Text-Bild-Ansicht Band 296

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zurück zu führen (abzulegen), greift sie auf das System der älteren Setzmaschine zurück. Wesentlich verschieden von ihm ist aber das neueste System dadurch, dass diese Elemente nicht Lettern sind, sondern Buchstabenformen, und zwar Stempel oder Giessformen (Matern). Nach Maassgabe des Manuscripts werden diese Stempel oder Matern mittels einer Klaviatur zur Zeile zusammengesetzt, diese Zeile auf mechanischem Wege auf die richtige Länge gebracht (ausgeschlossen) und sodann im Ganzen die Stempelzeile in ein nachgiebiges Material geprägt bezieh. die Maternzeile in einem Gusse abgegossen.

In letzterem Falle ist das Erzeugniss ein starrer, aus Schriftmetall bestehender Block von den Dimensionen einer aus gewöhnlichen Lettern gebildeten Zeile mit den erhabenen Buchstabenbildern auf einer Längskante, wie man ihn durch Zusammenlöthen der einzelnen Lettern einer gewöhnlichen Letternzeile erhalten würde. Aus solchen Gusszeilen setzt sich die Druckform zusammen, die sich demnach von einer gewöhnlichen Druckform dadurch unterscheidet, dass die Einheit der letzteren die Einzelletter, hier dagegen eine Zeile ist.

Durch die Prägung von Stempelzeilen erhält man zunächst ein Negativ, nämlich eine Zeilengiessform. Von dieser kann man entweder eine starre Zeile der oben gekennzeichneten Art abgiessen, oder man kann die einzelnen Zeilengiessformen zu einer Columne zusammensetzen und danach in gewöhnlicher Weise eine Stereotypplatte herstellen. Correcturen werden dadurch ausgeführt, dass man die davon betroffenen Zeilen ausmerzt und durch neue ersetzt.

Da es sich bei dem neuesten System im Wesentlichen um eine Setz- und Ablegemaschine handelt, könnte man geneigt sein, auch hier dieselben technischen Schwierigkeiten vorauszusetzen, von denen bei Besprechung des älteren Systems die Rede war. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, dass jene Schwierigkeiten dort durch den winzigen Letternkörper bedingt waren, hier dagegen für die Elemente nur die eine Dimension, nämlich die Dicke, durch das Buchstabenbild vorgeschrieben ist, während die übrigen Dimensionen und Formen ganz beliebig sein und daher in einer sowohl für den Transport nach der Sammelstelle als auch für die bequeme Anbringung von Ablegesignaturen zweckmässigen Weise bemessen und gestaltet werden können. Sind also bei dem älteren System die Dimensionen und die Gestalt des zu setzenden und abzulegenden Elements von vornherein gegeben und handelt es sich dabei für den Constructeur darum, nachträglich die geeigneten Mechanismen zu finden, die demnach an gewisse Bedingungen gebunden sind, so ist bei dem neueren System die Sachlage eine völlig umgekehrte und technisch wesentlich günstigere, indem man von vornherein eine einfache und sicher wirkende Transport- und Ablegevorrichtung willkürlich wählen kann und nachträglich den zu transportirenden bezieh. abzulegenden Elementen die erforderlichen Dimensionen und die zweckmässigste Gestalt gibt. Dadurch sind die technischen Schwierigkeiten bei diesem System vermieden.

Nachdem im Vorhergehenden die bisher eingeschlagenen Wege zur mechanischen Herstellung einer Druckform und ihre constructiven Mängel bezieh. Vorzüge gekennzeichnet worden sind, handelt es sich darum, die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Systeme in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu untersuchen.

Dass eine aus kunstgerecht gegossenen Einzellettern, mögen dieselben aus einem fertigen Vorrath entnommen oder erst während des Setzens erzeugt werden, zusammengesetzte Druckform einen tadellosen Druck ergibt, ist selbstverständlich, selbst wenn der Satz mit einer noch so unvollkommenen Maschine hergestellt sein sollte. Das exacte Letternmaterial allein verbürgt unabhängig von der Art des Zusammensetzens die Tadellosigkeit des Enderzeugnisses.

Anders ist die Sachlage bei den Einzelprägmaschinen. Die kleinste Ungenauigkeit im Functioniren des Mechanismus spiegelt sich im fertigen Enderzeugniss wieder. Daher zeigt es sich bei den von Stanzmatrizen dieser Art genommenen Abdrucken, dass die Buchstaben nicht Linie halten, ungleiche Abstände haben, zum Theil schief stehen, ungleich stark und in der Farbe bald heller, bald dunkler erscheinen. Diese Mängel sind principieller Natur und lassen sich, wie bereits früher angedeutet, durch eine noch so sorgfältig gebaute Maschine nicht vermeiden.

Eine gewisse Mittelstellung nehmen die Zeilenpräg- bezieh. -giessmaschinen ein. Die Herstellung absolut exacter Stempel oder Giessformen (Matern) ist durch geeignete Specialmaschinen immer möglich. Es wird sich daher aus solchen Elementen eine ebenso correcte Zeile herstellen lassen wie aus mathematisch genauen Lettern. Ein kleiner, im Laufe der Zeit aber bereits wesentlich geminderter und sehr wahrscheinlich demnächst gänzlich überwundener Uebelstand besteht darin, dass die Buchstabenbilder einer nach diesem System gegossenen Typenzeile noch nicht mathematisch genau in einer Ebene liegen, wie bei einer aus gewöhnlichen Lettern zusammengesetzten Zeile, und dass sich demnach solche Zeilen für die feinsten Druck arbeiten zur Zeit noch nicht eignen. Dagegen genügen sie in vollstem Maasse den Anforderungen, welche an Druckarbeiten im Allgemeinen gestellt werden und für deren Herstellung Maschinen allein in Betracht kommen können.

Die quantitative Leistung einer Setzmaschine hat, wie bereits erwähnt, eine Maximalgrenze, da die ständige Mitwirkung eines Arbeiters nicht entbehrt werden kann. Wird dieselbe auch in vortheilhaftester Weise lediglich auf die Bethätigung einer Klaviatur beschränkt, deren Tasten er nach Maassgabe des Manuscripts anschlägt, während alle anderen Operationen, nämlich das Ausschliessen und das Ablegen, wo solches in Frage kommt, sich selbsthätig vollziehen, so beziffert sich dieses Maximum bei dauerndem Betriebe auf 8000 Tastenanschläge oder ebenso viel gesetzte bezieh. geprägte Elemente für den Mann und für die Stunde.

Diese Leistung sinkt in dem Maasse, wie das Ausschliessen und Ablegen ganz oder theilweise selbsthätig zu erfolgen aufhört, und übersteigt kaum noch die Leistung des Handsetzers, wenn Ausschliessen und Ablegen gänzlich der Handarbeit überlassen bleiben.

Die vorstehenden allgemeinen Erörterungen waren erforderlich, um den Leser in ein bisher unbekanntes Gebiet der Industrie einzuführen und ihn in die Lage zu setzen, die Fortschritte auf diesem Gebiete, die demnächst auch für die deutsche Industrie von praktischem Interesse sein werden, kritisch verfolgen zu können. Ich gehe nunmehr zur detaillirten Beschreibung der gegenwärtig in der Einführung begriffenen amerikanischen Setzmaschinen über und beginne mit den Maschinen älteren Systems.

(Fortsetzung folgt.)