Text-Bild-Ansicht Band 296

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entsprechenden Durchlass hindurch und wird an dieser Stelle mechanisch abgefangen. Somit sammeln sich die Lettern mit gleicher Kerbencombination reihenweise an je einer und derselben Stelle, d.h. sie sind abgelegt und geordnet.

Schon die Nothwendigkeit einer Ablegemaschine, d.h. eines für die Herstellung des Satzes nicht unmittelbar erforderlichen Apparates, ganz abgesehen von den dabei zu überwindenden technischen Schwierigkeiten, dürfte beweisen, dass die auf diesem Wege gesuchte Lösung der Aufgabe nicht die einfachste ist und daher wohl auch nicht die endgültige sein wird.

Obwohl die technischen Schwierigkeiten, die sich der Lösung der Aufgabe im Rahmen des Handverfahrens entgegenstellen, stets erkannt und nie völlig überwunden wurden, hat es doch annähernd eines halben Jahrhunderts bedurft, bis die natürliche Reaction eintrat, die nun, wie immer, alles Vorhandene negirt und die Herstellung einer Druckform auf einem ganz anderen Wege, nämlich unter Anlehnung an das mittlerweile zu grosser Vollkommenheit entwickelte Stereotypirverfahren, suchte. Man stellte sich nämlich die Aufgabe, die zum Abguss einer Stereotypplatte dienende Matrize (Form), welche beim Stereotypirverfahren durch Abformen einer aus gewöhnlichen Lettern bestehenden Druckform in einer nachgiebigen Masse (durch Kleister mit einander verbundene Papierlagen) erzeugt wird, ohne Vermittelung dieser Druckform direct zu erzeugen. Man construirte daher schreibmaschinenartige Prägeapparate, die mittels einer Klaviatur in einer nachgiebigen Platte (meistens Pappe) nach einander die einzelnen Schriftzeichen einprägten, indem die Platte nach jeder Prägung um die entsprechende Buchstabenweite fortrückte.

Dieser an sich sehr gesunde Gedanke kann aber zu einem praktischen Resultate nicht führen. Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, die einzelnen Prägungen genau in eine Linie zu bringen, den genauen Abstand der einzelnen Zeichen zu wahren und allen Einzelprägungen genau die gleiche Tiefe zu geben, Bedingungen, die minutiös erfüllt sein müssen, wenn die von einer solchen Form gegossene Stereotypplatte den typographisch-ästhetischen Anforderungen entsprechen soll, die sich aber mit Rücksicht auf die in jedem Mechanismus auftretenden Durchbiegungen, die sehr bald eintretende Abnutzung in den Zapfen und Führungen und die von vornherein bestehende Luft zwischen den auf einander wirkenden Theilen nicht erfüllen lassen –, abgesehen von diesen technischen Schwierigkeiten, lässt sich bei diesem System weder das Ausschliessen, noch das Corrigiren in rationeller Weise ausführen.

Schon beim Prägen des zweiten Wortes müsste man seinen Abstand vom ersten kennen, während man diesen Abstand doch erst bestimmen kann, wenn man alle Wörter, welche eine Zeile bilden sollen, beisammen hat. Es bleibt daher nichts übrig, als eine Auszählung und Berechnung des Manuscripts vorzunehmen, dieses in Zeilen abzutheilen und hinter jedem Worte den ausgerechneten Abstand vom nächsten in Einheiten anzugeben. Führt man diese Vorbereitung des Manuscripts ohne Hilfsapparate aus, so wird dadurch eine unverhältnissmässige Mehrarbeit verursacht, welche das Verfahren für die Praxis unannehmbar macht, indem zwei Arbeiter erforderlich werden, einer zur Vorbereitung des Manuscripts und ein zweiter zur Bedienung der Prägmaschine. Um nun den einen Arbeiter zu ersparen, hat man sich die Aufgabe gestellt, ein Manuscript herzustellen, nach welchem die Prägmaschine selbsthätig arbeitet. Das fragliche Manuscript ist ein gelochter Papierstreifen, der auf einem gleichzeitig die Dicken der einzelnen Buchstaben und dadurch auch den Ausschluss registrirenden schreibmaschinenartigen Lochapparat hergestellt wird, derart, dass die Abstände der Löcher vom Rande für die verschiedenen Buchstaben und Ausschlüsse verschieden sind, wie später ausführlich beschrieben werden soll. Ein solches Manuscript kann nun zur selbsthätigen Auslösung der Mechanismen des Prägapparates in richtiger Reihenfolge dienen und macht den Arbeiter am Prägapparat überflüssig. Dann bleiben aber immer noch die vorher gekennzeichneten Mängel der Einzelprägmaschine bestehen.

Dazu kommt noch die Schwierigkeit der Ausführung von Correcturen. Für letztere bietet sich kein anderer Weg, als die von der Correctur betroffene Zeile oder die betroffenen Zeilen auszuschneiden und neue Stücke einzusetzen, die von Neuem im Manuscript ausgeschlossen und geprägt werden müssen. Dass dieses Verfahren umständlich und zeitraubend ist, bedarf keiner weiteren Ausführung. Es kann somit keinem Zweifel unterliegen, dass dieser, im Allgemeinen übrigens auch aufgegebene Weg, niemals zum Ziele führen wird.

Die Aussichtslosigkeit dieser Bestrebungen wurde bald erkannt und man schlug einen dritten Weg ein, indem man wieder zur Zusammensetzung der Druckform aus einzelnen Lettern zurückkehrte, aber mit dem wesentlichen Unterschiede, dass man diese Lettern nicht aus einem gegebenen Vorrath auswählte, sondern sie erst während des Setzens in der durch das Manuscript vorgeschriebenen Reihenfolge einzeln erzeugte und dann zusammensetzte. Durch dieses System wird die lästige Ablegemaschine beseitigt, indem der gebrauchte Satz einfach in den Schmelztiegel der combinirten Giessetzmaschine wandert, die Thätigkeit des Schriftgiessers und Setzers vereinigt und die Möglichkeit gegeben, stets von neuen, scharfen und nicht abgenutzten Typen zu drucken. Die solchergestalt erzeugte Druckform unterscheidet sich nicht im Geringsten von der im Handverfahren hergestellten und entspricht daher allen Anforderungen, und da auch bei der praktischen Durchführung dieses Systems ernstliche technische Schwierigkeiten nicht in Frage kommen, so kann ihm ein dauernder Erfolg nicht abgesprochen werden, obwohl in Folge bisheriger einseitiger Behandlung der Aufgabe eine rationelle constructive Durchführung desselben noch aussteht. Indessen markirt es durch die Vereinigung der Arbeit des Schriftgiessers und Schriftsetzers einen epochemachenden Fortschritt auf dem Gebiete der Satztechnik und bildet zweifellos den Rahmen, in welchem die endgültige Lösung des Setzmaschinenproblems liegt.

Ganz und gar in diesem Rahmen, obwohl sie ihn mit einem durchaus neuen Inhalt erfüllt, verbleibt auch die neueste zur Herstellung einer Druckform eingeschlagene Richtung, die trotz einer Versuchszeit von kaum mehr als 10 Jahren so grossartige praktische Erfolge aufzuweisen hat, wie kein anderes System. Insofern als sie sich die Aufgabe stellt, einzelne Elemente aus einem gegebenen Vorrath auszuwählen, zusammen zu stellen und nach dem Gebrauch wieder in die entsprechenden Vorrathsbehälter