Text-Bild-Ansicht Band 296

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In der letzten Reactionsphase zerfällt dieses schlackige Product unter Bildung von Blei, Bleioxyd und Bleisulfat. Aus den Hannay'schen Darlegungen wird ersichtlich, dass das Bleisulfat einen schädlichen Einfluss auf den Fortgang der Operation übt. Seine Bildung, die theils der Oxydation der flüchtigen Schwefligsäure-Bleiglanzdoppelverbindüng, theils dem Eintritt der Reaction

PbS + 4PbO = 4Pb + PbSO4

zuzuschreiben ist, lässt sich anscheinend nicht wohl vermeiden; es ist aber jedenfalls unstatthaft den Bleisulfatstaub in den Process zurückzuführen: eine Erfahrung der Praxis, die dadurch zu einer theoretischen Forderung umgeprägt wird.

Die Hannay'schen Darlegungen machen es ferner gut verständlich, warum die Behandlung feinkörnigen Bleiglanzes beim Rostsaigerprocesse auf Schwierigkeiten stösst. In diesem Falle wird die Oxydation der Masse durch Luftzutritt in Folge der geringen Korngrösse eine beschleunigte. Es entsteht sehr viel Sulfat; damit steigt die Schmelztemperatur, man muss bei höherer Temperatur arbeiten und vermehrt dadurch wiederum die Sulfatbildung. Diese vermehrte Sulfatbildung veranlasst aber vermehrte Entstehung von Oxysulfid und dadurch wird der Process zu einem irrationellen. Im Uebrigen folgt aus der Hannay'schen Untersuchung nichts, was geeignet wäre, die Praxis des Rostsaigerprocesses umzugestalten. Hannay schlägt allerdings ein verändertes Verfahren vor, aber es ist nicht vollkommen ersichtlich, wie das neue Verfahren mit den eigenen Untersuchungen Hannay's in Einklang zu bringen ist. Nach Hannay's Vorschlag soll der Bleiglanz in einem basischen Converter theils durch Ueber-, theils durch Durchblasen von Luft oxydirt und dabei die eine Hälfte des Bleis als Sulfat verflüchtigt werden, die andere als metallisches Blei zurückbleiben. Will man den Bleiglanz auf Silber verarbeiten, so wird nach diesem ersten Processe ein Theil des Bleisulfats in den Ofen zurückgegeben und durch seine Einwirkung das gewonnene Blei partiell in Glätte und Schlacke verwandelt, während alles Silber in dem restirenden kleineren Bleiquantum verbleibt. Praktische Ergebnisse mit diesem neuen Verfahren scheinen einstweilen nicht vorzuliegen. Seine Bewährung muss jedenfalls abgewartet werden. Die Hannay'schen Ausführungen über das Bleioxysulfid und seine Rolle tragen in manchen Punkten ein hypothetisches Gepräge, seine Ergebnisse bezüglich der Flüchtigkeit des Bleiglanzes in Gasströmen aber sind jedenfalls eine sehr werthvolle Erweiterung unserer bezüglichen Kenntnisse.

Haber.

[Kleinere Mittheilungen.]

Leistungsversuche an einer 150pferdigen Verbundlocomobile von R. Wolf in Magdeburg-Buckau.

Die Firma H. Wolf, welche bisher Verbundlocomobilen in Grössen bis zu 120 baute, hat sich entschlossen, nunmehr auch 150- und 200pferdige Locomobilen herzustellen. An einer solchen normal 150pferdigen Verbundlocomobile für 10 at Betriebsdruck ist seitens des Magdeburger Vereins für Dampfkessel betrieb kürzlich ein Leistungsversuch vorgenommen worden, der den überaus geringen Verbrauch von 0,7733 k Steinkohle und 6,26 k Dampf für die Nutz- und Stunde ergeben hat.

Die Verhältnisse der mit Condensation arbeitenden Dampfmaschine sind folgende:

Hub 540 mm
Durchmesser des Hochdruckcylinders 370
Niederdruckcylinders 680

Der Kessel hat an

Heizfläche 100 qm
Rostfläche 1,55

Letztere war während des Versuches durch Abmauern auf 1,23 qm verkleinert, so dass also das Verhältniss

betrug.

Der Versuch begann um 9 Uhr Vormittags und endete um 1 Uhr Nachmittags; er dauerte sonach genau 4 Stunden.

Beim Beginn des Versuches war das Feuer rein und soweit abgebrannt, dass der Dampfdruck zu fallen anfing; am Ende wurde so gefeuert, dass die Rostfläche ebenso bedeckt und der Dampfdruck im Fallen begriffen war, wie beim Beginn.

Ferner wurde beim Beginn des Versuches die Höhe des Wasserstandes festgestellt; der Dampfdruck stand auf 9,8 at. Während des Versuches war die Temperatur des dem Condensator entnommenen Speisewassers durchschnittlich 35°.

Das Wasser verliess den Condensator mit 37° und das Vacuum daselbst betrug 87 Proc. Das Einspritzwasser hatte eine Temperatur von 2 bis 3°.

Der Wasserstand im Kessel wurde ungefähr auf gleichbleibender Höhe und der Dampfdruck durchschnittlich auf 10 at gehalten. Die Zugstärke unter dem Roste entsprach einer Wassersäule von 5 bis 6 mm, über dem Roste von 7 mm, in der Rauchkammer und dem Fuchs von 9 bis 10 mm.

Die Leistung der Maschine wurde durch zwei Bremsen auf der Schwungradwelle bestimmt. Das Belastungsgewicht P an der linken Bremsscheibe betrug 520 k, an der rechten 427,5 k während des ganzen Versuches; desgleichen war der Hebelarm l jeder Bremsvorrichtung von Mitte Welle bis Mitte Bremsgewicht unveränderlich = 1,230 m. Die Welle der Dampfmaschine machte, wie durch viertelstündliche Zählung und ausserdem mittels eines Umlaufzählers während des ganzen Versuches festgestellt wurde, stets n = 111,2 minutliche Umdrehungen.

Die Nutzleistung der Dampfmaschine war demnach

Verbraucht wurden während der Versuchszeit 561,2 k, also stündlich 140,3 k Steinkohle von Zeche „Ewald“, und 4722 k, also stündlich 1180,5 k Wasser von 35°.

1 k Kohle verdampfte mithin 8,41 k Wasser von 35°;
1 k erzeugte 8,27 k Dampf von 100° aus Wasser von 0°.

Es wurden demnach stündlich verbraucht:

für eine nutzbare 0,7733 k Steinkohle,
6,26 k Dampf.

Nach Beendigung dieses Versuches wurde mit derselben Locomobile ein zweiter Versuch vorgenommen, um festzustellen, mit welcher grössten Leistung sie zu arbeiten vermag. Dieser Versuch begann um 2 Uhr 48 Minuten und endete um 3 Uhr 30 Minuten. Während dieser Zeit war die linke Bremse mit 848,5 k, die rechte mit 658,5 k, beide zusammen also mit 1507 k an demselben Hebelarm von 1,23 m Länge dauernd belastet. Dabei lief die Maschine mit 107 minutlichen Umdrehungen, woraus sich

0,0014 . l . n . P = 0,0014 . 1,23 . 107 . 1507 = 277,6

ergeben.

Während dieser ganzen Zeit hielt sich der Dampfdruck auf 10 at. Die Maschine lief gleichmässig ohne Geräusch, Stoss u. dgl. Die drei Schwungradwellenlager zeigten keine aussergewöhnliche Erwärmung. Es kamen keinerlei Störungen des Ganges oder Unterbrechungen während der Dauer des Betriebes vor.

Eisenbahnkühlwagen (Refrigerator Car).

Auf der Columbischen Ausstellung war nach dem Vorbilde der grossartigen Kühleinrichtungen auf Oceandampfern, welche das Fleisch nach Europa führen, ein Fleischtransportwagen mit Kühlvorrichtung (System Hanraham) ausgestellt, der besonders dazu geeignet scheint, Fleisch und leicht verderbliche Waaren frisch zu erhalten. Dieser Wagen, mit einer Länge von 10,98 m, einer Breite von 2,74 m und einer Höhe von 2,23 m besitzt in der Mitte einen Eisbehälter von der Breite des Wagens und einer Länge von 1,83 m, welcher aus verzinktem Eisenblech erzeugt ist, und dessen Wandungen sehr sorgfältig gegen Wärmeabgabe geschützt sind. Die vier hölzernen Seitenwände besitzen nach aussen eine Verkleidung aus zwei Lagen Filz, welche von einander durch Flechtwerke getrennt sind und nach aussen eine Verschalung aus 9 mm dicken, weichen Brettern tragen. Eine gleiche Verschalung ist auch auf der Innenseite der Wände angebracht, auf welche überdies noch eine neue Filzlage, dann 21 mm starke Eichenbretter, hierauf wieder Flechtwerk, eine Filzlage, 9 mm starke Eichenbretter, abermals Flechtwerk, eine Filzlage und schliesslich ein kräftiger Rahmen aus Eichenholz