Text-Bild-Ansicht Band 297

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Aus oben angeführter Differenz der Kalimengen lässt sich jene hier durch Wägung gefundene Differenz, welche das absolute Gewicht des Körpers C26H52CO = 392 ausdrückt, berechnen.

Nach der Gleichung:

392 : 56 = x : 0,0032 g KOH

ergibt sich:

392 : 56 = x : 0,0077 g KOH

392 : 56 = x : 0,1674 g KOH

für x = 0,0224 g, 0,0539 g, 0,1171 g.

Diese Zahlen müssten nun genau, wenn unsere Annahmen richtig wären und die erwähnten Fehlerquellen bei den Verseifungsprocessen womöglich vollständig ausgeschlossen gewesen wären, der Differenz der Gewichte der unverseifbaren Bestandtheile, welche nach beiden Verseifungsarten erhalten worden sind, entsprechen. Wenn wir das Fett aus russischer Wolle vorläufig ausser Betracht lassen, so ergibt sich dann Folgendes:

Neu-Seeland Amerika
Durch Wägung gefundene Differenz 0,0248 g 0,0490 g
Aus der Kalimenge berechnete Dif-
ferenz

0,0224 g

0,0539 g
–––––––– –––––––
+ 0,0024 g – 0,0049 g.

Das eine Mal 0,0024 mg mehr, das andere Mal 0,0049 mg weniger als berechnet worden ist, oder procentual ausgedrückt: + 0,34 Proc. und – 0,49 Proc. Der Fehler, der bei diesen Annahmen zwischen gefundener und berechneter Menge dieses Körpers oder besser Atomcomplexes vom Moleculargewicht 392 in vorliegenden zwei Fällen auftritt, liegt innerhalb der Grenzen von 0,83 Proc.

Das schon in der ersten Arbeit11) erwähnte eigenthümliche Verhalten des russischen Wollfettes beim Verseifungsprocess zeigt auch hier bei den gewichtsanalytischen Bestimmungen der unverseifbaren Körper ganz abnorme Erscheinungen. Es muss bei Druckverseifungen die Verseifungszahl naturgemäss steigen, aber der durch Wägung gefundene Extract muss gegenüber dem bei gewöhnlicher Verseifung erhaltenen um ein bestimmtes Gewicht, wie oben ausgeführt worden ist, kleiner sein. Die Wollfette aus Neu-Seeland- und amerikanischer Wolle zeigen diese Regelmässigkeit in übereinstimmender Weise. Das russische Wollfett aber verhält sich gerade umgekehrt.

Aus den Verseifungszahlen berechnet sich analog den oben angegebenen Verhältnissen die Menge jenes Körpers von hypothetischer Zusammensetzung C26H52 . CO zu 11,71 Proc. Bei Bestimmung des Unverseifbaren unter Druck hätte demnach gefunden werden müssen anstatt 38,88 Proc.: 37,20 Proc. weniger 11,71 Proc: das sind 25,49 Proc. Statt dessen hat sich eine Vergrösserung der Extractmenge nach entgegengesetzter Seite hin ergeben um 1,68 Proc. Wollte man diese Zunahme einer Zersetzung des Wollfettes während der Verseifung unter Druck zuschreiben, so wären nicht weniger als 13,4 Proc. Zersetzungsproducte entstanden. Dieser Fall ist aber ausgeschlossen, denn die beim russischen Wollfett erhaltenen Acetonauszüge verhielten sich in Bezug auf Farbe, Geruch, Viscosität und chemische Eigenschaften genau wie die Extracte der anderen Wollfette, so dass die Ursachen des abweichenden Verhaltens dieses Fettes anderswo gesucht werden müssen, was weiteren eingehenderen Untersuchungen vorbehalten bleibt.

IV. Untersuchungen über die Zusammensetzung des Wollfettes.

Nachdem in der beschriebenen Weise ein Verfahren gewonnen worden ist, welches einfach in der Ausführung und exact in seinen Ergebnissen bezeichnet werden darf, sollte die Untersuchung des Wollfettes auf die einzelnen Körper ausgedehnt werden, indem grössere Mengen Fett in Arbeit genommen wurden. Dabei schien es mir nun von grossem Vortheil, um einen ungefähren Ueberblick über das Verhalten eines Fettes zu bekommen, in nachfolgend beschriebener Weise eine Voruntersuchung anzustellen.

Es wurden 2 g Fett abgewogen, in Aether gelöst, mit ½-normalalkoholischem Kali die Säurezahl festgestellt; der Aether wird vollständig vertrieben, die gebildeten fettsauren Kalisalze in Kalksalze verwandelt und mit Aceton extrahirt; der Extract wird bestimmt, er enthält: leicht verseif bare Fettsäureäther, schwer verseifbare Aether- und Alkohole – Extract I. In je zwei weiteren Proben von 1 bis 2,5 g wird die Verseifungszahl am Rückflusskühler und unter Druck, alsdann nach Darstellung der Kalksalze gewichtsanalytisch das Unverseifbare durch Extraction dieser Salze mit Aceton bestimmt. Wir erhalten so Extract II, das sind Alkohole + schwer verseif bare Fettsäureäther, und Extract III, das sind nur Alkohole. Die Differenz zwischen Extract 1 und der zu dieser Bestimmung abgewogenen Menge Fett gibt uns direct das absolute Gewicht der freien Fettsäuren, deren Moleculargewicht durch die angestellte Bestimmung der Säurezahl bestimmt ist.

Die Differenz zwischen den Bestimmungen I und II gibt uns nun erstens die Menge KOH an, welche zur Verseifung der leicht zerlegbaren Aether verbraucht worden ist, zweitens aber durch die gewichtsanalytischen Daten die absolute Menge jenes hypothetischen Atomcomplexes, der zur Bildung von fettsaurem Kali eben jene Menge KOH gebraucht hat. Denn besteht Extract I aus:

x(C15H31COOC26H43) + y(C26H53COOC26H43) + z(C26H43OH)

und Extract K aus:

x(C26H43 . OH) + y(C26H53COOC26H43) + z(C26H43 . OH),

so ergibt sich analog der früheren Betrachtung durch Differenz ein Körper vom Moleculargewicht C15H30. CO, der mit 1 Mol. KOH palmitinsaures Kali bilden würde, C15H31.COOK, wenn wir annehmen, dass das Moleculargewicht der Palmitinsäure jenes der Fettsäuren der leicht zerlegbaren Aether sei.

Das Moleculargewicht der Fettsäuren, welche mit Alkoholen zu leicht zerlegbaren Aethern verbunden sind, und jener, welche zu schwer verseifbaren Körpern vereinigt sind, wird folgendermaassen bestimmt. Man verseift 20 g Fett am Rückflusskühler, stellt die Kalksalze dar und extrahirt.

Der so gewonnene Extract wird unter Druck in bekannter Weise verseift, aus dem Verseifungsproduct die Kalksalze gefällt und diese ebenfalls extrahirt. Wir haben so zwei Gruppen fettsaurer Kalksalze: a) diejenigen der leicht verseif baren, b) diejenigen der schwer verseif baren Aether. Diese Kalksalze werden zur Darstellung der freien Fettsäuren mit concentrirter HCl zu einem feinen Brei verrührt und über Nacht stehen gelassen; alsdann mit H2O gekocht. Das Kochen mit Salzsäure wird wiederholt, um die vollständige Zerlegung zu erreichen, da diese Kalksalze dem Angriff der Salzsäure ziemlich hartnäckig widerstehen; vortheilhaft ist es, die Zerlegung im Kolben am Rückflusskühler

11)

D. p. J. 1894 292 42 und 66.