Text-Bild-Ansicht Band 294

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um und entfernte die Erdmasse rund um den Senkschacht, dadurch kam derselbe wieder ins Loth und sank auch etwas weiter. Versuche, das Ausschachten mittels eines englischen Excavators Jessop's Patent Grab zu bewirken, misslangen wegen der steinigen und festen Natur der Schichten; aus gleichem Grunde konnten Sackbohrer nicht benutzt werden. Von der Methode der Luftschleusen wurde wegen der umständlichen Vorarbeiten und der Aufstellung von Compressoren abgesehen.

Da das weitere Abteufen mit Hand nur sehr langsam und unter grossen Schwierigkeiten, mitveranlasst durch das Heben der sandigen Wasser, vorrückte, schlug der leitende Ingenieur Lindblad vor, Taucher zu Hilfe zu nehmen. Von der Stockholmer Taucher- und Bergungsgesellschaft wurden vier Taucher und zwei Wärter mit zwei Apparaten gesandt und in den Schacht eine doppelte Bühne – unabhängig vom Senkschachte – eingehängt zur Aufnahme der Wärter und Luftpumpen.

Darauf begann die Taucherarbeit am 23. September 1891 in einer Wassertiefe von 4,95 m, bei einer Schachttiefe von 19,84 m unter Tage. Die Massen wurden mittels Blechtonne gefördert, besondere Schwierigkeiten bereiteten im Beginne der Arbeit die vielen Rollsteine zum Theil von dem bedeutenden Gewichte bis 2000 k. Kleinere Blöcke wurden mittels einer klauenförmigen Schere am Seile gefördert, in grössere Blöcke wurde mittels langer Stossbohrer von der unteren Bühne aus, während der Taucher das untere Ende führte, ein 4 bis 5 cm weites Loch gestossen, in welchem dann ein starker Haken zum Anschlagen des Seiles durch Keile befestigt wurde; einzelne Steine wurden durch kleine Dynamitschüsse gesprengt. Mit besonderer Aufmerksamkeit musste das etwaige Aufsitzen des Schachtschuhes auf Rollsteine beobachtet und der Schacht dann, um ein Schief werden zu verhindern, an den Senkschrauben nur langsam bis zur Entfernung der Rollsteine nachgelassen werden.

Bei diesen Arbeiten senkte sich auch das umgebende Gebirge mit dem Holzausbau nach und nach um etwa 2 m, da in Folge Eindringens des Schwimmsandes in den Schacht wesentlich mehr Massen gefördert wurden, als dem Schachtvolumen entsprach. Der gezimmerte Schacht wurde daher nochmals umgebaut und durch einen quadratischen Schacht von 7 m Seitenlänge ersetzt.

Darauf wurde die Taucherarbeit fortgesetzt. Der Sandstein, welchen der Schacht bei 18,6 m Wassertiefe erreichte, zeigte eine Neigung der Schichtflächen von 1°30' und hatte eine unregelmässige Oberfläche, es mussten daher noch 150 mm Sandstein ausgehauen werden, um den Schachtschuh vollständig zum Aufsitzen zu bringen, dann wurde, da ein weiteres Niedergehen des Schachtes nicht zu erreichen war, nach Einbringen einer verlorenen Bretterverschalung der Raum unter dem Schachtschuhe durch Cementmörtel aus 1 Th. Cement und 2 Th. Sand ausgefüllt. Als man nach 3 Wochen das Wasser sümpfte, hatte zwar, wie sich später beim Aufräumen zeigte, der Cementmörtel gehalten, es entstand jedoch an der Schachtsohle ein Durchbruch von Sand und Grus, so dass die Pumpen ausser Betrieb kamen.

Daher entschloss man sich, wiederum unter Verwendung der Taucher, noch weiter im Sandstein bis zur Erreichung festen Gesteins auszuschachten und diesen Schachttheil durch Einbau gusseiserner Ringe zu sichern. Jeder Ring bestand aus 16 Segmenten, hatte 4 m Durchmesser bei 600 mm Höhe, 25 mm Wandstärke und 125 mm Flanschenbreite.

Das Abteufen im Sandstein musste 2 m fortgesetzt werden, bis man festen Stein erreichte, und fand theils mittels Schiessarbeit, theils mittels Keilhauenarbeit statt, die Sumpf- und Einbruchlöcher wurden vom Gerüste aus gestossen. Die drei Eisenringe passten sehr gut zusammen, da die Flanschen glatt gehobelt und die Bolzenlöcher genau gebohrt waren; die Abdichtung gegen das Gestein und der Ringe gegen einander, sowie der wasserdichte Anschluss an den Schuh des Senkschachtes wurde durch Cementmörtel bewirkt. Das Abteufen der 2 m im Sandstein und der Einbau der drei Eisenringe beanspruchte über 4 Monate Zeit. Hiermit waren 35,5 m Schachttiefe und 20,6 m Wassertiefe erreicht.

Dem Cementmörtel liess man 4 Wochen Zeit zum Erhärten, beim Sümpfen des Schachtes ergab sich, dass der Abschluss vollständig geglückt war, der Wasserzufluss betrug nur 0,34 cbm in der Minute, während er im Schwimmsande bei 18 m Schachttiefe 1 cbm betragen hatte. Die Vollendung des Schachtabteufens bis zu 64 m Tiefe erfolgte in gewöhnlicher Weise, der fertig gestellte untere Schachttheil wurde in 300 mm starke Mauerung gesetzt.

Die Taucherarbeit fand in Wassertiefen von 5 bis 21 m, und zwar in 5stündigen Schichten statt; bei den geringeren Tiefen blieben die Taucher 2 Stunden bei der Arbeit und ruhten dann oben 15 bis 20 Minuten aus, in den grösseren Tiefen arbeiteten sie ½ bis 1 Stunde und ruhten 10 bis 30 Minuten. Die Leistung betrug für einen Taucher und die 5stündige Schicht im Schwimmsande bei 11,5 m mittlerer Wassertiefe im Mittel 0;75 cbm Ausschachtung, im Sandstein bei 19,6 m mittlerer Wassertiefe 0,14 cbm. Künstliche Beleuchtung wurde nicht angewendet und wäre wahrscheinlich auch in dem sehr trüben Wasser zwecklos gewesen.

Die beschriebene Taucherarbeit dürfte die umfangreichste sein, die bis jetzt für bergmännische Zwecke ausgeführt wurde, an 119 Arbeitstagen wurde während 2370 Taucherstunden in mit Steinen gemengtem Schwimmsande ausgeschachtet und dann an 148 Arbeitstagen während 2577 Taucherstunden in Sandstein abgeteuft und die Cuvelirung nebst Cementguss ausgeführt.

Die Kosten für die Schachtarbeit bis zu 35,5 m Tiefe ausschliesslich der Materialien für den wasserdichten Ausbau betrugen:

Für Taucherarbeit, Reise- und Transportkosten 29022 M.
Für sonstige Löhne 16790
Für Kohlen, Materialien und sonstige Unkosten 11318
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Hauptsumme 57130 M.

d.h. rund 1600 M. für 1 m Schachttiefe, also etwa 39 Proc. der von Pötsch veranschlagten Summe.

Die Gesammtkosten des 64 m tiefen Schachtes betragen 181913 M., oder 2840 M. für 1 m, ohne Maschine, Kessel und Inventar.

Niederbringen eines Senkschachtes mit Hilfe eines concentrischen Getriebeschachtes.

Nach einer Notiz in der Abhandlung „Versuche und Verbesserungen beim Bergwerksbetriebe in Preussen während des Jahres 1892“ (Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preussischen Staate, 1893 S. 188) wurde