Text-Bild-Ansicht Band 292

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Der Wiedergabeapparat oder das Sprechwerkzeug ist ebenfalls eine Membrane, welche durch einen ungleicharmigen Hebel in Bewegung gesetzt wird, dessen kürzerer Arm einen Stift trägt, der in die eingezeichneten Schalleindrücke fällt. Durch diese Anordnung macht der längere Hebelarm an seinem Ende grössere Schwingungen, wodurch die Membrane ebenfalls in grössere Schwingungen versetzt wird und in Folge dessen lautere Wiedergaben erzielt werden. Für viele Zwecke wird zur Wiedergabe überhaupt keine Membrane verwendet, sondern eine gespannte Saite, welche zwar nicht so laut, aber dafür viel reiner und klarer wiedergibt.

Die Hauptsache eines Phonographen sind die Walzen, weil von deren Beschaffenheit die gute Wirkung eines solchen Apparates abhängt. Die Walzen bestehen bei diesem Apparate nicht aus Wachs, sondern aus einer sehr harten Seife. Dieselben werden in einer Messingform gegossen. Da die Masse sehr schwer schmilzt, so sind hohe Temperaturen, wie solche z.B. in den Tropen vorkommen, den Walzen durchaus nicht schädlich. Walzen, welche bei guter Behandlung 4000- bis 5000malige Wiedergaben aushielten, sind durchaus nicht selten.

Für Bureauzwecke, also als Ersatz der Stenographie, kann der Phonograph einfach mit der Hand gedreht werden, da Handbetrieb für Sprachwiedergaben vollkommen genügt. Zu Musik- und Gesangaufnahmen und -Wiedergaben ist natürlich ein äusserst regelmässig laufender Motor unbedingt nöthig.

Das Hineinsprechen geschieht durch einen kleinen Hartgummitrichter, Musikaufnahmen werden dagegen durch einen grossen Trichter gemacht. Es ist nicht ausser Betracht zu lassen, dass ein Schalltrichter, gleichviel aus welchem Material er besteht, den Ton verändert; deshalb ist auch der Phonograph nicht im Stande, genau so wiederzugeben, wie es der Wirklichkeit entspricht bezieh. wie ohne Trichter. Wiedergaben durch die Hörschläuche sind immer reiner und natürlicher.

Durch ganz einfache Mittel ist man im Stande, die phonographischen Laute durch Telephon zu übertragen. Man hat nur nöthig, auf den Wiedergeber des Phonographen ein Mikrophon zu setzen, dasselbe in geeigneter Weise mit dem Telephon zu verbinden, um die Laute auf beliebige Entfernungen zu hören.

Um eine Aufnahme auf dem Phonographen zu machen, muss natürlich der Cylinder etwas abgedreht werden, was der Apparat selbst besorgt. Für stenographische Zwecke wird man einen bedeutenden Walzenverbrauch vermuthen. Dies ist jedoch in Wirklichkeit nicht der Fall, denn die Walzen der besprochenen Apparate sind etwa 7 mm stark und können bis auf 2 mm verbraucht werden. Es stehen also 5 mm zu verbrauchende Masse zur Verfügung. Wenn man den Stichel nicht tiefer stellt, als nothwendig ist, so ist jedesmal 0,02 mm abzudrehen. Es entspricht dies bei einer Stärke von 5 mm einem 250maligen Abdrehen. Da eine Walze im Stande ist, jedesmal etwa 1000 Wörter aufzunehmen, so kann eine Walze für 250000 Wörter benutzt werden. Die Walze kostet bei einigermaassen grösseren Bestellungen 2,50 M., mithin kosten 1000 Wörter aufzuschreiben 1 Pf. Zu diesem Zwecke würde man sicher auch für 1 Pf. Papier gebrauchen. Ausserdem kann man die vorhandenen Späne sammeln und durch Schmelzen und Eingiessen in eine Form sich die Walzen selbst wieder herstellen.

Die Anschaffungskosten solcher Apparate sind ebenfalls gering, so dass deren Einführung in die Praxis nur eine Frage der Zeit sein kann. Reparaturen sind so gut wie ausgeschlossen.

[Kleinere Mittheilungen.]

Wasserdichte Gewebe.

Nach dem amerikanischen Patent von E. J. Knowlton vom 10. April 1894 lassen sich dicht gewebte Tücher, wie Drell, vollkommen wasserdicht machen durch Bestreichen mit einer Mischung aus Leinsamenbrei und Spanisch-Weiss, Ocker, Kreide, Talk oder Bimsstein. Badewannen und andere Gefässe aus Geweben sollen dadurch ebenso dauerhaft werden, wie mit Kautschuk behandelte, und keine Neigung zum Aufspringen zeigen, wie Oeltücher.

Der Leinsamenbrei wird durch Kochen von Leinsamen mit Wasser dargestellt und soll ungefähr die Steife von Stärke, wie sie zur Wäsche verwendet wird, haben. Durch Pressen durch ein Tuch wird er von dem Samen befreit und mit Spanisch-Weiss oder Ocker u.s.w. gemischt. Auf 1 l Leinsamenabkochung nimmt man etwa 100 g Erde. Das mit der Mischung bestrichene Gewebe erhält nach völligem Austrocknen zwei oder drei Anstriche von ungekochtem Leinöl, welchem etwa 2½ Proc. Bienenwachs und etwas Siccatif beigemischt sind. Nach jedem Anstrich lässt man 8 bis 10 Tage trocknen und reibt mit Sandpapier an. (Papierzeitung, 1894 Nr. 42.)

Wasserfeste Tapeten.

Die Wände von Räumen, welche in massigem Grade der Feuchtigkeit ausgesetzt sind, wie Badezimmer, werden zwecks der Decorirung vortheilhaft mit gefirnissten Tapeten beklebt, da diese der Nässe genügenden Schutz bieten. Misslich ist nur, dass die frische Tapezirung äusserst langsam trocknet, eben wegen der Undurchlässigkeit der Firnisschicht, und ferner, dass das steife Papier schwer anklebt. Auf einfache Weise kann dem begegnet werden, wenn man nicht die bereits gefirnissten Tapeten des Handels aufzieht, sondern gewöhnliche Tapeten, die man erst an der Wand nach dem Austrocknen mit einem Firniss überstreicht. Hierzu kann gewöhnlicher Harzfirniss verwendet werden. Das Verfahren findet vielfache Anwendung in England, wir sahen es auch hier zu Lande in letzter Zeit wiederholt mit Erfolg ausgeübt und können es der Nachahmung empfehlen. (Pf. in der Badischen Gewerbezeitung, 1894 S. 292.)

Die Anwendung der Elektricität zum Verstählen von Eisen.

Das Verfahren, mittels Cementirens Eisen in Stahl zu verwandeln oder seine Oberfläche zu härten, ist schon lange bekannt, doch scheint es, als ob es niemals völlig verstanden worden wäre. Réaumur war der erste, der in das Geheimniss einzudringen versuchte, aber seine Arbeit war weit davon entfernt, Klarheit in die Sache zu bringen. Die verschiedenen Zuthaten, bestehend aus Kohle, und die Anwendung von Salz, Leder, Hornabfällen u.s.w. dienten nur dazu, die Wissenschaft zu täuschen, ohne einen weiteren Erfolg zu erzielen.

Jules Garnier kam auf den Gedanken, dass die Anwendung des elektrischen Stromes, bei welchem die Kohle die Anode und das Metall die Kathode bildet, zu günstigeren Ergebnissen führen könne.

In den Comptes Rendus beschreibt er seine ersten Versuche, die er folgendermaassen anordnete: In eine feuerbeständige Röhre legte er einen Kohlenstift und einen Metallstab, der 0,1 Proc. Kohle enthielt, mit den Enden an einander stossend. Das Ganze wurde in wagerechter Lage in einem Flammenofen erhitzt, während gleichzeitig eine Gramme-Maschine den elektrischen Strom lieferte, welcher mit seinem positiven Pol an die Kohle geleitet wurde und durch das Metall wieder austrat. Das Bestreben war dahin gerichtet, die Moleküle der Kohle durch die Hitze beweglich zu machen und dadurch mit dem elektrischen Strom dieselben überzuführen und zwar derart, dass es mit einer geringen Spannung zu erreichen ist.

Um den Widerstand zu überwinden, genügte ein Strom von 7 Volt und 55 Ampère, der drei Stunden lang durchgeschickt wurde. Nach dieser Behandlung wurde der Stahl schnell aus der Röhre gezogen und im Wasser abgekühlt. Das der Kohle entgegengesetzte Ende hatte einen solchen Härtegrad erreicht, dass man damit leicht Glas ritzte; bei der Bearbeitung mit einer Schmirgelscheibe zeigte sich der Stahl bis auf eine Tiefe von 10 mm gehärtet. An dem anderen Ende, der Berührungsfläche mit der Kohle, war die Kohle rauh geworden. Der Versuch wurde bei einer Temperatur von etwa 900 bis