Text-Bild-Ansicht Band 297

Bild:
<< vorherige Seite

keinen Schaden nimmt und das Kesselhaus mit warmem und reinem Wasser gespeist würde.

Durch Laboratoriums versuche und mit einem eigens construirten Apparat auf den Verdampfkörpern wurde nun gefunden26), dass die Ammoniakentfernung aus den Saftdämpfen durchgeführt werden kann, wenn man entweder die Dämpfe eine Kalialaunlösung passiren oder aber in die Dämpfe eine feine Douche von einer Alaunlösung einströmen lässt. Hierdurch wird das Ammoniak abgefangen und zwar in einer für die Zuckerfabrikation vortheilhaften Form nach nachstehendem Process:

[Al2(SO4)3 + K2SO4] + 6NH3 + 6H2O = Al2(OH)6 + K2SO4 + 3(NH4)2SO4,

d.h. es werden schwefelsaures Kali, schwefelsaures Ammon und Thonerdehydrat gebildet.

Die schwefelsauren Salze finden als Düngemittel gute Verwendung, während das Thonerdehydrat entweder zur Saftreinigung dienen kann oder aber im Handel Absatz findet. Zur Durchführung des Processes sind besonders kostspielige Apparate nicht nothwendig. Der ganze Apparat lässt sich entweder aus den bestehenden Uebersteigern oder aus einem breiteren, etwa 3 m langen Rohr herstellen; nebstdem ist noch ein grösseres und kleineres Reservoir zum Auffangen der Lösungen nöthig. Am besten ist es, wenn man die Alaunlösung von oben unter Druck in Form einer Douche einströmen lässt. In dem umgestalteten Uebersteiger sind überdies drei oder vier Teller angebracht, welche lediglich den Zweck haben, die Berührung des ammoniakalischen Dampfes mit der Alaunlösung thunlichst zu verlängern. Das an den Tellern sich ansammelnde Thonerdehydrat wird mit Bürsten abgekehrt und sammelt sich alles – Flüssigkeit und Niederschlag – in ein unten stehendes Gefäss. Von hier aus wird das Gemisch der Producte in ein Absatzbassin abgeleitet, wo sich das Thonerdehydrat zu Boden setzt; die klare Lösung der Sulfate kann hierauf in ein flaches Verdampfgefäss geleitet werden. Die zum Einspritzen bestimmte Alaunlösung soll etwa 1 Th. Alaun auf 8 Th. heisses Wasser enthalten. Die Rentabilität stellt sich sehr günstig, indem Hudec für 100 q Rüben bei Verwerthung des gewonnenen Ammoniaks im ungünstigsten Falle einen Gewinn von 1,26 fl. rechnet, wobei sich überdies noch eine Schonung der Kessel herausstellt.

Da sich die Entfernung des gesammten Ammoniaks aus dem Dampfe in der Praxis als unmöglich erweist, so empfiehlt es sich, etwas weniger Alaun einzuspritzen. Hierdurch würden zwar die Brüdenwasser wieder ammoniakalisch werden, doch liesse sich diese Ammoniakalkalität bei guter Arbeit auf ein Minimum zurückführen. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet.

Wenn sich dieses Verfahren thatsächlich in der Praxis bewähren sollte, so wäre allerdings die vielfach ventilirte Frage der Ammoniakgewinnung aus den Saftdämpfen glücklich gelöst.

Zur Filtration der Dicksäfte empfiehlt E. Bäck27) zwischen den Dicksaftreserven und den Filtern, um jede Aenderung der Druckhöhe, welche ein Mitreissen des feinen, bereits an das Filtergewebe angesetzten Niederschlages (also ein Trüben des Saftes) bewirkt, hintanzuhalten, einen sehr einfachen Druck- und Temperaturregulator einzuschalten. Derselbe besteht aus einem kleinen Diffuseur (ältester Form), in welchem eine angebrachte Schwimmerklappe den Zulauf von den Reserven schliesst, sobald das Gefäss zur Hälfte mit Dicksaft gefüllt ist. Im unteren Theile des Gefässes ist eine kleine Heizschlange angebracht, welche stets vom Saft bedeckt bleibt und denselben immer auf der gewünschten Temperatur erhält. Der Apparat, welcher oben durch ein Auspuffrohr geschlossen ist, functionirte die ganze verflossene Campagne tadellos. Für eine tägliche Verarbeitung von 4000 bis 4500 Metercentner Rüben genügten zwei kleine Danĕk'sche Filter à 15 qm Filterfläche.

Zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit stehender Verdampfapparate schlägt H. Claassen28) vor, in dieselben die als sogen. „Rouleauxstangen“ käuflichen Holzstäbe einzuhängen. Die Stäbe nimmt man etwas länger als die Heizrohre und durchbohrt sie oben und unten quer durch, so dass die Bohrlöcher eine Entfernung gleich der Länge des Heizrohres haben. Die Stäbe werden durch passende Eisendrahtstücke befestigt und durch kreuzweise gegenüberstehende Zapfen centrisch gehalten.

Man erhält dadurch einen ringförmigen freien Querschnitt, dessen Breite um so kleiner genommen werden kann, je grösser der im Verdampfkörper herrschende Druck und je grösser die Heizfläche im Verhältniss zu derjenigen der folgenden Körper ist. Im Allgemeinen ist eine Breite des Ringes von 5 bis 7 mm zu empfehlen. Bei einem kleinen Dreikörperapparat, dessen Heizflächen 150 – 90 – 90 qm waren, wurde durch die Einhängung der Stäbe in dem ersten Körper die Leistung um ungefähr ein Drittel erhöht.

Zur Entkrustung der Heizrohre bei den liegenden Verdampfapparaten während des Betriebes empfiehlt Fr. Rod29), den Dampf für den ersten Verdampfkörper abzustellen und den Saft aus dem ersten in den zweiten Körper zu ziehen, bis die Luftleere durch das Saftverbindungsrohr sich annähernd ausgeglichen hat; durch diese Manipulation wird der Apparat, sowie auch die Oberfläche der Heizrohre immer kälter und kälter, und die Kalkkruste zieht sich in Folge der im Verdampfapparat eingetretenen niedrigen Temperatur (65° C.) zusammen. Lässt man den Dampf mit vollem Ventil einströmen, so dehnen sich die Heizrohre aus, die Kruste springt, fällt ab, und die Heizrohre sind von ihrer Umhüllung befreit. Im zweiten Körper ist der Vorgang ähnlich, nur dass statt des Retourdampfes der Saftdampf des ersten Körpers verwendet wird. Das Verfahren soll sich in der Praxis bestens bewährt haben und den üblichen Vorgang der Auskochung der Verdampfapparate mit Salzsäure und Soda ersetzen.

Zur Verhütung bezieh. Beseitigung von Kesselstein verwendet A. Nieske30) chromsaure Salze, welche dem Kesselspeisewasser zugesetzt werden. Der im Speisewasser entweder als Bicarbonat oder als Sulfat enthaltene Kalk wird in Form eines leichten Schlammes im Kessel niedergeschlagen, die Kesselwände bleiben vollkommen blank, ohne dass sie irgendwie angegriffen oder corrodirt werden. Den chemischen Vorgang, welcher bei der Einwirkung von Chromat,

26)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1895 XIX S. 429.

27)

Oesterreichisch-ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirthschaft, 1895 XXIV S. 343

28)

Zeitschrift des Vereins für die Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reiches, 1895 XXXXV S. 1.

29)

Oesterreichisch-ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirthschaft, 1895 XXIV S. 86.

30)

D. R. P. Kl. 12 vom 30. März 1894 Nr. 80220.