Text-Bild-Ansicht Band 293

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wieder. Die Mechaniker hämmern dagegen die vom Löthen weich gewordenen Gegenstände hart und dicht und verarbeiten sie ohne neues Ausglühen in hartem Zustand. Die zuerst erwähnten Handwerker Löthen zumeist Blech, welches dem Hammer leichter nachgibt als massives Metall, das fast ausschliesslich von den Mechanikern verarbeitet wird. Dies ist auch der Grund, weshalb die letzteren mit einem verhältnissmässig schwerflüssigen Lothe nicht sicher arbeiten können.

Von den untersuchten 38 Hartlothen fallen in Bezug auf Brauchbarkeit für Messing 14 wegen zu geringer bezieh. fehlender Hämmerbarkeit ganz heraus. Es sind dies sämmtlich leicht- bis sehr schnellflüssige Lothe, und zwar die Nr. 9, 15, 18–22, 25–29, 36 und 38. Als zu schwerflüssig sind mit Berücksichtigung aller Umstände diejenigen erkannt worden, deren Schmelzzeit mehr als 14 der oben erwähnten Zeitintervalle beträgt. Dazu gehören Nr. 1–5, 10–14, 16, 17, 23, 30, 31, 33, 34 und 37. Als maassgebend für die Beurtheilung dieser Hartlothe galt ausser dem für Messing überhaupt zu hochliegenden Schmelzpunkt zu träges Fliessen und leichte Oxydirbarkeit im Feuer.

Von den verbleibenden 6 Lothen, die nun die eigentlichen Messinglothe darstellen sollen, fallen wieder die Nr. 6, 7 und 8 heraus, da Messing zu ihrer Herstellung Verwendung finden muss. Ausserdem ist es fraglich, ob ihre Hämmerbarkeit sich ebenso günstig gestalten wird, wenn anderes Messing benutzt wird. Nr. 24 und 26 sind nicht hämmerbar genug; so bleibt von allen untersuchten 38 Hartlotben nur eines, welches allen Anforderungen wirklich entspricht. Es ist dies das wenig bekannte, aber doch in manchen Werkstätten mit grösstem Erfolg benutzte Loth Nr. 32 mit Silberzusatz. Dasselbe ist für Messing jeder Art vollkommen leichtflüssig genug, seine Hämmerbarkeit übertrifft die der gebräuchlichen Lothe um das Doppelte. Das ähnlich zusammengesetzte, allerdings zu schwerflüssige Loth Nr. 31 zeigt eine ganz ungewöhnliche, völlig unerwartete Dehnbarkeit; es sind daher auf Grund dieser Vorzüge weitere Versuche mit solchen Lothen angestellt worden.

5. Erniedrigung des Schmelzpunktes mit gleichzeitiger Erhöhung der Hämmerbarkeit. (Hierzu Tabelle 3 und 4.)

Für die erwähnten Versuche wurden die Lothe der Kupfer-Zink-Reihe mit einem Silberzusatz von 2–6 Proc. neu hergestellt. Die nachstehende Zusammenstellung der Schmelzzeiten und der Dehnbarkeitsziffern lassen das damit erreichte günstige Resultat sofort erkennen.

KupferZink. KupferZinkSilber.

Nr.
Zusammen-
setzung
(Gewichts-
theile.)
Schmelz-
zeit.
Hämmer-
barkeit.

Nr.
Zusammen-
setzung.
(Gewichts-
theile.)
Schmelz-
zeit
Hämmer-
barkeit.

10
61 Kupfer
39 Zink

19,2

2

39
59 Kupfer
39 Zink
2 Silber

15,6

3

11
56 Kupfer
44 Zink

19

2

41
53 Kupfer
43 Zink
4 Silber

14,5

5

12
51 Kupfer
49 Zink

15,6

2

42
48 Kupfer
48 Zink
4 Silber

13,8

5

13
46 Kupfer
54 Zink

14,8

3

43
42 Kupfer
52 Zink
6 Silber

13,4

6

Trotzdem bei Nr. 39 der Schmelzpunkt sehr heruntergegangen ist, bleibt dieses Loth für Messing zu schwerflüssig. Nr. 41–43 haben dagegen so niedrige Schmelzzeit und so hohe Hämmerbarkeit erhalten, dass namentlich Nr. 42 und 43 sich als recht gute Lothe erweisen. Sie werden im Feuer so dünnflüssig, dass sogar Nr. 41 befriedigende Resultate ergeben hat, obwohl dieses Loth zu den strengflüssigen gehört.

Bei der einheitlichen Zusammenstellung in Tabelle 3 ist die Analyse des ausserordentlich dehnbaren Lothes Nr. 31 unter Nr. 40, eine Controlschmelze des Lothes Nr. 32 unter Nr. 44, eine weitere Versuchsschmelze mit 12 Proc. Silber unter Nr. 45 eingefügt. Das Silberloth Nr. 46 gehört streng genommen nicht hierher, es ist aber seiner häufigen Verwendung wegen analysirt und ebenfalls untersucht worden.

Bei der Vergleichung der Schmelzzeiten der Lothe Nr. 40 und 41 fällt es auf, dass das kupferreichere Loth Nr. 41 das leichtflüssigere ist. Ein Herstellungsfehler liegt nicht vor, da letzteres

Textabbildung Bd. 293, S. 90