Text-Bild-Ansicht Band 292

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gehoben. Das Gegengewicht M ist derartig gewählt, dass es nur eines geringen Druckes bedarf, beide zu heben. Durch Niederdrücken des gleichfalls für gewöhnlich in Folge des Gegengewichtes Y hochstehenden Trittbrettes V findet ein Schliessen der aus zwei Hälften bestehenden Form F statt. Die eine Formenhälfte führt sich in einer auf der verschiebbaren Stange Q befestigten Schleife 8. Die Stange Q wird beim Niederdrücken des Trittbrettes durch den doppelarmigen Hebel P nach rechts verschoben, wodurch die linke Formenhälfte in ihre Verschlusstellung gebracht wird. Die rechte Formenhälfte wird für gewöhnlich durch das gegen die Gleitstange U drückende Gegengewicht Z in Verschlusstellung gehalten. Nachdem die Gleitstange Q so weit durch den Hebel P vorgeschoben ist, dass die Form geschlossen wird, drückt auch gleichzeitig der andere Arm des Hebels P gegen den an der Stange U befindlichen Ansatz G, so dass beide Formenhälften im gegebenen Augenblick fest auf einander gepresst werden. Entfernt der Glasbläser seinen Fuss von dem Trittbrett V, so wird die Form selbsthätig durch das Gegengewicht Y wieder geöffnet. Hierbei trifft der Hebel P gegen den nur nach der linken Seite beweglichen Daumen X und schiebt die Stange U zurück, so dass auch die zweite Formenhälfte verschoben wird, und der fertige Glasgegenstand aus der weit geöffneten Form herausgenommen werden kann. Dann schiebt das Gegengewicht Z die Gleitstange U wieder in die Verschlusstellung zurück (D. R. P. Kl. 32 Nr. 65591 vom 26. November 1891).

Textabbildung Bd. 292, S. 34
Verfahren, bauchige und gehenkelte Gefässe theilweise durch Pressung, theilweise durch Blasen herzustellen von Jacob Adolf Widmer in Berlin und Firma Noelle und v. Campe in Glashütte Brückfeld a. d. Weser. Den Gefässen wird zunächst mittels einer Glaspresse eine Form gegeben, wie Fig. 14 sie zeigt. Der Körper a besitzt eine nach unten verjüngte Form, so dass der Presstempel leicht entfernt werden kann. Der gerippte Rand c und der Henkel b sind ebenfalls in der getheilten Form durch Pressung in bekannter Weise hergestellt, jedoch hat das Ende des Henkels b noch keine Verbindung mit dem Körper a. Der noch heisse Glaskörper wird sodann in eine zweite, gleichfalls getheilte Form gebracht, welche der in Fig. 15 dargestellten Form entspricht, so dass also allein der Körper a die Wandungen dieser Form nicht berührt. Bläst man nun in bekannter Weise Luft ein, so wird der Körper a geweitet, so dass er sich ebenfalls an die Form anschmiegt und hierbei auch das Ende des Henkels b berührt und mit demselben verschweisst (D. R. P. Kl. 32 Nr. 64498 vom 2. September 1891).

Press- und Blasform von Jacob Adolf Widmer in Berlin und Firma Noelle und v. Campe in Glashütte Brückfeld a. d. Weser. Diese Form dient dazu, bauchige Gefässe mit Aussengewinde herzustellen. Dieselbe besteht aus dem mit Muttergewinde versehenen Obertheil a (Fig. 16 und 17), welcher frei auf seinem Untertheil b ruht und davon abgehoben und auf den zweiten Untertheil b1 aufgesetzt werden kann, ohne geöffnet werden zu müssen. Die Herstellung von bauchigen Glasgefässen verläuft in folgender Weise: Der Obertheil a wird auf den Untertheil b aufgesetzt und nach Eingiessen einer genügenden Menge flüssigen Glases ein sich nach unten verjüngender Presstempel eingeführt, welcher dem Glase die Gestalt g ertheilt. Nach genügendem Erstarren des flüssigen Glaskörpers wird dieser in dem Muttergewinde des Obertheiles a hängend von dem Untertheil b abgehoben und auf den Untertheil b1 aufgesetzt. Dieser besitzt einen mit feinen Oeffnungen versehenen Boden h, durch welchen mittels einer Luftpumpe durch das Rohr k die zwischen den Wänden des Untertheiles und dem heissen Glaskörper befindliche Luft abgesaugt wird, in Folge dessen sich das noch plastische Glas überall an die Wände des Untertheiles b1 anlegt. Es ist jetzt nur noch nöthig, durch Drehung der Excenter e die Backen c in das äussere Gewinde f des Obertheiles a zu drücken und dann durch Umdrehen den Obertheil a von dem fertigen Glasgefäss abzuschrauben. Hierbei ist, da die Backen c das Gewicht des Obertheiles tragen, eine Deformation des Glasgewindes nicht zu befürchten (D. R. P. Kl. 32 Nr. 66918 vom 15. November 1891).

Textabbildung Bd. 292, S. 34

(Schluss folgt.)

Die Feinmessung im Maschinenwesen und ihre Hilfsmittel.

(Fortsetzung des Berichtes S. 1 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die Endflächenmessung.

Watt und Boulton gründeten im J. 1773 in Soho bei Birmingham die erste Maschinenfabrik der Welt, woselbst bereits 1776 Dampfmaschinen mit 1270 bis 1473 mm Cylinderdurchmesser gebaut wurden.

Wie gross die zu überwindenden Schwierigkeiten des Gusses und der Bearbeitung gewesen sein mochten, lässt sich leicht denken, da Watt im J. 1769 an einen Freund erfreut schrieb, dass es ihm nunmehr gelungen wäre, Dampfcylinder so genau auszubohren, dass es nicht mehr möglich sei, zwischen Kolben und Cylinderwand eine Münze (half crown) von der Grösse eines Zehnmarkstückes durchzuschieben.

Weil nun die Maschinenglieder nebst einer kreisenden auch eine geradlinig hin und her gehende Bewegung ausführen, welche Bahn und Schlitten bedingen, so waren auch diese Bahnen in der Erstzeit ebenfalls als cylindrische Rundstäbe ausgebildet, wenn man nicht dieselben durch