Text-Bild-Ansicht Band 297

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in Alkohol bewerkstelligt. Nach beendigter Esterification wurde die Masse in viel Wasser gegossen, die gebildeten Fettsäureäther mit Aether aufgenommen, die Aetherlösung gewaschen, über geglühter Potasche getrocknet und nach der Verdunstung des Aethers destillirt. Es zeigte sich indessen, dass auf diese Weise die von mir erwartete Trennung nicht herbeizuführen war, da erstens die erhaltenen Aether tiefbraun gefärbt waren und beim Destilliren unter Abgabe saurer Dämpfe sich leicht zersetzten. Die Anwesenheit ungesättigter Fettsäuren in dem Säuregemisch lässt vermuthen, dass beim Einleiten gasförmiger HCl als Nebenreaction eine Anlagerung von HCl am Orte der doppelten Bindung stattfindet, so dass schliesslich ganz neue Körper entstehen, deren leichte Zersetzbarkeit störend einwirkt. Es wurde deshalb die Esterbildung durch 24stündiges Erhitzen des Fettsäurealkoholgemisches unter Zusatz von wenig concentrirter H2SO4 (berechnet) am Rückflusskühler bewerkstelligt. Die Fettsäureäther wurden so als hellgelbe, angenehm riechende Masse von butterartiger Consistenz erhalten, welche beim Destilliren sich nur wenig zersetzte und bei 21 mm Druck bis 290° fast vollständig als wasserhelle Flüssigkeit überging, die in der Vorlage zu einer schwach gelb gefärbten krystallinischen Masse erstarrte. Noch einfacher aber gestaltete sich dieser Process, als ich versuchte, die extrahirten Kalksalze direct unter Zugabe von concentrirter H2SO4 und absolutem Alkohol am Rückflusskühler zu esterificiren. Es wurden ungefähr 2,5 g mit Aceton extrahirte, nach gewöhnlicher Verseifung erhaltene Kalksalze mit absolutem Alkohol und der berechneten Menge H2SO4 am Rückflusskühler esterificirt; die Abscheidung der Fettsäureäther erfolgte wie beschrieben. Erhalten wurden 2,6925 g Aether, das ist, unter Annahme eines Moleculargewichts der Fettsäuren von 256, die theoretische Menge. Diese wurden, um die Menge der noch nicht esterificirten Fettsäuren festzustellen, titrirt; es ergab sich so eine Menge von 0,0267 g freien Fettsäuren, das sind 0,9 Proc.

Mit diesem Theile der von mir unternommenen Untersuchungen über Wollfett bin ich zur Zeit noch beschäftigt. Die bis jetzt erhaltenen Resultate lassen erkennen, dass der eingeschlagene Untersuchungsgang das von mir verfolgte Ziel der Isolirung der einzelnen Säuren erreichen lässt.

Darüber soll später besonders berichtet werden.

Chemnitz, Laboratorium der Kgl. Technischen Staatslehranstalten, April 1895.

Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.

(Fortsetzung des Berichtes S. 141 d. Bd.)

VI. Analyse.

Unter dem Titel „Zur quantitativen Bestimmung der Kohlehydrate“ bespricht E. Schulze in der Chemiker-Zeitung, 1894 Nr. 29 S. 527, das bisher übliche Verfahren, die Kohlehydate in der Weise zu bestimmen, dass man dieselben durch Kochen mit Mineralsäuren in Glukose umwandelt und die Menge der letzteren mit Hilfe Fehling'scher Lösung entweder titrimetrisch oder gewichtsanalytisch ermittelt. Verfasser verweist darauf, dass auf diesem Wege zuverlässige Resultate schon bei Bestimmung einzelner Kohlehydrate nur bei genauer Einhaltung der für die bezüglichen Operationen gegebenen Vorschriften erhalten werden, und dass besonders bei der Analyse eines Gemenges derselben, wie sie in Pflanzenextracten sich fast immer vorfinden, die Anwendung dieses Verfahrens mit grossen oder unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden sein kann und zwar aus folgenden Gründen:

1) Die Urnwandelung der Di- und Polysaccharide in Glukose erfolgt mittels der heissen, verdünnten Mineralsäuren unter den gleichen Versuchsbedingungen nicht mit gleicher Schnelligkeit, und selbst bei einander sehr ähnlichen Kohlehydraten, wie z.B. bei den zur Rohrzuckergruppe gehörigen Zuckerarten, Rohrzucker, Milchzucker, Maltose und Trehalose, oder auch den Kohlehydraten der Stärkemehlgruppe, dem Stärkemehl, dem Inulin und der Cellulose, treten in diesem Punkte oft sehr bedeutende Unterschiede hervor.

2) Die hydrolytische Spaltung der Di- und Polysaccharide durch die Säuren ist keineswegs ein glatt verlaufender Process, weil in geringem Maasse immer eine als Reversion zu bezeichnende Wirkung in entgegengesetztem Sinne sich vollzieht, in Folge deren bereits gebildete Glukose zu complicirteren, den Disacchariden oder Dextrinen wohl am meisten gleichenden Körpern zusammentritt.

3) Die Glukosen werden bei längerem Erhitzen mit den genannten Säuren nach und nach theilweise in Huminsubstanzen und in Lävulinsäure, Ameisensäure u.s.w. zersetzt.

4) Die verschiedenen Glukosen reduciren verschiedene Mengen Fehling'scher Lösung, so dass die genaue Kenntniss der in den zu untersuchenden Flüssigkeiten enthaltenen Glukosearten zur Berechnung derselben unumgänglich erforderlich ist.

Nach einer ausführlichen Begründung dieser vier Sätze durch eine Reihe von Arbeiten anderer Forscher kommt Verfasser zu dem Schluss, dass die Inversionsmethode zur Bestimmung der Kohlehydrate in vegetabilischen Substanzen nur in beschränktem Maasse angewandt werden kann und dass dieselbe nur unter ganz bestimmten Bedingungen richtige Zahlen liefert. – In allen solchen Fällen aber, in denen diese Vorbedingungen zur Erlangung sicherer Resultate fehlen, in denen man aber wegen Mangels einer besseren Methode trotzdem zur Inversion zu greifen gezwungen ist, muss die Benutzung der auf diesem Wege gewonnenen Werthe mit der entsprechenden Vorsicht erfolgen.

Eine quantitativ-colorimetrische Untersuchungsmethode auf Kohlehydrate ist Neitzel in Altfelde, Kreis Marienberg, patentirt (D. R. P. Nr. 72982 vom 26. Juli 1892). Patentinhaber verwendet zu diesem Zwecke die bisher nur zum qualitativen Nachweis von Zucker oder anderen Kohlehydraten benutzte, bekannte Farbenreaction, welche beim Vermischen der Lösungen dieser Körper mit Schwefelsäure und einem aromatischen Amin, Alkohol oder Phenol auftritt. Nach der neuen quantitativen Methode wird die Zeit festgestellt, welche vom Augenblick der Herstellung der Mischung in bestimmten Verhältnissen bis zu demjenigen Augenblick verfliesst, in welchem eine durch die Lösung hindurch betrachtete, constante Lichtquelle eben unsichtbar geworden ist, und dann diejenige Menge Kohlehydrat (Zucker), welche dieses Verschwinden der Lichtquelle in dem gleichen Zeitraum bewirkt, durch Vergleichung mit einer analog behandelten Kohlehydratlösung von bekanntem Gehalt oder auch auf Grund einer empirischen Tabelle ermittelt. Die Methode eignet sich zur Untersuchung der Abwässer der Zuckerfabriken, zur Harn-, Wein- und