Text-Bild-Ansicht Band 297

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z.B. Natriumdichromat, auf Calciumcarbonat bezieh. Calciumsulfat oder ein Gemisch beider Verbindungen stattfindet, drücken die folgenden Gleichungen aus:

1) CaCO3 . CO2 + Na2Cr2O7 = CaCrO4 + Na2CrO4 + 2CO2,

2) CaSO4 + Na2Cr2O7 = CaCrO4 + Na2SO4 + CrO3,

3) [CaCO3 . CO2 + CaSO4] + Na2Cr2O7 = 2CaCrO4 + Na2SO4 + 2CO2.

Ein Ueberschuss von chromsauren Salzen übt keinen schädlichen Einfluss aus. Nach Anwendung von chromsauren Salzen (am besten Bichromate) zeigte sich nach vier- bis fünfmonatlicher Betriebsperiode im Kessel nur ein dünner Schlamm, welcher schon beim Abblasen des Kessels herausgetrieben wurde.31)

Wie bereits in dem letzten Berichte hervorgehoben wurde, so besteht schon lange das Bestreben der Analytiker, eine praktische Methode zu finden, um die Quantität des im krystallisirten Zustande in Füllmassen und Rohzuckern enthaltenen Zuckers feststellen zu können, nachdem die gegenwärtigen Bewerthungsmethoden in keiner Weise entsprechen. Von den vielen vorgeschlagenen neueren Methoden schien das Karcz'sche Verfahren am berücksichtigenswerthesten zu sein, bei welchem das Auswaschen der Krystalle mittels wasserfreien Glycerins erfolgt. F. Strohmer und A. Stift32) haben nun die Methode von Karcz einer eingehenden Prüfung unterworfen und die Resultate in der Arbeit: Ueber die Bestimmung des krystallisirten Zuckers in Rohzuckern und Füllmassen mit Bezug auf die Methode Karcz, niedergelegt. Die Verfasser weisen nun vor allem nach, dass es ungemein schwierig ist, ein gleichmässig reines Glycerin zu erhalten, und dass selbst dasjenige Glycerin, welches in seiner flüssigen Form aus reinstem krystallisirtem Glycerin unter Anwendung aller Vorsichtsmaassregeln gewonnen wird, nicht die Gewähr dafür bietet, dass ein solches auch wasserfrei ist, ja es kann krystallisirtes Glycerin sogar noch bis 5 Proc. Wasser enthalten. Die Karcz'sche Methode geht von falschen Voraussetzungen aus, indem 1) nicht jedes krystallisirte Glycerin wasserfrei ist und 2) reiner krystallisirter Rohrzucker selbst im wasserfreien Glycerin nicht unlöslich ist. Bezüglich der Durchführung der einzelnen Bestimmungen sei auf das Original verwiesen. Die Verfasser kommen zu dem Schluss, dass wegen der Schwierigkeiten alle Versuchsbedingungen bei der Untersuchung ein und derselben Probe durch verschiedene Chemiker vollkommen gleichmässig zu gestalten und des grossen Einflusses geringer Verschiedenheiten in den Versuchsbedingungen auf die Verschiedenheit der Resultate die Methode vorläufig noch ungeeignet ist, als Basis für die Werthbestimmung des Rohzuckers zu dienen; dieselbe kann jedoch als Controle des technischen Fabrikbetriebes von grossem Werth sein, namentlich dann, wenn durch die gleichmässige Gestaltung aller Versuchsbedingungen die erhaltenen Resultate an relativer Richtigkeit und Vergleichbarkeit gewinnen.

Zur Karcz'schen Methode bemerkt auch Holarék33) auf Grund der von Karcz angegebenen Beispiele, dass dieselbe an und für sich kein genügend sicherer Maasstab für die Beurtheilung des Raffinationswerthes des Rohzuckers ist. Man kann die mögliche Production weisser Waare nach Massgabe der durch diese Methode erlangten Zahlen nicht vorhersagen, so lange man nicht zugleich auch die chemische Zusammensetzung des Rohzuckers (wenigstens Polarisation und Wasser) und der verkaufsfähigen Melasse kennt. Kennt man aber dies alles, dann kann man von dieser Methode auch Abstand nehmen. Holarék glaubt aber, dass, wenn diese Methode richtige und verlässliche Zahlen liefert, sie wohl zu einem werthvollen Hilfsmittel zur Beurtheilung der Qualität der Füllmassen und bei der Controle mancher Arbeiten werden kann, wie z.B. beim Waschen des Zuckers, bei der Affination, Erzeugung des weissen Krystallzuckers u.s.w., da sie das Maximum der erzielbaren Ausbeute angibt.

Einen Beitrag zur chemischen Betriebscontrole bezieh. Ausbeuteberechnung in Roh Zuckerfabriken liefert E. Pfeifer34), indem er an einem aus der Praxis geschöpften Beispiele zeigt, wie und mit welchen analytischen Daten die Verlust- bezieh. Ausbeuteberechnung, auf thatsächlichen Ergebnissen beruhend, mit möglichst weitgehender Genauigkeit, ohne Benutzung mehr oder weniger hypothetischer Formeln durchgeführt werden kann und soll.

Ueber einen Condensationswasserabscheider „Patent A. Prosconetz“ mit sichtbarer Function hat bereits E. Donath in vorliegender Zeitschrift berichtet.35)

Ueber den Verdampfapparat System Karlik-Ehrmann berichtet Ehrmann.36) Derselbe ist ein Berieselungsapparat mit rotirendem System von Heizröhren, welches System querst im J. 1878 von Czarlay eingeführt wurde. Bei dem vorstehenden Apparat steigt das Rotationssystem beim Drehen aus der Flüssigkeit heraus und der Saft wird dadurch auf die Röhren in Gestalt einer wirksamen Douche ausgeschüttet. Mit diesem Apparate wurden Proben mit Wasserverdampfung durchgeführt, die ein ausgezeichnetes Resultat ergaben und die höhere Leistungsfähigkeit des Apparates gegenüber Apparaten anderer Systeme erwiesen. In der vergangenen Campagne wurde ein Versuch mit Saftverdampfung durchgeführt und gefunden, dass hier der Transmissionscoefficient bedeutend niedriger als bei der Wasserverdampfung war. Derselbe war bei dem Karlik-Ehrmann'schen Apparate nach 70tägiger Arbeit 57,9 oder rund 58, bei liegendem Apparat auch nach 70tägiger Arbeit 31,5. In Folge dessen würde die Leistungsfähigkeit des Karlik-Ehrmann'schen Apparates 184 Proc. jener des liegenden Apparates betragen. Vergleicht man damit die Ziffern der Wasserverdampfung, so findet man, dass beim Saftverdampfen die Leistungsfähigkeit des Karlik-Ehrmann'schen Apparates nur um 24,8 Proc., beim liegenden Apparat jedoch um 47,6 Proc. gesunken war, was sich

31)

Es ist unbegreiflich, wie ein solches Verfahren zur Reinigung von Kesselspeisewasser vorgeschlagen werden kann. Ganz abgesehen davon, dass man sich hüten wird, relativ so theuere Salze, wie Bichromate, zum gedachten Zwecke zu verwenden, da man doch billigere und rationellere Verfahren zur Verfügung hat, erfüllen Chromate den beabsichtigten Zweck gar nicht. Allerdings ist krystallisirtes Calciumchromat (CaCrO4 + 2H2O) in reinem Wasser ziemlich schwer löslich (in 241 Th. Wasser von 14°), aber dieses Salz scheidet sich nur allmählich aus, wenn eine nicht zu verdünnte Kaliumchromatlösung mit einem Calciumsalze versetzt wird. In Chromsäure haltigem Wasser ist das Calciumchromat aber leicht löslich.

K.

32)

Oesterreich-ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirthschaft, 1895 XXIV S.41.

33)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, XIX 1895 S. 216.

34)

Oesterreichisch-ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirthschaft, 1895 XXIV S. 75.

35)

D. p. J. 1895 296 83.

36)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1895 Bd. 19 S. 447.