Text-Bild-Ansicht Band 297

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von L. Nickant und A. Galster42) bezweckt die Reinigung des Saftes in der Weise, dass der mit Kalk gemischte Saft mehrere über einander liegende Pfannen von oben nach unten durchläuft, während gleichzeitig die zur Saturation erforderliche Kohlensäure von unten nach oben durch die Pfannen und deren Inhalt strömt, so dass die frische Kohlensäure zuerst mit dem am meisten saturirten Saft in Berührung kommt und die Saturation sehr schnell mit wenig Kohlensäuregas vor sich geht. Die Zeichnung (Fig. 4) zeigt den Apparat in senkrechtem Längenschnitt. In dem Gehäuse A befinden sich die über einander liegenden Pfannen P, die durch seitliche, aussen am Gehäuse A untergebrachte Pfannen B mit einander verbunden sind. Der bereits mit Kalk vermischte heisse Saft tritt durch das Rohr C ein, muss im Schlangenweg durch die darunter liegenden Pfannen laufen und niesst durch das Siphonrohr E ab. Die Kohlensäure tritt (Fig. 5) durch das Rohr D ein, muss einen Vorraum F passiren und gelangt von hier in eine Anzahl Röhren d, welche am Boden der untersten Pfanne angeordnet und mit seitlichen Oeffnungen versehen sind. Durch diese Oeffnungen strömt das Gas in den Saft, sammelt sich in dem darüber befindlichen Vorraum F der darüber liegenden Pfanne P und geht den Weg in der vorgezeichneten Weise bis in die oberste Pfanne weiter. Von hier gelangt dann die Kohlensäure durch den Schaumfänger 8 ins Freie. Im Inneren der Pfannen P sind in der Mitte Querwände b angeordnet, welche eine bessere Mischung des Saftes herbeiführen sollen, da der Saft über diese Wände hinüberfliessen muss.

Textabbildung Bd. 297, S. 188
Textabbildung Bd. 297, S. 188

Die Hähne G dienen zum Entleeren des Apparates. Die Vortheile des Apparates sind: unbedeutende Schaumbildung, schnelle Saturation und seltene Reinigung während der Campagne. Die Handhabung ist eine leichte und sichere; ausserdem nimmt der Apparat wenig Raum ein.

Vorrichtung zur Wiedergewinnung und Umschmelzung des in Schleudersyrup enthaltenen Krystallzuckers von V. Brenez.43) Bei dieser Vorrichtung wird die gebräuchliche zweite oder dritte Schleuderung des von der ersten Schleuderung herrührenden Syrups, bei welcher nur Zucker von geringer Reinheit gewonnen wird, dadurch ersetzt, dass man beim Einleiten des Schleudersyrups in die Krystallisirpfanne den Syrup vom Krystallzucker getrennt ablaufen lässt und den in der Krystallisirpfanne zurückbleibenden Zucker umschmilzt und wieder in die Fabrikation zurückführt, so dass bei diesem Verfahren nur Zucker von erster Beschaffenheit (erstes Product) gewonnen wird. Das Abscheiden des Syrups vom Zucker und das Umschmelzen des letzteren erfolgt durch Vermittelung von hierzu besonders geeigneten Scheideröhren, welche in einer Krystallisirpfanne angeordnet sind. Fig. 6 zeigt einen Längenschnitt, Fig. 7 eine Oberansicht und Fig. 8 eine Vorderansicht derselben. Die Röhren A sind ihrer ganzen Länge nach durchlocht und mit einem Mantel aus Metallgaze umhüllt, auf welchem sich der Krystallzucker ansammelt, während der Syrup durch die Gaze in das Rohrinnere eindringt und abläuft. Wenn man kein Vacuum anwendet, so sind unter den an einem Ende offenen, aus der Pfanne hervorstehenden Rohrenden Rinnen H aufgestellt, welche den aus den Rohren ablaufenden Syrup aufnehmen und im Sammelreservoir abgeben. Nach Ablauf des Schleudersyrups verschliesst man die offenen Rohrenden mit Kappen und leitet am anderen Ende Dampf ein, während man gleichzeitig reines Wasser in die Pfanne rieseln lässt, bis die ganze Zuckermasse gelöst ist. Die entstandene Zuckerlösung wird dann durch einen Hahn abgezogen. Bei Verbindung mit dem Vacuum bleibt der Vorgang derselbe, dagegen ist die Trennung bedeutend vollständiger, so dass der Vorgang fast einer Schleuderung gleichkommt, indem auch der an den Krystallen haftende Syrup abgesaugt wird.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.

(Fortsetzung des Berichtes S. 164 d. Bd.)

Quantitative Bestimmung der Stärke in der Presshefe von Filsinger und Fickert (Chemiker-Zeitung 1894 Nr. 40 S. 742). Obwohl bereits längere Zeit vollkommen stärkefreie, haltbare Hefesorten von tadelloser Triebkraft vielfach im Handel vorkommen, hält man in manchen Presshefefabriken noch immer an der Ansicht fest, dass ein Zusatz von Kartoffelstärke für die Haltbarkeit der Waare erforderlich ist, oder betrachtet die Stärke auch wohl als ein ausserordentlich zweckmässiges Mittel, das Fabrikat entsprechend zu vergrössern. Die quantitative Bestimmung dieser nicht gerechtfertigten

42)

Oesterreichisches Privilegium vom 12. September 1894, Nr. 44/5787.

43)

D. R. P. Kl. 89 Nr. 79318 vom 3. März 1894.