Text-Bild-Ansicht Band 309

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der Extraction des Goldes mit Elektrolyse nach Siemens und Halske höher stellen als bei dem Pelatan-Clerici-Processe. An der Küste von Maine soll eine Anlage zur Gewinnung von Gold und Silber aus Seewasser errichtet sein. Mit 3,3 M. Unkosten will man 14,5 g Gold im Werthe von 42,3 M. erhalten haben. The Engineering and Mining Journal, 1898 Bd. 65 S. 366, hält diese Daten für eine Speculation auf die, die nicht alle werden.

Verwendet man Gold in Salpetersäure von 1,2 spec. Gew. als Anode, so wird die Flüssigkeit nach A. Bock (Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 358) sofort opalisirend und schnell undurchsichtig. Wird der Strom unterbrochen, so setzt sich ein schwarzbrauner Niederschlag von Gold zu Boden. Lösung im Elektrolyten oder Absetzen auf der Kathode findet nicht statt, so dass also das Gold mechanisch durch die Sauerstoffentwickelung abgesprengt sein muss. Nimmt man ein Gemisch von 1 Vol. obiger Salpetersäure und 6 Vol. Wasser als Elektrolyten, so bleibt er klar, die das Gold begleitenden Fremdmetalle lösen sich und werden an der Kathode niedergeschlagen, während das Gold selbst unangegriffen bleibt. Auf diese Weise kann beim Goldprobirverfahren absolut reines Gold erhalten werden. Die Stromdichte wird wie bei der Kupferprobe genommen.

Krystallisirtes Beryllium erhält L. Lebeau (Comptes rendus, 1898 Bd. 126 S. 744) durch Elektrolyse der geschmolzenen Alkalidoppelfluoride. Am besten eignet sich das bei dunkler Rothglut schmelzende und gut leitende Salz BeF, NaF. Man kann unter Verwendung eines Nickeltiegels als Kathode und eines Stabes aus Graphitkohle als Anode mit einem Strom von 6 bis 7 Ampère und 35 bis 40 Volt arbeiten. Das erhaltene Pulver besteht aus unregelmässigen, von Eisen und Nickel freien Krystallen. Arbeitet man in Kohlentiegeln, die geschmolzenes anderes Metall enthalten, so kann man Legirungen gewinnen. Das reine Berylliumfluorid ist wie die anderen Halogen Verbindungen dieses Metalles ein Nichtleiter, so dass Warren bei seiner Elektrolyse des Fluorids ein unreines Präparat verwendet haben muss.

Zur Darstellung von Berylliumoxyd aus Beryll erhitzt P. Lebeau (Comptes rendus, 1898 Bd. 126 S. 1202) 50 k des fein gepulverten Materials mit 50 k grob gepulverten Calciumcarbids 1½ Stunden mit 1500 Ampère. Er erhält 31,5 k einer homogenen, vollständig geschmolzenen Masse, während 58,2 k noch pulverförmig erscheinen. Das graugrünliche Product zerfällt an der Luft unter Wasseraufnahme. Durch Behandeln mit Flusssäure oder Schwefelsäure erhält man aus ihm 90 bis 95 Proc. des im Beryll vorhandenen Berylliumoxyds (etwa 15 Proc). Ein Borocarbid des Berylliums von der Formel C4Bo 6Be 6 erhält P. Lebeau (Comptes rendus, 1898 Bd. 126 S. 1347) in metallglänzenden Krystallen vom spec. Gew. 2,4 durch Erhitzen eines Gemisches von Berylliumoxyd mit Bor, das mit wenig Alkohol zu kleinen Cylindern gepresst und bei 150° getrocknet worden ist, im Kohlentiegel des elektrischen Ofens mit 950 Ampère und 45 Volt. Eine von Kohle freie Verbindung konnte nie erhalten werden.

Zur Darstellung von reinem Calcium elektrolysirt H. Moissan (Acad. des sciences vom 20. Juli 1898; Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 543) geschmolzenes Calciumjodid bei dunkler Rothglut zwischen einer Kathode aus reinem Nickel und einer Anode aus einem Graphitcylinder, der sich in der Achse eines porösen Gefässes befindet. Die Temperatur wird durch den Strom ungefähr auf dem Schmelzpunkt des Calciumjodids gehalten. Dqdm = 2 Ampère, E = 40 Volt.

Zur Gewinnung von Erdalkalihydroxyden, besonders zur Regenerirung der Rückstände aus den Strontianentzuckerungsanstalten, die Strontium und Calcium als Carbonat, als Sulfat oder an Eisen, Aluminium und Kieselsäure gebunden enthalten, stellen H. und W. Pataky (D. R. P. Nr. 95754) zunächst die Chloride dar und verwenden sie zusammen mit 5 bis 10 Proc. Eisenchlorid als Anodenflüssigkeit in einem Bade, das in der Kathodenzelle eine massig verdünnte Hydratlösung enthält. Als Anode dient Eisen oder Kohle, als Kathode Eisen, Kupfer oder jedes andere durch Erdalkalilaugen nicht angreifbare Metall. Der Apparat wird auf 95 bis 100° erhitzt. In Folge des gleichzeitigen Niederschlagens von schwammigem Eisen haften die Erdalkalihydroxyde gut an der Kathode. Gestaltet man diese scheiben- oder walzenförmig und lässt sie rotiren, so kann man die Hydrate ausserhalb des Bades durch eine Abstreichvorrichtung continuirlich ohne Stromunterbrechung entfernen. Beim Auskochen des Niederschlages lösen sich die Hydroxyde, während Eisen zurückbleibt.

In Alkalibicarbonatlösung aufgeschwemmtes Barythydrat konnte W. Vaubel (Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 331) durch den Strom nicht oxydiren. Krystallisirtes Bariumsulfid erhielt A. Mourlot (Comptes rendus, 1898 Bd. 126 S. 643), wenn er ein theoretisches Gemenge von Bariumsulfat und Kohle im elektrischen Tiegelofen mit 900 Ampère und 50 Volt 4 Minuten lang behandelte. Durch dieselben Ströme kann man auch amorphes Bariumsulfid, das sich in einem Schiffchen in der Kohlenröhre des elektrischen Ofens befindet, schmelzen und dann krystallisiren lassen. Die Krystalle sind farblos in dünner, schwarz und undurchsichtig (wegen Gegenwart von etwas Kohle) in dicker Schicht. Einige haben bläuliche Färbung, die von Spuren Eisen herzurühren scheint. Durch Erhitzen mit Kohle im elektrischen Ofen geht das Bariumsulfid in das Carbid über.

Schon früher (Wiedemann's Beiblätter, Bd. 8 S. 232) haben Tichomiroff und Lidoff die elektrische Zerstäubung von Zink beschrieben. Diese und die des Bleis, Silbers, Platins und Goldes gelang Bredig (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 4 S. 514), wenn er unter reinem Wasser mit den betreffenden Metalldrähten einen elektrischen Lichtbogen bildete. So kann man sehr fein vertheiltes und katalytisch wirkendes Platin herstellen.

Um für sein Verfahren (D. p. J. 1897 304 258) vollständig wasserfreies Zinkchlorid zu erhalten, digerirt F. M. Lyte (Englisches Patent Nr. 11190/1897) das geschmolzene Salz mit (am besten geschmolzenem) Zink. Dieser Process kann durch einen Strom unterstützt werden, der zwischen Zink als Anode und Kohle als Kathode übergeht. Ist das Bad vollkommen entwässert, so wird der Strom umgekehrt.

Ueber die Elektrolyse von Zinkchloridlösungen haben E. Foerster und O. Günther (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 5 S. 16) gearbeitet. Als Anoden diente Elektrolytzink, das in locker anliegende Säckchen von Filtrirleinwand