Text-Bild-Ansicht Band 296

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dünnere oder durch Combinationen solcher ersetzt, und zwar so lange, bis die Zeile genau die vorgeschriebene Länge erhält (Fig. 2). Gleichzeitig achtet er darauf, dass die Zwischenräume zwischen den einzelnen Wörtern möglichst gleichmässig ausfallen. In gleicher Weise wird die zweite, dritte und jede weitere Zeile gesetzt und ausgeschlossen.

Ist der Winkelhaken auf diese Weise voll geworden, so wird sein Inhalt auf einen grösseren, ähnlichen Behälter, das Schiff (Fig. 3), übergeführt, worauf der ganze Vorgang sich wiederholt u.s.w. Der auf dem Schiff zusammengestellte Satz bildet demnach eine ebene Fläche, in der die Buchstabenbilder liegen, unterbrochen durch vertiefte, in der Fig. 3 schwarz angedeutete Stellen, dort, wo zwischen den einzelnen Wörtern die Ausschlusstücke stehen bezieh. am Anfang oder Ende eines Absatzes die Zeilen eingerückt oder abgebrochen sind, welche Stellen beim nun erfolgenden Einschwärzen der Bildfläche von der Druckerschwärze nicht getroffen werden und beim schliesslich erfolgenden Abdruck weiss bleiben.

Textabbildung Bd. 296, S. 185

Eine ausgeschlossene Zeile genügt also folgenden Bedingungen:

1) sie endigt mit einem vollen Worte oder einer vollen Silbe,

2) sie hat genau die vorgeschriebene Länge,

3) die Zwischenräume zwischen den einzelnen Wörtern sind möglichst gleichmässig.

Correcturen werden in der Weise ausgeführt, dass man die falschen Lettern durch die richtigen ersetzt und nun von Neuem die corrigirten Zeilen durch Ausschliessen auf die normale Länge bringt.

Mit der Herstellung des druckfertigen Satzes ist die productive Thätigkeit des Setzers beendet. Da aber beim Setzen der Schriftvorrath seines Kastens allmählich aufgebraucht wird, so muss Ersatz geschaffen werden. Dies geschieht durch das (dem Setzen vorangehende) Ablegen. Sind nämlich von einem Satz die nöthigen Abdrücke gemacht worden, so ist er als solcher werthlos und wird daher wieder in seine einzelnen Bestandtheile zerlegt, abgelegt, wie der technische Ausdruck dafür lautet. Der Setzer ergreift jedesmal etwa ein bis zwei Wörter mit der Hand, liest sie und fährt schnell über die entsprechenden Fächer des Setzkastens hin, jedesmal den richtigen Buchstaben an der richtigen Stelle fallen lassend. Diese Verrichtung geht so schnell von statten, dass der Setzer in derselben Zeit etwa 4mal so viel ablegt, wie er setzt. Demnach regelt sich das Tagewerk eines Schriftsetzers in der Weise, dass er bei 10stündiger Arbeitszeit die ersten 2 Stunden ablegt und darauf 8 Stunden lang setzt; und zwar legt er im Durchschnitt stündlich 6000 Lettern ab und setzt in der Stunde 1500, so dass seine Tagesleistung 12000 Lettern abgelegten und dasselbe Quantum gesetzten Satzes beträgt.

Die Thätigkeit des Handsetzers ist also dreifach zusammengesetzt: aus Setzen, Ausschliessen und Ablegen.

Sehen wir nun zu, in welcher Weise die Setzmaschine jene Aufgabe des Setzers, eine den obigen Bedingungen genügende Druckform herzustellen, zu lösen sucht. Vier verschiedene Wege sind im Laufe der Zeit eingeschlagen worden, von denen keiner bis zur Gegenwart aufgegeben worden ist, obwohl nur die beiden zuletzt seit 20 bezieh. 10 Jahren betretenen endgültig zum Ziele führen dürften.

Die Setzmaschine älteren Systems, das etwa 50 Jahre lang ausschliesslich verfolgt wurde, und auf welchem etwa 90 Proc. sämmtlicher je gebauten Setzmaschinen beruhen, sucht ihre Aufgabe ganz im Rahmen des Hand Verfahrens zu lösen, indem sie mittels einer Klaviatur aus einem gegebenen nach den einzelnen Charakteren in getrennten Behältern untergebrachten Letternvorrath einzelne Lettern nach Maassgabe des Manuscripts auswählt und mechanisch zur Zeile zusammenstellt. Wenn auch diese Maschine eine allen Anforderungen genügende Druckform erzeugt und in neuester Zeit durch Erfindung selbsthätiger Ausschliessapparate so weit vervollkommnet worden ist, dass sie druckfertigen Satz liefert, so lassen doch fast alle Maschinen älteren Systems bezüglich einer absolut zuverlässigen Letternführung aus den in einer Reihe, im Kreise oder Halbkreise angeordneten Vorrathsbehältern nach der gemeinsamen Sammelstelle zu wünschen übrig. Der winzige, leichte und zerbrechliche Letternkörper, dessen Buchstabenbild zudem beim Lauf durch die Maschine vor jeder Berührung sorgfältig geschützt werden muss, setzt einer Letternführung, bei der die Buchstaben in schneller Aufeinanderfolge, in richtiger Reihenfolge und richtiger Lage an der Sammelstelle eintreffen sollen, die denkbar grössten technischen Schwierigkeiten entgegen. Dazu kommt noch, dass zu einer solchen Setzmaschine als nothwendige Ergänzung eine Ablegemaschine gehört, welche den sich allmählich erschöpfenden Letternbestand der ersteren fortlaufend ergänzt. Das Ablegen mit der Hand geschieht zwar so schnell, dass man diese Verrichtung auch bei Benutzung einer Maschine zum Setzen der Handarbeit überlassen könnte. Mit dem blossen Ablegen ist es indessen nicht gethan. Der denkende Setzer kann allerdings auch aus ungeordneten Haufen, wie sie die Lettern in den einzelnen Fächern des Setzkastens bilden, ergriffene Buchstaben durch Drehen und Wenden in richtiger Lage zusammensetzen. Für eine Setzmaschine aber müssen die Lettern so abgelegt werden, dass sie gleichzeitig in Reih und Glied stehen, eine Arbeit, die weder mit Hand, noch mit Hilfsapparaten in vortheilhafter Weise ausgeführt werden kann. Dazu bedarf es vielmehr einer durchaus selbsthätig wirkenden Maschine.

Textabbildung Bd. 296, S. 185

Zu diesem Behufe gibt es kein anderes rationelles Mittel, als nach dem Vorgang des französischen Mathematikprofessors Gaubert (1840) die Lettern mit gewissen Merkmalen, Signaturen, zu versehen, damit die Maschine sie in ihrer Art lesen, d.h. unterscheiden kann. Dies wird dadurch erreicht, dass man jedem Buchstabencharakter eine ihm eigenthümliche Combination von Einschnitten oder Kerben gibt (Fig. 4), welche mit entsprechenden Vorsprüngen von Durchlässen der Ablegemaschine correspondiren. Kommt nun eine Letter bei ihrer Wanderung durch die Ablegemaschine an eine solche Stelle, an der jene Vorsprünge in ihre Kerben passen, so tritt sie durch den