Text-Bild-Ansicht Band 294

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Schwindung in Procenten der Länge beim Erhärten in der Luft von verschiedenen Mischungsverhältnissen.

Mischungsverhältniss Erhärtungsdauer
7 Tage 28 Tage 90 Tage 180 Tage 360 Tage
Alles minus
1 Cement A + 0 Sand 0,026 0,093 0,118 0,194 0,260
1 „ A + 1 „ 0,037 0,052 0,087 0,093 0,160
1 „ A + 0 „ 0,035 0,030 0,065 0,070 0,130
1 „ A + 3 „ 0,025 0,035 0,060 0,065 0,125
1 „ A + 6 „ 0,025 0,025 0,045 0,057 0,100

Es ergibt sich daraus, dass die Schwindung ganz stufenweise mit dem Sandzusatze abnimmt; eine Bestätigung der von Dyckerhoff öfter ausgesprochenen Ansicht.

Es zeigt sich ferner, dass nach 1 Jahre abwechselnder Beanspruchung verschiedener Probekörper durch Luft und Wasser stets Schwindung eingetreten ist.

Bei denjenigen Probekörpern, welche die ersten 90 Tage im Wasser und dann abwechselnd je 14 Tage in Luft und Wasser erhärteten, ist beim reinen Cement ein Schwinden von 0,063 Proc. festzustellen, während derselbe Cement, nur im Wasser erhärtend, eine Dehnung von 0,015 Proc. noch zeigt. Die zugehörigen Sandproben 1 : 3 zeigten ebenfalls ein grösseres Schwinden bei der abwechselnden Beanspruchung (– 0,134 Proc.), als nur bei der Erhärtung im Wasser (– 0,062 Proc.).

Bei den Körpern, die zunächst 90 Tage an der Luft und dann abwechselnd in Wasser und Luft erhärteten, ist das Endergebniss nach 1 Jahr fast gleich. Dasselbe betrug bei reinem Cement bei der abwechselnden Beanspruchung – 0,225 Proc., bei nur Lufterhärtung – 0,246 Proc. Die zugehörigen Normenproben 1 : 3 ergaben im ersten Falle – 0,150 Proc., im letzteren – 0,136 Proc. Also in beiden Fällen fast dasselbe.

Die hydraulischen Bindemittel Norddeutschlands bespricht Regierungsbaumeister R. Kuntze. Verfasser spricht für die ausgedehntere Verwendung von billigeren Cementen, die sich für viele Zwecke sehr gut eignen, und namentlich dort, wo die hervorragenden Eigenschaften des Portlandcementes nicht ausgenutzt werden, angewendet werden sollten. (Centralblatt der Bauverwaltung, 1892.)

H Möller, Professor in Braunschweig, berichtet in der Deutschen Bauzeitung, 1893 S. 255, über Betonproben, die bei Frostwetter mit einem von den Braunschweiger Cementwerken unter Mitbenutzung von granulirter Schlacke hergestellten Cement angestellt wurden. Dieser Cement besitzt die Eigenschaft, nach wenigen Minuten Bindezeit vom Wasser nicht mehr mechanisch aufgelöst zu werden; er fühlt sich wie Thon fettig an und trotzt der auflösenden Wirkung des Wassers schon während der ersten Minuten Bindezeit.

Die Versuche ergaben, dass sich unter Verwendung einer Mischung von 1 Vol.-Th. Braunschweiger Cement, 4 Th. Kies und 5 Th. Ziegelbrocken selbst bei Temperaturen bis zu 4° C. Kälte ein haltbarer Beton herstellen lässt, dessen Bruchfestigkeit bei mittelgutem Ziegelmaterial etwa 15 k beträgt und bei gutem Einstampfen und vorzüglichen Ziegeln noch mehr betragen dürfte.

Einige Worte über Cementlitteratur von Golinelli (Thonindustrie-Zeitung, 1893 S. 659). Verfasser führt die bekanntesten Werke aus der Cementlitteratur an, spricht sein Urtheil über einige dieser Werke aus und erwähnt unter anderem, dass es eine merkwürdige Erscheinung sei, dass Werke von unanfechtbarem Werth, wie das von Michaëlis, Klose, Feichtinger und Hauenschild, noch nicht in Neubearbeitung erschienen sind, sondern sich in dem ehrwürdigen Alter von 10 bis 30 Jahren repräsentiren. Von neuen Werken sind zu erwähnen:

Tarmin, Cement und Kalk (Neubearbeitung von Gerstenbergk's „Cemente“) 1892.

Zwick, Hydraulischer Kalk und Portlandcement. (Neue Auflage.) 1892.

Heusinger v. Waldegg, Die Kalk- und Cementbrennerei, II. Theil. (Neue Auflage.) 1892.

Vom Verein deutscher Portlandcement-Fabrikanten wurde ferner ein Werk über Portlandcement und seine Anwendung im Bauwesen herausgegeben.1) Wie schon aus dem Titel des Werkes hervorgeht, befasst sich dasselbe hauptsächlich mit der Anwendung des Portlandcementes; wer in dem von den Fabrikanten herausgegebenen Werke einiges über die Fabrikation des Cementes zu finden hofft, wird das Buch wieder enttäuscht aus der Hand legen. Das Werk beginnt mit einer recht interessanten historischen Einleitung, geht auf die Eigenschaften und die Prüfung des Portlandcementes über und behandelt dann, wie schon erwähnt, mit besonderer Ausführlichkeit und als Hauptgegenstand die Anwendung des Portlandcementes.

Eingehend werden die Eigenschaften des Betons und dessen Verarbeitung erörtert, und an ganzen Reihen von Beispielen wird gezeigt, in welcher Weise Betonbauten zweckmässig zur Ausführung gelangen. Zahlreiche Abbildungen erleichtern das Verständniss des Textes. Das Werk wird hauptsächlich Ingenieure interessiren und diejenigen Unternehmer, welche beabsichtigen, Betonbauten ausführen zu lassen, oder den Portlandcement in einer oder der anderen Form verwenden wollen.

Dr. R. Zsigmondy.

[Kleinere Mittheilungen.]

Dichtungsring für Wagenachslager von Roessing van Iterson, Obermaschineningenieur der Holländischen Eisenbahngesellschaft.

Da die Bettung auf einem Theile der Strecken der Holländischen Eisenbahngesellschaft aus Sand besteht, so ist es dort sehr schwierig, die Achslager vor dem Eindringen des Staubes und dem Heisslaufen zu schützen. Es ist unbedingt nöthig, dass die Dichtungsringe wirklich dauernd dicht halten. Da die bekannten Dichtungsringe entweder nach kurzer Zeit undicht wurden oder sich in die Achsen einschliffen, so hat van Iterson Filzringe mit Paraffintränkung eingeführt, welche gut dicht halten sollen, ohne die Achsen anzugreifen.

Die Tränkung geschieht in einem eisernen Topfe, in welchem das Paraffin durch ein gewundenes Dampfrohr geschmolzen wird. Nach der Sättigung werden die Ringe herausgenommen, über eine Holzwalze geschoben, damit sie beim Erkalten richtige Form und Durchmesser erhalten, und später unter einer Presse eben gerichtet.

Die Kosten der Tränkung betragen für einen Ring: an Paraffin 0,168 k zu 0,83 M. = 14 Pf., an Lohn 1 Pf., zusammen 15 Pf. Es dürfte sich empfehlen, diesen einfachen und billigen Dichtungsring auch anderweitig zu versuchen. (Organ f. d. Fortschr. d. Eisenbahnw., 1894 S. 190.)

–r.

Sandberg's Goliath-Schiene von 1894.

Ingenieur Sandberg hat den Querschnitt seiner Schiene für Schienen bis rund 50 k/m Gewicht neuerdings in dem Sinne umgestaltet, wie er namentlich auf amerikanischen Bahnen vertreten ist; die Hauptgesichtspunkte sind Erbreiterung des Kopfes, der Laschenanlagen unter dem Kopfe und des Fusses, Gewichtsausgleich

1)

Berlin 1892.