Text-Bild-Ansicht Band 292

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Diese in Fig. 49 nach Der praktische Maschinenconstructeur, 1890 Bd. 24 Nr. 7* S. 51, dargestellten Kapständerwinden arbeiten mit zwei Seilgeschwindigkeiten von 1 und 1,5 m/Sec. weshalb die Windenglocke a zwei Seilläufe mit 0,4 und 0,6 m Durchmesser bei 30 mm Wandstärke für 20 mm Seildicke besitzt. Dieselbe wird mittels einer 110 mm starken Kurbelwelle von drei einfachwirkenden Cylindern d mit 45 minutlichen Umläufen bethätigt, die in der oberen Lagersäule b und dem unteren Lagerring g sich führt.

Dieses Ringlager g ist an drei Füsse der Mittelplatte c angeschraubt, während jeder der einzelnen Arbeitscylinder d an diesen Füssen befestigt ist, so dass sämmtliche Triebwerkstheile in einem starren Gestellkorb lagern. Für jeden Cylinder d ist ein entlasteter Vertheilungsschieber f vorgesehen, dessen Schieberkasten m auf einem doppelten Ringrohr h sitzt, der am Lagerring g angeschraubt ist.

Nun ist das äussere Ringrohr für die Zuleitung des auf 52 k/qc gespannten Druckwassers, das innere weitere Ringrohr für die Ableitung des Kraftwassers bestimmt, während zwischen beiden die drei Verbindungsrohre zu den einzelnen Arbeitscylindern d im Schieberspiegel münden. Alle drei Schieber f werden durch eine einzige Excenterstange gesteuert, und während die Mittelplatte c auf der Grundplatte n festgeschraubt ist, kann diese Grundplatte n um ihre Seitenzapfen bei ausgedrehten Stütznasen v, sowie (Fig. 49) um die wagerechte Mittelachse schwingen, so dass sämmtliches Triebwerk nach oben frei zu liegen kommt. Mittels eines Druckknopfes wird ein Gewichtshebel und damit ein Regulirventil durch den Fuss des Führers nach Eröffnung des Absperrschraubventils bethätigt, dessen Rohr durch den Schwingungszapfen der Grundplatte n geleitet ist, während das Ablaufrohr am gegenüberstehenden Schwingungszapfen angeschlossen ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 248
Jeder der um 120° versetzten radial stehenden Arbeitscylinder hat bei 8,5 cm Durchmesser und 10 cm Kolbenhub einen Inhalt von

56,7 . 10 = 567 cc

also für drei Cylinder und eine Umdrehung der Kurbelwelle eine Wassermenge von 567 . 3 = 1700 oder annähernd 1,7 l, was bei einer Wasserpressung von 52 k/qc bezieh. 520 m Wassersäule einer mechanischen Arbeit von 1,7 . 520 = 884 mk entspricht. Wird ein 20 mm-Seil um die Glocke vom Durchmesser 0,4 m geschlungen, so entspricht dies einem Arbeitskreis von 0,41 m Durchmesser bezieh. 1,32 m Umfang, was einer gleichen Wegstrecke der Last für eine Umdrehung gleichkommt. Es wäre daher

884 : 1,32 = 670 k

die theoretische Zugkraft am Seil, während nach Abzug der Leitungs- und Reibungswiderstände nur 400 k als grösste auszuübende Zugkraft in Anschlag gebracht ist, was einem Wirkungsgrade von

400 : 670 ∾ 0,6

entsprechend sein würde.

Werden aber noch 10 Proc. für Wasserverluste in Anrechnung gebracht, so würde bei dieser wirklichen Zugkraft von 400 k ein Wirkungsgrad von 400 : 737 = 0,53 in Anschlag zu bringen sein.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber die Herstellung von Garnen, Bindfäden, Schnuren, Litzen, Seilen u.s.w.

Von H. Glafey, Ingenieur in Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 222 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Eine wagerechte combinirte Seilspinnmaschine, bei welcher die Einrichtung zum Aufspulen des fertigen Seiles zu einem Bündel so gestaltet ist, dass die zur Aufnahme des Seiles dienende Spule ihre Drehbewegung um die Längsachse, sowie auch ihre in axialer Richtung hin und her gehende Bewegung durch das mit gleichmässiger Geschwindigkeit zugeführte Seil selbst erhält, ist in den Fig. 68 und 68a dargestellt. Die Maschine rührt von Th. Norman in Boston her; bei ihr wird erzielt, dass diejenigen Bewegungen, welche die Spule beim Aufwickeln des Seiles auszuführen hat, genau nach Maassgabe der jeweiligen Spannung des zugeführten Seiles stattfinden, so dass das Seilbündel durchweg regelmassig und gleich fest gewickelt wird.

Wie aus Fig. 68 ersichtlich, werden die von den Rollen der sich drehenden Rahmen b ablaufenden Garne zunächst zu Litzen zusammengedreht, welche durch die hohlen Enden der Wellen c hindurch und über mehrere in Rahmen o sich drehende Abziehrollen p geführt und von dem Flügel r zu einem Seile zusammengedreht werden. Von hier aus gelangt das Seil über mehrere Führungsrollen und durch den hinteren hohlen Lagerzapfen des Flügels nach dem Aufspulrahmen v (Fig. 68), indem es durch dessen hohlen Achszapfen f1 hindurch und abermals über Führungsrollen geführt wird. Von der Führungsrolle w aus wird das Seil dann durch eine in Fig. 70 und 71 gezeigte Abziehvorrichtung der im Rahmen v angeordneten Spule a1 zugebracht. Diese Abziehvorrichtung befindet sich, wie aus der in Fig. 68a gezeigten theilweisen Oberansicht der betreffenden Theile ersichtlich ist, hinter derjenigen Stange des Spulenrahmens, an welcher die Führungsrolle w sitzt, und besteht aus einer genutheten Nabe x, die durch ein an ihrem Ende sitzendes Getriebe o2, welches von einem Kettenrade n einer durch den Spulenrahmen hindurchgehenden kurzen Welle aus Bewegung erhält, gedreht wird. Von diesem Kettenrade geht eine Kette n2 über ein zweites