes in keiner Weise. Es empfiehlt sich, dem mit Innengewinde herzustellenden Glaskörper äusserlich eine eckige oder etwas unrunde Form zu geben, damit hierdurch beim Herausschrauben des Stempels a ein Drehen des Glaskörpers in der Form b unmöglich gemacht wird (D. R. P. Kl. 32 Nr. 64185 vom 21. Juni 1891).

Textabbildung Bd. 292, S. 32
Glaspresse von Henry Harley Pitt in Low Fell Gateshead (Tyne, Grafschaft Durham). Diese Presse zeichnet sich dadurch vor anderen aus, dass ein grosser Theil derjenigen Arbeit, welche bisher von Hand verrichtet werden musste, durch die Presse selbst ausgeführt wird. Die Presse (Fig. 8 und 9) besitzt einen Arbeitstisch A, auf welchem eine Anzahl (im vorliegenden Falle sechs) Formen B angeordnet sind. Der Tisch A ist auf einem drehbaren Zapfen a, der im oberen Theile des Gestelles C gelagert ist, befestigt. Die absatzweise Drehbewegung – bei sechs Formen nach jedem Pressvorgang ⅙ Kreisumfang, so dass jedesmal eine andere abgekühlte Form zur Verwendung kommt – wird dem Arbeitstisch A durch ein auf den Zapfen a aufgekeiltes Sperrad ertheilt, in welches eine von der Welle e hin und her bewegte Sperrklinke eingreift. Zum Betriebe dient der durch Cylinder M angedeutete Motor, welcher mittels Zugstange die Kurbelwelle k und durch Zahnradübertragung auch die Welle e in Drehung versetzt.

In ähnlicher Weise, wie die Formen B, sind auch mehrere Stempel G auf einer drehbaren Platte g befestigt, welche an der senkrechten Welle p sitzt. Die nach jedem Pressvorgange stattfindende Drehung um den Abstand eines Stempels vom anderen wird gleichfalls selbsthätig durch die Presse bewirkt. Auf der Achse e sind nämlich zwei Kurbeln K befestigt, welche mittels der Zugstangen z die Kolbenstange H auf und nieder bewegen. Diese letztere hat den Zweck, die an der Platte g federnd angebrachten Stempel G in die zugehörige Form niederzudrücken, andererseits aber die Drehung der die Stempel tragenden Scheibe g zu bewirken. Dies geschieht bei jedem Hochgange der Stange H. Dieselbe greift nämlich mit einem festen Ansatz s in eine Spiralnuth der Welle p und dreht diese dadurch um einen bestimmten Betrag, so dass nach jedem Pressvorgang stets ein neuer Stempel über die gleichfalls neue Form zu stehen kommt. Es lassen sich demnach mit dieser Presse in kurzer Aufeinanderfolge ohne irgend eine Auswechselung von Formen oder Stempeln Glasgegenstände von verschiedenartiger Form herstellen, wobei, da sowohl jede Form als auch jeder Stempel erst nach gewissen Zwischenräumen wieder zur Verwendung kommt, eine Ueberhitzung dieser Theile ausgeschlossen ist (D. R. P. Kl. 32 Nr. 71671 vom 22. Juli 1892).

Dampfpresse mit selbsthätiger elektrischer Umsteuerung von M. und E. Hirsch in Radeberg i. S. Diese Glaspresse, welche zur Herstellung von Hohlglasgegenständen dient, kennzeichnet sich im Wesentlichen dadurch, dass der Presstempel durch einen durch Dampf betriebenen Kolben auf und nieder bewegt wird, wobei die Umsteuerung des die Dampfzuleitung regulirenden Kolbenschiebers selbsthätig durch zwei elektrische Stromkreise bewirkt wird; von diesen wird der eine in dem Augenblick, wo eine frisch mit Glas gefüllte Pressform unter den Presstempel geschoben wird, geschlossen; wodurch ein in den Stromkreis eingeschaltetes Solenoid einen mit dem Dampfschieber verbundenen Eisenkern anzieht. Die obere Dampfeinströmöffnung wird hierdurch frei, und der Kolben sammt Kolbenstange und Presstempel werden niederbewegt. Im Augenblick des Fertigpressens wird selbsthätig ein zweiter Stromkreis geschlossen; ein in diesen eingeschaltetes stärkeres Solenoid zieht den vorerwähnten Eisenkern sammt Kolbenschieber nach oben, so dass nach Freiwerden der unteren Dampfeinlassöffnung der Kolben nebst Presstempel gehoben werden.

Die Fig. 10 und 11 veranschaulichen eine derartige Presse mit elektrischer Umsteuerung, a ist die auf dem Arbeitstisch A in einer Führung verschiebbare Pressform,