Text-Bild-Ansicht Band 317

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der Cement oder Beton die Druckspannungen, das Eisen dagegen die Zugspannungen auf. Derartige Anordnungen werden vielfach, obwohl nicht ganz mit Recht, unter dem Namen der Bauweise nach Monier zusammengefasst. Ursprünglich bettete man hierbei ein Gitter aus starkem Eisendraht in den Cement ein. Bei der weiteren Ausbildung dieser Konstruktionen – man nennt sie auch Bauweisen in armiertem Cement – hat die Eiseneinlage die verschiedensten Formen und Gestaltungen angenommen; sie wird aus Bandeisen, Rundeisen, einfachem und verdrehtem Quadrateisen, wie aus den verschiedensten Façoneisen angefertigt.

Was die Zumischungen anbetrifft, die man hierbei zu dem Cement macht, um Beton zu erhalten, so sind diese sehr verschieden. Am besten ist natürlich guter Kies; aber auch Schlacken werden sehr viel genommen. Vor letzteren ist indessen in der Beziehung zu warnen, dass man sie nicht in Verbindung mit Eisen bringen soll, denn die Schlacken, mögen es nun Hochofenschlacken oder Feuerungsschlacken sein, enthalten fast immer einen grossen Gehalt an schädlichen Stoffen, namentlich an Schwefel, wodurch sie das damit in Berührung kommende Eisen zu zerstören geeignet sind. Man kann Schlackenbeton deshalb nur als Füllstoff über einer Lage von Kiesbeton verwenden, wobei eine Berührung mit Eisen durchaus ausgeschlossen ist. Sonst ist eben der Beton nichts, das der Erhaltung des Eisens förderlich ist, sondern vielmehr etwas, das seine Zerstörung herbeiführt. Besonders leicht im Gewicht ist eine Zumischung von Bimssand zu dem Beton, die sich für manche Zwecke eignen dürfte. Als Gewichte von verschiedenen Betonarten rechnet man 2000 bis 2400 kg, dagegen von solchem mit Bimskies nur 1200 kg auf das Kubikmeter.

Von derartigen Beton-Eisendecken erwähnen wir zunächst Stolte's Stegcementdielen (D. R. P. Nr. 71351) (Fig. 57). Diese bestehen aus quer von einem ⌶-Träger zum anderen reichenden Platten, die eine Reihe von Hohlräumen und dazwischen, in etwa ein Drittel ihrer Höhe, Einlagen von Bandeisen besitzen. Sie greifen mit Nut und Feder ineinander ein. Früher wurden sie auch nach dem System der Schrägverlegung (Fig. 12) verlegt, jedoch scheint man sie neuerdings wohl nur noch senkrecht zu den Trägern anzuordnen.

Textabbildung Bd. 317, S. 207

Eine andere, neuerdings empfohlene Cementplatte, ist die nach System Siegwart (Fig. 58), das aus Cementröhren mit Eiseneinlagen, letztere nach Art der noch zu erwähnenden Bauweise nach Hennebique (vgl. Fig. 87 und 88) bestellt. System Siegwart. Die Cementröhren sind vierkantig; sie sind an beiden Enden verschlossen, so dass der Hohlraum unzugänglich ist. Ob sie indessen einen Vorzug vor den Cementdielen nach Stolte haben, ist jedenfalls fraglich, da bei letzteren die Verteilung der Hohlräume und Eiseneinlagen doch wohl günstiger sein dürfte.

Cementplatten amerikanischen Ursprunges sind die nach dem System Mc Cabe (Fig. 59 und 60). Hierbei sind die Eiseneinlagen nicht in die Cementplatten selbst eingelegt, sondern je zwei aneinander grenzende Platten ruhen gemeinsam auf einem kleinen umgekehrten ⊤-Eisen auf, ähnlich wie bei den Ziegeldecken nach Donath und nach Czarnikow.

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Wenn wir jetzt zu den Decken übergehen, die nicht aus einzelnen Platten zusammengesetzt sind, sondern gänzlich erst an Ort und Stelle hergestellt werden, so haben wir zunächst die von der Aktiengesellschaft für Beton- und Monierbau in Berlin ausgeführten Konstruktionen der Koenen'schen Gewölbedecke (Voutenplatte) und der Koenen'schen ebenen Decke (Plandecke). Erstere (Fig. 61) enthält zwischen den Hauptträgern senkrecht zu diesen angeordnete, auf ihren oberen Flanschen aufliegende und dort verankerte, nach der Mitte zu durchgesenkte Eisenstäbe. Dadurch, dass sie innerhalb des ebenen Teiles der Platten ungefähr in der Kettenlinie angeordnet sind, ermöglichen sie eine grosse Spannweite dieser Konstruktion. Sie wird vielfach so ausgeführt, dass die Unterflanschen der Träger ungeschützt bleiben; jedoch ist auch hier eine thatsächliche Feuersicherheit nur zu erreichen, wenn dieser Unterflansch ebenfalls mit Cement oder einem sonstigen Feuerschutz umkleidet wird.

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Letzteres zu ermöglichen ist die Koenen'sche ebene Decke (Fig. 62 bis 64) besser geeignet. Sie ist eine mit Rippen und Hohlräumen versehene Betoneisendecke, die mit einer, unterhalb der Träger durchgehenden, ebenen Decke verbunden ist. Unter den Rippen werden für gewöhnlich freitragende oder aufgehängte Holzleisten angeordnet (Fig. 63), wodurch eine bequeme Befestigung der ebenen Unterdecke erzielt wird. Besser ist es, die Holzleisten wegfallen zu lassen und die Unterdecke statt dessen an Haltern aus verzinktem Eisendraht zu befestigen, die in dem Rippenkörper fest einbetoniert sind (Fig. 64). In die Rippen der Tragplatten sind Eisenstäbe möglichst tief eingebettet, damit sie im Widerstandsmoment der Platte möglichst wirksam werden. Die hierdurch verringerte Druckbeanspruchung des Betons gestattet es, die obere Platte in leichterem Kies oder Bimskieselbeton auszuführen, während die das Eisen umhüllende Rippe in dichterer Mischung hergestellt wird. Die ebene Unterdecke ist von der eigentlichen Betondecke übrigens fast ganz unabhängig, insbesondere wird ein Reissen, den Trägern entlang, durch diese Konstruktion nicht hervorgerufen.

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Bei der Spanneisendecke von Paul Zöllner und Co. (D. R. P. Nr. 119651) (Fig. 65 und 66) befinden sich schräg liegende Eiseneinlagen in der im allgemeinen ähnlich konstruierten Decke, Der wesentliche Unterschied von der Koenen'schen Gewölbedecke besteht darin, dass bei der Spanneisendecke den zu den Einlagen verwendeten Rundeisenstäben ein grosser Teil ihres Dehnungsvermögens durch Vorbeanspruchung auf Zug vorweggenommen wird. Diese Erzeugung einer Anfangsspannung erfolgt dadurch, dass die Stäbe erst in senkrechter Lage an den Trägeroberflanschen oder, beim Anstossen an Wände, an darin verankerten Flachschienen angehakt, hierauf dann erst in die endgültige Schräglage gerückt werden. Die Stangen sind demgemäss auch nicht durchhängend, sondern ganz eben gespannt.

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Die Spanndecke nach Wayss (Fig. 67 und 68) (D. R. P. Nr. 109964) hat statt durchgehender Eiseneinlagen ein System von gegliederten, an Querbolzen angehakten, und so miteinander verbundenen Eisenstäben angeordnet.