Text-Bild-Ansicht Band 297

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dadurch erklären lässt, dass beim ersten Apparat die Röhren vollkommen blank blieben, wogegen dieselben beim zweiten Apparat verunreinigt wurden. Besonders bewährt hat sich aber der Apparat bei der Schlämpeverdampfung und überhaupt bei der Verdampfung solcher Flüssigkeiten, welche stark schäumen und Bodensätze bilden.

Auf der Generalversammlung des Ostböhmischen Zuckerfabriksvereins in Prag am 24. März 1895 berichtete Didek37) über die projectirten Neuheiten der neu gegründeten Zuckerfabrik Przeworsk, welche, da sie ein Bild über die Einrichtung einer modernsten Zuckerfabrik geben, von Interesse sind. Die Fabrik wird auf eine tägliche Verarbeitung von 7000 q eingerichtet werden. Den Hauptgegenstand der Neuheiten bilden: Die Errichtung der continuirlichen Saturation, die vollkommen durchgeführte Disposition geschlossener Calorisatoren vor der ersten und zweiten Saturation und die vollkommene Errichtung der Kochstation für den filtrirten Saft nach der dritten Saturation. Was zuerst die continuirliche Saturation anbetrifft, so sind für die erste Saturation zwei Saturationsgefässe bestimmt, und zwar jedes von 2000 mm Breite, 2000 mm Länge und 7500 mm Tiefe, wovon auf den Saftstand 3700 mm entfallen. In das erste Gefäss wird über die geschlossenen Calorisatoren der Diffusionssaft getrieben, welchem bereits in den Messgefässen 1 bis 1½ Proc. Kalk zugefügt wird, und zwar durch eine am Untertheil des ersten Saturationsgefässes angebrachte Rohrleitung von 150 mm; aus demselben geht er in der Höhe der Saftsäule in das zweite Gefäss über, aus welchem ebenfalls eine am Untertheil des Gefässes befindliche Leitung von 150 mm zu der die Station der ersten Schlammpressen bedienenden Pumpe nach der ersten Saturation führt. Das in dieser Röhrenleitung angebrachte Ventil dient zur Regulirung eines raschen oder langsamen Durchgangs der Flüssigkeit durch die Saturationsgefässe, andererseits aber auch zur Erhaltung der constanten Höhe der Saftsäule in den Saturationsgefässen, wovon der niedere oder höhere Grad der Saftsaturation abhängt. Die Kohlensäure wird in den Untertheil beider Gefässe geleitet und bewirkt in dem ersten Gefäss eine Vorsaturation und im zweiten die Beendigung des Saturationsprocesses. Für die zweite und dritte Saturation ist je ein Gefäss von den bereits erwähnten Dimensionen, von derselben Saftsäule und derselben Höhe des Steigraumes bestimmt. Die Construction der geschlossenen Calorisatoren richtet sich neben der Rücksichtnahme auf gewisse Umstände chemischer Natur hauptsächlich dahin, dass durch die beschleunigte Strömung der den Calorisator passirenden Flüssigkeit der Incrustation der Calorisatorröhren vorgebeugt und der Transmissionscoefficient beim Anwärmen erhöht werde. Bei geschlossenen Calorisatoren, durch welche der Saft mit Hilfe besonderer Pumpen getrieben wird, wird eine Schnelligkeit von 1000 bis 1200 mm in 1 Secunde erzielt und steigt der Transmissionscoefficient auf 11 bis 15 Calorien. Für die Saftanwärmung vor der ersten Saturation sind zwei Gruppen geschlossener Calorisatoren von je 45 qm Heizfläche in 36/42-mm-Röhren projectirt. Die erste Gruppe umfasst zwei Calorisatoren, welche mit dem Dampf aus dem vierten Körper geheizt werden; die zweite Gruppe besteht aus drei mittels des Dampfes aus dem zweiten Körper geheizten Calorisatoren. Die Calorisatoren sind unter einander so verbunden, dass die Ausschaltung eines derselben keine besonderen Schwierigkeiten bereitet. Zum Messen der Temperaturen dienen die Thermometer „Hydra“ und befindet sich das erste beim Eingange der Flüssigkeit in den Calorisator, das zweite dann beim Austritte aus demselben. Nebstdem gestatten Controlfänger das Temperaturabmessen der Flüssigkeiten beim Ein- und Austritte aus den einzelnen Calorisatoren. Aehnlicher Weise sind auch behufs Messens der Dampftemperaturen beim Ein- und Austritte des Dampfes aus den correspondirenden Calorisatoren Controlfänger eingeschaltet. Zur Feststellung des hydrostatischen Druckes in der Druckröhrenleitung, eventuell in den Calorisatoren selbst, dient ein auf denselben angebrachtes Controlmanometer. Zur Verhütung einer eventuell erhöhten hydrostatischen Spannung und zugleich zur Auslüftung dienen sieben an den Oberdeckeln der Calorisatoren angebrachte Ventile. Für die Saftanwärmung vor der zweiten Saturation werden drei Calorisatoren derselben Construction aufgestellt werden. Die ersten zwei werden mittels Dampf aus dem zweiten Körper und der dritte mit jenem aus dem ersten Körper geheizt werden. Auch hier dienen Thermometer zum Messen der Temperatur, ferner werden zu demselben Zwecke wie bei der ersten Saturation Controlfänger angebracht werden. Auf den Oberdeckeln befinden sich ebenfalls die Auslüftungsventile und an der Druckröhrenleitung das zum Druckmessen bestimmte Manometer. Die Einrichtung der Kochstation nach der dritten Saturation ist die folgende: Nachdem der Saft drei Kroog'sche Pressen von je 32 qm Filterfläche passirt hat, wird er mittels einer Pumpe durch den geschlossenen, mittels Dampf aus dem ersten Körper geheizten Calorisator von 45 qm Heizfläche getrieben. Aus diesem gelangt er in den eigentlichen Kochapparat von 80 qm Heizfläche mit zehn Gängen und einem zurückgelegten Weg von 14 m. Dieses Gefäss hat einen Steigraum von 2000 mm und ist oben mit einem Deckel geschlossen, aus welchem eine Dampfröhre von 200 mm geleitet wird. In diesem Gefäss vollzieht sich ein vollkommenes Aufkochen der Flüssigkeit, welches mittels zwei Schaugläsern in dem letzten, d. i. im zehnten Gang, beobachtet wird. Das obere Schauglas liegt um 1000 mm oberhalb des unteren. Auch hier zeigen die Thermometer „Hydra“ die Temperatur beim Ein- und Austritte der Flüssigkeit an. Mittels Controlfänger können die Temperaturen der Dämpfe, wie auch der Flüssigkeiten beim Ein- und Austritte aus den einzelnen Calorisatoren bestimmt werden. Der Dampfverbrauch für 100 k verarbeiteter Rübe ist auf 60 k proponirt.

Centrifugen mit elektrischem Antrieb. In den letzten Jahren wendet man der Anwendung der Elektricität für die Kraftübertragung in Zuckerfabriken lebhaftes Interesse zu und steht der elektrische Antrieb für Centrifugen in vielen Zuckerfabriken in Anwendung. G. Dureau38) berichtet nun über den Betrieb zweier elektrischer Centrifugen, welche in der Zuckerfabrik Abbeville (Departement Sonrnie) aufgestellt sind, und spricht sich über deren Construction und Leistungsfähigkeit durchweg lobend aus. Die Centrifugen sind mit einem Drehstrommotor versehen und Bureau ist der Meinung, dass sich derselbe besser als der Gleichstrom eignen würde. Wenn die Centrifugen mit

37)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1895 Bd. 19 S. 482.

38)

Journal des fabricants de sucre, 1895 Bd. 35 Nr. 2. Siehe auch Die deutsche Zuckerindustrie, 1895 Bd. 20 S. 134.