Text-Bild-Ansicht Band 317

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Bei der Betondecke nach System Holzer (D. R. P. Nr. 78498) (Fig. 69 und 70) sind zwischen den Haupt-⌶-Trägern kleinere ⌶-Träger angeordnet, die auf dem unteren Trägerflansche ersterer aufliegen oder über deren obere Flanschen weggehen, oder sonstwie dazwischen angeordnet sind. Unten sind Schilfrohrmatten angehängt, die einerseits den Cementkiesbeton tragen, andererseits von unten verputzt werden. Da der Deckenputz hierbei von den Trägern unabhängig ist, so wird das Durchscheinen der Hauptträger und das Auftreten von Rissen ihnen entlang vermieden. Das Rohrgewebe erlaubt es, die Decke ganz ohne Schalung herzustellen. Die Art und Weise, wie gegebenenfalls die Stege und Unterflanschen der Träger mit Betonformstücken bekleidet werden, ermöglicht die Bildung von Raum und Material sparenden Kassettendecken.

Textabbildung Bd. 317, S. 208

Aehnlich dieser letzteren ist in gewisser Beziehung auch die amerikanische Decke nach System Columbian (Fig. 71). Hierbei sind die Einlageeisen an den oberen Flanschen der Deckenträger aufgehängt. Erstere haben im Querschnitt die Form eines Kreuzes mit zwei Querbalken. Die unteren Flanschen der ⌶-Träger werden durch besonders geformte, an ihnen aufgehängte Betonstücke geschützt; die Aufhängeeisen sind in letztere eingegossen. Ausserdem ist die ganze, Konstruktion noch von unten sorgfältig verputzt.

Die Eisenfederdecke nach Johannes Müller (D. R. G. M. Nr. 17 230) (Fig. 72 bis 76) enthält zwischen den ⌶-Trägern hochkant gestellte Flacheisenstäbe, Tragestäbe genannt, mit dazwischen zickzackförmig angeordneten Eisenbändern, sogen. Zickzackfedern, die ebenfalls aus hochkant stehenden Bandeisen hergestellt sind. In dies Eisengerippe wird auf einer etwa 2 cm darunter befindlichen Schalung der Beton fest eingestampft. Die Tragestäbe werden entweder auf die Unterflanschen der Träger eben oder nach oben gewölbt aufgelegt, oder sie werden über deren Oberflanschen glatt weggelegt, oder nach Art der Koenen'schen Gewölbedecken mit Einsenkung angebracht, im letzteren Falle auf den Flanschen verdreht aufgehakt. Die ganze Eisenkonstruktion wirkt wie eine federnde Matratze und ist jedenfalls für grosse Spannweiten sehr gut geeignet.

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Aehnlich ist die Konstruktion der Donath'schen Diagonaleisendecke (Fig. 77 und 78). Hierbei werden senkrecht zu den eisernen Trägern ⌶-, ∟- oder umgekehrte ⊤-Eisen je 2 bis 3 cm hoch in Abständen bis zu 50 cm verlegt Diese Eisen erhalten unter sich eine Diagonalversteifung durch Bandeisen. Unten wird ein Rohr- oder Drahtgewebe befestigt, das zur Aufnahme der ersten Mörtelschicht bestimmt ist. Hierauf wird dann schichtenweise Beton aufgebracht und eingestampft.

Bei der einfachen Beton-Eisendecke nach Jul. Donath (Fig. 79 und 80) dagegen besteht die Einlage zwischen den Trägern nur aus Band- oder S-Eisen ohne gegenseitige Versteifung.

Die sogen. Spiral-Eisen-Betondecke, erfunden von Architekt Franz Habrich in Hagen (Fig. 81 und 82), besteht aus Beton mit Einlage von schraubenförmig verdrehtem Bandeisen, die ähnlich wie die Einlage in Fig. 73 bis 76 auf den unteren oder oberen Trägerflanschen, eben oder gewölbt verlegt wird. Die Unverschiebbarkeit der Eiseneinlage in sich selbst wird hier nicht durch Aneinanderfügen verschieden gerichteter Eisenteile, sondern durch die Verdrehung des Eisens bewirkt.

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Die Decke nach Golding (D. R. P. Nr. 89516) (Fig. 83 und 84) ist eigentlich mehr auf Brückenbauten u. dgl. als auf den Hochbau berechnet. Sie ist gekennzeichnet durch die Einspannung von Bögen aus breitem ⋃-Eisen zwischen die Widerlager. Auf diese Bögen wird eine Betonfüllung aufgebracht, die im Verein damit einen Träger bildet. Hierdurch entsteht in Gemeinschaft mit den ursprünglichen Widerlagern ein ringsum umschlossenes, die eigentliche Decke tragendes Feld.

Eigentümlich ist die Decke nach Feketehazy (D. R. P. Nr. 104290) (Fig. 85). Sie besteht aus mit Eiseneinlagen armierten Kragträgern aus Beton, die zwischen sich mit ebenen Platten überdeckte Zwischenräume haben, durch die nach der Fertigstellung die Lehrbögen herausgenommen werden sollen. Die drehend auf die Deckenträger wirkenden Kräfte sollen durch die zugfest ausgebildete untere Deckenfläche aufgenommen werden. Von einer Einführung dieser Decke in das Bauwesen hat nichts verlautet; auch ist die ganze Anordnung wenig dazu einladend.

Das System Gutzeit (D. R. P. Nr. 82853) (Fig. 86) enthält zwischen den Hauptträgern gerade oder gekrümmte, stangenartige Zwischenträger, die aus einem Eisenkern bestehen, um den herum durchlochte Körper beliebigen Querschnitts aufgereiht sind, etwa nach Art einer Perlschnur. Darüber wird dann Beton aufgebracht. Ob dies System weitere Anwendung gefunden hat, ist fraglich, zumal das Patent auch schon erloschen ist.

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Die Bauweise Hennebique (Fig. 87 und 88) beruht auf der Bildung von ⊤-Formen, in deren Schenkel Rundeisen eingebettet liegen, die miteinander durch Haken von Bandeisen verbunden sind. Es will überhaupt die Anwendung von ⊤-Trägern vermeiden und diese durch Träger aus in der besprochenen Weise armiertem Cement ersetzen. Auch sogar die Pfeiler sollen durch Cementsäulen gebildet werden, in die Rundeisen eingebettet sind. Gerade diese Bauweise bedarf bei ihrem verhältnismässig nur sehr schwachen Eisengerüst äusserst sorgfältiger Berechnung